Porträt Luka Mucic
Luka Mucic absolvierte seine erste Hauptversammlung als CEO der Vonovia SE. (Quelle: Vodafone)

Unternehmen & Köpfe 2026-05-21T13:25:47.205Z Neuer Chef, aber bekannte Belastungen bei Vonovia

Vonovia-Hauptversammlung: Kritik an der Abfindung von Ex-CEO Rolf Buch. Operativ zeigt das Unternehmen Stärke, kämpft aber mit hoher Verschuldung.

Luka Mucic hat seine erste Hauptversammlung als Vonovia-Chef genutzt, um den Anspruch des Konzerns zu schärfen: Vonovia verstehe sich als Teil der Lösung für den angespannten Wohnungsmarkt – über bezahlbare Mieten, Neubau und Investitionen in den Klimaschutz. Operativ unterstreicht das Portfolio diese Rolle: Ende März bewirtschaftete der Konzern rund 531.000 Wohnungen, davon knapp 471.000 in Deutschland. Die durchschnittliche Monatsmiete lag hier bei 8,26 Euro pro Quadratmeter und damit 3,8 Prozent über dem Vorjahr.

Im laufenden Jahr zeigt das Kerngeschäft robuste Kennzahlen. Die Vermietungsquote liegt bei 97,7 Prozent, das bereinigte EBITDA im Kerngeschäft stieg im ersten Quartal 2026 um 6,3 Prozent auf knapp 630 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr peilt der Vorstand ein bereinigtes EBITDA von rund drei Milliarden Euro an. Das Mietwachstum soll bei etwa 4,2 Prozent liegen.

Gleichzeitig drückt das Zinsumfeld auf Ergebnis und Stimmung. Der bereinigte Gewinn sank im ersten Quartal 2026 um 7,2 Prozent auf etwa 366 Millionen Euro, der operative freie Cashflow bleibt hinter den Erwartungen zurück. Hintergrund ist die Zinswende seit 2022: Früher trieben niedrige Finanzierungskosten den Ausbau des Portfolios, unter anderem über Übernahmen wie Buwog und Deutsche Wohnen.

Heute muss Vonovia auslaufende Kredite zu deutlich höheren Zinsen refinanzieren, während fallende Immobilienpreise die Portfoliowerte belastet haben. Der Konzern kehrte zwar aus der Verlustzone in die Gewinnzone zurück, trägt aber weiterhin einen Schuldenberg von rund 40 Milliarden Euro.

5,8 plus 3,3 Millionen Euro

Aktionärsschützer kritisierten die hohen Zahlungen an den ausgeschiedenen CEO Rolf Buch, der seinen bis Ende 2025 laufenden Vertrag vorzeitig beendete. Er erhält nicht nur eine Abfindung von 5,8 Millionen Euro, sondern auch eine Entschädigung dafür, dass er ein Jahr lang nicht bei der Vonovia-Konkurrenz arbeiten darf. Das sind weitere 3,3 Millionen Euro. Dazu kommen rund 211.000 virtuelle Vonovia-Aktien, die Anfang 2028 zur Auszahlung anstehen.

Ein zentraler Punkt bei der Hauptversammlung war zudem die Verschuldung. Die Quote (Loan-to-Value) liegt derzeit bei rund 45 Prozent. Bis Ende 2028 soll sie auf etwa 40 Prozent sinken. Die Fortschritte beim Schuldenabbau sind bislang eher schrittweise; entscheidend wird sein, ob Mucic die Geschwindigkeit erhöhen kann, obwohl er den wesentlichen Hebel – das Zinsniveau – nicht selbst steuert.

Eng mit der Bilanz verknüpft ist die Dividendenpolitik. Für das laufende Jahr schlägt der Vorstand 1,25 Euro je Aktie vor. Die Ausschüttung steht damit im Spannungsfeld zwischen dem Anspruch, den Aktionären eine verlässliche Dividende zu bieten, und der Notwendigkeit, die Kapitalstruktur zu stärken. Genau dieses Spannungsfeld bestimmte die Diskussion auf der Hauptversammlung: Wie viel Ausschüttung verträgt eine hoch verschuldete Bilanz, ohne die strategische Handlungsfähigkeit zu gefährden?

An der Börse spiegelt sich die Skepsis gegenüber dem hohen Verschuldungsgrad und der Zinsabhängigkeit klar wider. Die Vonovia-Aktie liegt seit Jahresbeginn im Minus und notiert deutlich unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt. Der Abstand zum Jahrestief ist gering. Analystenhäuser wie Goldman Sachs und J.P. Morgan sehen zwar Kurspotenzial, doch der Markt verlangt sichtbare Fortschritte bei der Entschuldung und eine belastbare Bestätigung der Jahresziele.

zuletzt editiert am 21. Mai 2026
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