Porträtbild von Dr. Johannes Conradi
Dr. Johannes Conradi FRICS (Quelle: Freshfields Bruckhaus Deringer)

Nachhaltigkeit & ESG

05. September 2022 | Teilen auf:

Richtig entscheiden – zum Wohle der Gesellschaft

Viel hören und lesen wir vom „E“, zunehmend auch vom „S“ im ESG. Das ist richtig und wichtig, doch dabei dürfen wir das „G“ nicht ganz vergessen:
Corporate Governance, die gute Unternehmensführung. Dazu gehört auch das Planen, Entscheiden und Umsetzen in geregelten Zuständigkeiten und Abläufen, nach rationalen Kriterien im Zusammenspiel der Gremien.

Wie werden richtige Entscheidungen getroffen? Und wie vermeiden Vorstand, Geschäftsführung und Aufsichtsrat Fehler, Schäden und Haftungsrisiken? Juristen verweisen hier gern auf die „Business Judgement Rule“, die sich im Aktiengesetz findet. Danach sind unternehmerische Entscheidungen immer dann in Ordnung, wenn der zuständige Manager oder das entsprechende Gremium vernünftigerweise annehmen durfte, auf der Grundlage angemessener Informationen „zum Wohle der Gesellschaft“ zu handeln. Wer jetzt laut jubelt und sich freut, dass damit der Sieg der „Stakeholder“ über die „Shareholder“ gesetzlich fixiert sei, weil endlich die gesellschaftliche Verantwortung das einseitige Gewinnstreben der Unternehmen abgelöst habe, muss sich eines Besseren belehren lassen: Streng genommen ist hier mit „Gesellschaft“ nämlich (nur) das Unternehmen gemeint, nicht das Gemeinwohl.

Allerdings besteht inzwischen auch weitgehender Konsens, dass zum Unternehmenswohl nicht nur die Interessen der Anteilseigner (Shareholder Value), sondern auch und zunehmend die Belange der Arbeitnehmer, Kunden, Lieferanten, Finanzierer et cetera sowie der Allgemeinheit (Stakeholder Value) zählen können; das Unternehmens ist eben auch Teil der auf Nachhaltigkeit orientierten Marktwirtschaft.

Gut dokumentieren

Was heißt das konkret für die unternehmerische Praxis? Je bedeutender eine Entscheidung ist, desto wichtiger wird es sein, den zugrunde liegenden Sachverhalt in allen wesentlichen Aspekten zu kennen, die Voraussetzungen der Entscheidung und ihre Auswirkungen gründlich zu bedenken sowie ihre möglichen Vor- und Nachteile nachvollziehbar abzuwägen – und dabei immer schön am Unternehmenswohl ausgerichtet zu sein, ohne Hintergedanken und Eigeninteressen. Natürlich muss das alles auch noch gut dokumentiert sein, durch entsprechende Entscheidungsvorlagen und Sitzungsprotokolle, die als Nachweis dienen können. So macht man es richtig. Das „G“ freut sich.

zuletzt editiert am 18.09.2022