Der Hamburger Beschluss, keine neuen Einfamilienhaus-Flächen mehr auszuweisen, ist vorausschauende Politik. Ein Kommentar von Roswitha Loibl.
Grund und Boden sind ein nicht beliebig vermehrbares Gut. Also muss man sparsam damit umgehen, denn ein dicht besiedeltes Land wie Deutschland benötigt sein Acker- und Grünland ebenso wie die Freiflächen in den Städten. Es gab einmal das hehre Ziel der Bundesregierung, bis 2020 den Flächenverbrauch auf 30 Hektar pro Tag zu begrenzen. Die Realität sieht anders aus: Schon am 14. Juli 2020 war das einst aufgestellte Jahresbudget an Fläche aufgebraucht.
Einfamilienhäuser sind das Gegenteil von einem sparsamen Umgang mit Flächen. Gerade in Ballungsräumen – und seien sie so luftig bebaut wie Hamburg – kann sich Deutschland das nicht länger leisten. Es geht in der Hansestadt nicht darum, den Menschen ihre Häuser wegzunehmen. Dies zu suggerieren, ist nicht seriös.
Es geht einzig und allein darum, in neuen Bebauungsplänen keine neuen Einfamilienhausgebiete mehr zuzulassen. „Neue Quartiere werden wir kompakt, vorrangig im Geschosswohnungsbau bauen“, heißt es im Koalitionsvertrag von Grünen und SPD.
Daher ist es konsequent, wenn der Hamburger Bezirk Nord nun keine neuen Flächen mehr für Einfamilien- und Reihenhäuser ausweist. Das Gemeinwohl hat einen höheren Stellenwert als individuelle Interessen. Und was den Traum vom Eigenheim in der Metropole angeht, so lässt er sich weiterhin erfüllen, aber eben vorzugsweise im Bestand. Oder dort, wo bereits ein Bebauungsplan existiert.

Mit einer Verbotspolitik hat das nichts zu tun. Es ist eine vorausschauende Politik. Und in diesem Sinne keineswegs familienfeindlich, sondern sogar enkeltauglich. Damit auch spätere Generationen noch die Freiräume haben, die sie brauchen.
Autorin: Roswitha Loibl ist Redakteurin bei immobilienmanager.