Direktorenhaus im Monforts-Quartier
Die Jeansfabrik von C&A sitzt im Monforts-Quartier. (Quelle: 2022_C_NIELINGER)

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30. September 2022 | Teilen auf:

Mit Jeans in die Zukunft

Die Textilproduktion soll nach Mönchengladbach zurückkehren. Mit dem Projekt Textilfabrik 7.0 werden die Weichen gestellt.

Die frühere Textilstadt besinnt sich auf ihre Wurzeln. Ihre Kraft ziehen sie zum Beispiel aus der Firma C&A, die im Herbst 2021 begonnen hat, im Mönchengladbacher Monforts-Quartier Hosen zu produzieren. Rund 400.000 Jeans hat die Fabrik inzwischen hergestellt, für deren 4.300 Quadratmeter großen Räume ein Zehn-Jahres-Mietvertrag abgeschlossen wurde. Ein erster Schritt zur Wiedergeburt der Textilindustrie ist gemacht, die Wirtschaftsförderung setzt auf das „Re-Shoring“: weg aus Asien, zurück zu heimischen Ufern.

Eingebettet ist dies in eine langfristige Strategie der Stadt, die den Namen Textilfabrik 7.0 trägt. Zunächst soll ein anwendungsorientiertes Technologiezentrum entstehen, in dem Textilbetriebe aus ganz Deutschland neue Produktionsweisen und Produkte erproben können. Das Projekt soll in den kommenden zwei bis drei Jahren realisiert werden. Ein Förderantrag über 28,9 Millionen Euro wurde gestellt.

Der nächste Schritt soll ein emissionsfreier und auf die Textilwirtschaft fokussierter Gewerbepark sein, in dem sich Produktionsunternehmen niederlassen können. Bis zu 20 Hektar Fläche könnte er belegen. Infrastruktur und Ausstattung sollen in hohem Maße digitalisiert und für biotechnologische Anwendungen ausgelegt werden. Auch die Themen Künstliche Intelligenz, Robotik, Maschinenkommunikation und erneuerbare Energieselbstversorgung sind ins Gesamtprojekt integriert.

Die Textilfabrik 7.0 ist ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer Textilverbände, der Hochschule Niederrhein, der RWTH Aachen und der Wirtschaftsförderung Mönchengladbach (WFMG). Die beiden Hochschulen treiben das Projekt maßgeblich voran. „Es ist nach wie vor viel Know-how am Standort Mönchengladbach vorhanden, das wir gemeinsam mit Unternehmen zu zukunftsfesten Innovationen weiterentwickeln können“, sagt Professor Dr. Maike Rabe von der Hochschule Niederrhein. Das Projekt Textilfabrik 7.0 hat zunächst vier inhaltliche Kernmodule: Biosphere, Digital Textiles, On-Demand-Fertigung und Micro Factories.

Der Vorreiter C&A hat seine „Factory for Innovation in Textiles“ im Monforts-Quartier auf Wachstum hin konzipiert. Zurzeit verlassen rund 900 Hosen täglich die Produktion, in der knapp 90 Menschen arbeiten. Bis auf 2.000 Stück soll das Ergebnis pro Schicht anwachsen. Doch die Lieferung neuer Maschinen verzögert sich durch die aktuellen Fracht- und Mikrochip-Probleme. Das Ziel sind 800.000 Jeans pro Jahr „Made in Mönchengladbach“, was drei Prozent der gesamten Denim-Ware für C&A Europa wäre.

Schon jetzt entfaltet die Fabrik eine Strahlwirkung: Nebenan hat sich ein Start-up angesiedelt, die Jeanswäscherei 140Fahrenheit, die für C&A arbeitet. Die WFMG spricht davon, dass auch weitere Firmen schon Interesse am Standort signalisiert haben.

Autorin: Roswitha Loibl

zuletzt editiert am 30.09.2022