Ein Pilotprojekt in München analysiert 7.500 Gebäude, um Baustoffe künftig systematisch wiederzuverwenden.
Die Landeshauptstadt München hat im Rahmen ihrer Zero-Waste-Strategie ein Pilotprojekt für kreislauffähiges Bauen gestartet. Gemeinsam mit der Drees & Sommer-Tochter EPEA und Madaster Germany wurde ein Gebäudematerialkataster für den Stadtteil Feldmoching-Hasenbergl erstellt. Ziel ist es, Transparenz über verbaute Rohstoffe zu schaffen und Materialien künftig stärker wiederzuverwenden.
Im Rahmen des Projekts wurden rund 7.500 Gebäude analysiert. Grundlage ist das digitale Tool „Urban Mining Screener“, das anhand weniger Gebäudedaten wie Baujahr, Standort und Typ Rückschlüsse auf die Materialzusammensetzung ermöglicht.
Nach Angaben der Projektpartner befinden sich im untersuchten Gebiet unter anderem mehr als 4,4 Millionen Tonnen Beton sowie über 200.000 Tonnen Metalle. Die Daten sollen helfen, zukünftige Materialströme im Gebäudesektor besser zu prognostizieren und Stoffkreisläufe zu schließen.
„Ein Wiedereinsatz in gleicher Güte und Qualität findet in Deutschland bisher kaum statt. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass wir oft gar nicht wissen, was in unseren Gebäuden steckt“, erklärt Dr. Matthias Heinrich, Experte für Urban Mining bei EPEA.
Sarah-Caitleen Sauer, Head of Public Sector & Architecture bei Madaster Germany, ergänzt: „Aus wenigen Eingangsdaten wie Baujahr, Bauort und Gebäudetyp lassen sich damit erste Abschätzungen zur Materialzusammensetzung von Gebäuden und ganzen Stadtteilen ableiten.“
Zero-Waste-Strategie der Stadt München
München verfolgt mit seiner Zero-Waste-Strategie das Ziel, Abfälle aus Haushalten bis 2035 um 15 Prozent und die Restmüllmenge um 35 Prozent zu reduzieren. Laut Stadtverwaltung entfallen rund 60 Prozent des jährlichen Rohstoffverbrauchs in München auf Bauwesen und Infrastruktur.
„Bau- und Abbruchabfälle machen einen erheblichen Teil des Abfallaufkommens in München aus. Daher sehen wir hier das größte Potenzial, den Ressourcenverbrauch signifikant zu senken“, erklärt die Zero-Waste-Fachstelle im Kommunalreferat. Das Gebäudematerialkataster bilde dafür eine wichtige Grundlage.
„Die Erfassung der Materialien ist nur der erste Schritt. Nun gilt es, dieses Lager systematisch im Rahmen eines vorausschauenden und nachhaltigen Stoffstrommanagements zu bewirtschaften und dabei die CO2-Emissionen, den Rohstoffverbrauch und das Abfallaufkommen weitestmöglich zu reduzieren“, betont Heinrich.
Das Pilotprojekt soll nach Angaben der Beteiligten künftig auf weitere Stadtgebiete übertragen werden können. Zudem könnten die Ergebnisse in weitere Initiativen zur Kreislaufwirtschaft und zum Urban Mining in München einfließen.
