PV-Anlage auf einem Dach
Erneuerbare Energien umfassen zukünftig nicht nur Aufdach-PV. (Quelle: Pixabay)

Nachhaltigkeit & ESG 2023-10-19T09:59:28.413Z Riesige Flächenreserven für Erneuerbare Energien

Photovoltaik auf Dächern ist chancenreich, birgt aber Hürden bei der Bewertung. Thomas Lehmann, Director bei Wüest Partner, zeigt Lösungen auf.

In Zeiten des Klimawandels ist es wichtiger denn je, erneuerbare Energien zu fördern und einen nachhaltigen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Eine gute Möglichkeit, diesen Anspruch umzusetzen, bieten Photovoltaik-Anlagen auf Gebäudedächern. Gerade auf diesen existiert ein erhebliches Potenzial. Im Vorfeld gilt es hierbei folgende Grundsatzfragen zu beantworten.

Porträtfoto von Thomas Lehmann
Ein Beitrag von Thomas Lehmann. (Quelle: Wüest Partner)

Wieviel Photovoltaik wird für die Energiewende benötigt? Um unseren gesamten Energiebedarf aus Erneuerbaren Energien (EE) zu decken, ist ein massiver Ausbau der installierten PV-Leistung notwendig, neben einer Reihe weiterer Maßnahmen. Im EEG 2023 ist ein PV-Ausbau auf 215 GWP bis 2030 und auf 400 GWP bis 2040 vorgesehen. Zunehmend müssen auch Altanlagen ersetzt werden.

Gibt es in Deutschland genügend Flächen für Photovoltaik? Ja, und zwar ohne nennenswerte Konflikte mit der Landwirtschaft oder dem Naturschutz. Ein wichtiges Konzept für die Erschließung bedeutender Flächenpotenziale ist die Integration. Integrierte Photovoltaik ermöglicht eine doppelte Flächennutzung. Gebäudehüllen, d.h. Dächer und Fassaden, bieten ein technisches Potenzial in der Größenordnung von 1000 GWP. Bisher genutzt werden weniger als zehn Prozent des Dachpotenzials und weniger als ein Prozent des Fassadenpotenzials.

Sind PV-Anlagen nur auf optimal ausgerichteten Dächern wirtschaftlich? Nein, es lohnt eine Gesamtbetrachtung der Wirtschaftlichkeit.

Installation von PV-Anlagen zahlt sich meistens aus

Dabei zeigt sich: In den meisten Fällen zahlt sich die Installation von PV-Anlagen umwelttechnisch und wirtschaftlich aus. Exemplarisch lässt sich dies an der Analyse des Immobilienportfolios einer Vorsorgeeinrichtung darstellen. Deren Ziel war es, eine detaillierte Entscheidungsgrundlage für die Planung der anstehenden Investitionen zu bieten.

Um solide Entscheidungsgrundlagen für die geplante Installation von Photovoltaik-Anlagen zu erarbeiten, mussten vor allem die folgenden drei Punkte geklärt werden:

  • Wie viel Strom kann mit Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern dieser Immobilien konkret generiert werden?

  • Wie viel CO2-Emissionen können eingespart werden? Dabei sollten auch die bei der Erstellung und der Installation der Anlagen anfallenden grauen Emissionen mitberücksichtigt werden.

  • Lohnt sich die Installation von Photovoltaik-Anlagen finanziell, kann damit ein ökonomischer Mehrwert erzielt werden?

Einflussfaktoren

Um die Gegebenheiten des Portfolios möglichst realistisch einschätzen zu können, wurde eine ganze Reihe von Einflussfaktoren und projektspezifischen Unsicherheiten in die Analysen miteinbezogen:

  • Investitions- und Betriebskosten
  • Künftige Entwicklung der Strompreise
  • Eigenverbrauch der Nutzer
  • Installationsfläche
  • Wirkungsgrad von Photovoltaik-Anlagen
  • Verkauf von Photovoltaik-Strom an die Mieter:innen der Liegenschaften (Zusammenschluss zum Eigenverbrauch) oder Einspeisung ins Netz
  • Lebenserwartung von Photovoltaik-Anlagen und ihrer Komponenten
  • Jährliche Leistungsverluste der Photovoltaik-Anlagen
  • Leistungsbeeinträchtigungen (beispielsweise aufgrund von Verschattungen durch Gebäude oder Bäume)
  • Förderbeiträge
  • Teuerungsszenarien von Photovoltaik-Anlagen, Strompreisen usw.
  • Vorteil für Mieterinnen und Mieter durch Bezug von günstigem Photovoltaik-Strom

Monte-Carlo-Simulation: Spielraum für Ungewisses

Im Rahmen der Analysen arbeitete Wüest Partner mit sogenannten Monte-Carlo-Simulationen, einem statistischen Verfahren, das mittels Zufallszahlen mögliche Ergebnisse bestimmter Szenarien modelliert. Dabei werden einzelnen Einflussfaktoren bestimmte Unsicherheitsbereiche zugeordnet. Die Simulation wird viele Male durchgeführt, um eine Vielzahl an möglichen Ergebnissen zu generieren. Aus diesen Ergebnissen können dann Tendenzen abgeleitet werden, die wiederum als Entscheidungsgrundlagen für Investitionen genutzt werden können.

Die Resultate der Berechnungen zeigen, dass es bei der großen Mehrheit der Gebäude Sinn macht, sie kurz- bis mittelfristig mit einer Photovoltaik-Anlage auszustatten. Davon würde nicht nur die Umwelt profitieren, sondern auch das Portfolio würde an Wert gewinnen.

Ausblick

Die von der Bundesregierung postulierte Energiewende hat das Ziel, eine umweltverträgliche, sichere und wirtschaftliche Energieversorgung zu gewährleisten. Investitionen in Infrastrukturanlagen (insbesondere Photovoltaik- und Windkraft) sind entscheidend für die Transformation der Wirtschaft zur Klimaneutralität, die die Bundesregierung für Deutschland bis 2045 anstrebt. Hierbei ist offensichtlich, dass öffentliche Mittel allein nicht ausreichen, um diesen Wandel und die erforderliche Infrastruktur zu finanzieren.

Die Bundesregierung hat dies erkannt und will mit dem Zukunftsfinanzierungsgesetz erheblich mehr Kapital für die Bereiche Klimaschutz und Digitalisierung mobilisieren. Die Bundesministerien der Finanzen und der Justiz haben am 16. August dieses Jahres den Referentenentwurf im Bundeskabinett beschlossen. Ein wesentlicher Hebel, der sich darin findet, wäre die Möglichkeit für Immobilienfonds, künftig bis zu 15 Prozent ihres Vermögens in Erneuerbare-Energie-Anlagen zu investieren, diese selbst zu betreiben und den gewonnenen Strom ins öffentliche Netz einzuspeisen.

Erneuerbare Energien umfassen zukünftig nicht nur Aufdach-PV. Das Thema ist weit größer und der Investitionsbedarf ist riesig.

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zuletzt editiert am 19. Oktober 2023
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