Teileigentum-Fallbeispiele-Berwis
Zum Äußersten muss es nicht kommen, aber fragmentierte Eigentumsverhältnisse machen es oft schwer, Immobilien zukunftsfähig zu halten (Foto: Berwis/pixelio.de)

Projekte 2016-12-07T00:00:00Z Problemfall Teileigentum: Best Practice

Was tun, wenn die Modernisierung einer Immobilie blockiert ist? Keine Seltenheit wenn sich mehrere Dutzend Teileigentümer unversöhnlich gegenüber stehen. Zwei weitere Cases zeigen, wie es gelingen kann, solche Blockaden zu lösen (Teil 2).

Südüberbauung Bonner Hauptbahnhof
Ein kleines, schlagkräftiges Team mit ständiger Rückendeckung und tatkräftiger Unterstützung des Firmenchefs hatte sich auch am Bonner Hauptbahnhof an die Arbeit gemacht. Moritz Tank, Projektleiter bei Ten Brinke Projektentwicklung, und sein Team hatten es bei der sogenannten Südüberbauung mit „nur“ 38 Eigentümern zu tun, denen 85 Einheiten gehörten.

Wie im Fall Fürth nahmen auch sie sich zunächst die schwierigen Kandidaten vor. Im Gegensatz zum Fürther Fall trat Ten Brinke offen als Käufer auf und bekam Einblick in die Verhältnisse dadurch, dass man zunächst eine Einheit in dem Gebäude erwarb.

Zudem war auch die Stadt mit im Boot, die ebenso wie die Stadtwerke zum Eigentümerkreis zählte. „Das hat geholfen“, sagt Moritz Tank. Ebenso wie die Tatsache, dass viele alteingesessene Bonner unter den Eigentümern waren. Sie haben selbst ein Interesse daran, dass der unschöne Platz am Hauptbahnhof endlich wieder ansehnlich wird.

Den Ankermieter schon im Gepäck
Das neue Maximilian Center mit seinen knapp 9.000 Quadratmetern Handelsfläche soll 2019 seine Türen öffnen. Erst einen Ankermieter finden – Primark hat zugesagt – und die Miethöhe verhandeln, danach zu einem Preis kaufen, der sich aus der Miete errechnet: So ging Ten Brinke vor.

Mehr als ein Jahr dauerte es, bis Ende Mai 2016 endlich alle Eigentümer verkauft hatten. „Wichtig war, dass wir schon sämtliche Hausaufgaben gemacht hatten, bevor es in die konkreten Ankaufsverhandlungen ging“, berichtet Tank. Dazu zählten vor allem baurechtliche Fragen. Es war von früheren Kaufinteressenten viel Vertrauen verspielt worden, daher „mussten wir mit einem schlüssigen Konzept rein“.

Dass Ten Brinke dennoch einige Kröten schlucken musste, lässt sich nicht verbergen. So ziehen einige der bisherigen Ladeninhaber, die Eigentümer ihrer Flächen waren, als Mieter in den Neubau ein – eine Lösung, die ursprünglich nicht beabsichtigt war.

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„City C“ in Leverkusen
In Leverkusen saß ein Zweiergespann drei Jahre lang an der Lösung des Problemfalls City C, und nun scheint diese Lösung in greifbare Nähe gerückt. Dort geht es um einen Komplex mit 20.000 Quadratmetern Handelsfläche, die zu mehr als der Hälfte leerstehen, einem Hochhaus mit Büros und Praxen sowie mehreren Wohngebäuden, insgesamt fast 46.000 Quadratmeter.

Das Ensemble stammt aus dem Jahr 1969 und umfasste ursprünglich 105 Eigentümer, die 150 Einheiten besaßen. Inzwischen halten die Stadt, die örtliche Sparkasse und die städtische Tochter LPG (Leverkusener Parkhaus Gesellschaft) den überwiegenden Teil der Miteigentumsanteile. „Uns fehlen noch etwa fünf Prozent von mehr als einer Million Miteigentumsanteilen“, sagte Oberbürgermeister Uwe Richrath im November 2016.

Die Stadt hatte für den kompletten Ankaufs- und Planungsprozess ein „City Büro“ eingerichtet, dessen zwei Mitarbeiter zum Jahresende 2016 ihre Arbeit einstellen können. Wie lautet das Leverkusener Rezept? „Sie müssen sehr vorsichtig, still und verlässlich agieren“, sagt OB Richrath, der betont: „Wir sind aber noch nicht hundertprozentig durch.“

Mancher wusste gar nichts von seinem Eigentum
Diplomatie und Kaffeetrinken, jeden einzelnen Eigentümer persönlich aufsuchen, so gingen die City-Büro-Verantwortlichen vor, die „Sisyphosarbeit“ leisteten. Auch die Leverkusener hatten mit sehr unterschiedlichen Eigentümern zu tun, darunter Investoren aus dem Ausland, die gar nicht mehr wussten, dass sie eine Immobilie in Leverkusen besaßen.

Die Zukunft des City C liegt im Teilabriss und Neubau, der frühestens 2020 abgeschlossen sein wird. 25 gewerbliche Einheiten sollen weichen und zum Teil durch Wohnungen ersetzt werden. Auch ein Hotel ist vorgesehen. Der Plan ist, ab dem kommenden Jahr die diversen Teilflächen an Investoren zu verkaufen. Dabei hat man aus den bisherigen, schlechten Erfahren mit nationalen und internationalen Eigentümern gelernt, denen Ortsbild und Stadtentwicklung relativ egal waren. OB Richrath favorisiert kleinere Käufer wie Genossenschaften, Wohnungsgesellschaften oder private Investoren, Hauptsache: Sie haben eine langfristige Perspektive und kommen aus der Region.

Autor: Roswitha Loibl

Hier gelangen Sie noch einmal zum Fallbeispiel des City-Centers in Fürth.

zuletzt editiert am 31. Mai 2021
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