Vielversprechender Jahresauftakt: Im ersten Quartal wurden mehr Wohnportfolios verkauft als 2016. Der größte Deal stammte von der Deutsche Wohnen, die allerdings ihren zweitgrößten Aktionär verloren hat.
Laut dem Immobilienberatungsunternehmen NAI Apollo Real Estate startet der Markt für Wohnportfoliotransaktionen in Deutschland im ersten Quartal 2017 mit einem Umsatz von rund 3,7 Milliarden Euro besser in das neue Jahr als 2016. „Das Transaktionsvolumen liegt um 70 Prozent über dem Vorjahresquartal, aber deutlich unter dem starken Jahresstart von 2015 mit 10,8 Milliarden Euro“, erläutert Dr. Konrad Kanzler, Leiter Marktforschung bei der NAI.
Dabei hat sich auch die Zahl der Großdeals von mehr als 100 Millionen Euro erhöht. Gab es in den ersten drei Monaten 2016 nur drei Verkäufe in dieser Größenordnung, hat sich deren Zahl im aktuellen Quartal auf sechs verdoppelt. Zudem fand im Gegensatz zum Vorjahr eine Transaktion über 500 Millionen Euro (Deutsche Wohnen in Berlin) statt.
Nachdem offene Immobilienfonds und Spezialfonds ein Jahr lang die Spitze der aktivsten Käufer gebildet haben, nehmen im ersten Quartal 2017 Immobilienaktiengesellschaften und REITs wieder Platz eins der Rangliste ein. Hinsichtlich der Verkäufergruppen setzt sich die Umsatzstärke bei Projektentwicklern und Bauträgern im ersten Quartal 2017 fort. Ihre Verkäufe akkumulieren sich auf rund 1,8 Milliarden Euro. Inländische Käufergruppen dominieren weiterhin den deutschen Markt für Wohnportfolios. Ihr Anteil am Transaktionsvolumen liegt im ersten Quartal 2017 bei 81,9 Prozent. Das entspricht rund drei Milliarden Euro. „Obwohl der Anteil internationaler Investoren mit 18,1 Prozent nur etwa halb so hoch ist wie im ersten Quartal 2016, liegt ihr Transaktionsvolumen mit 0,67 Milliarden Euro nur leicht unter dem Vorjahreswert. Ihr Engagement im deutschen Markt bleibt damit auf nahezu gleichem Niveau bestehen“, sagt Stefan Mergen, geschäftsführender Gesellschafter der NAI apollo valuation & research GmbH.
Deutsche Wohnen tätigt größten Deal und verliert Großaktionär
Unter den sechs Großtransaktionen dieses Jahres ist der größte Ankauf ein 4.170 Einheiten umfassendes Wohnportfolio mit Gewerbeanteil in Berlin, das die Deutsche Wohnen für 655 Millionen Euro erworben hat. Dem Frankfurter Immobilienkonzern ist übrigens sein zweitgrößter Anteilseigner abhanden gekommen: Über 29 Millionen Aktien hatte Sun Life Financial an der Deutsche Wohnen, das entsprach zuletzt einem Anteil in Höhe von 8,26 Prozent der Stimmrechte. Diese Anteile hat der US-Investor komplett abgestoßen.
Der zweitgrößte Kauf erfolgte durch die Foncière des Régions (FDR) mit einem hauptsächlich in Berlin sowie in Leipzig gelegenen, 1.800 Einheiten starken Wohnportfolio für 202 Millionen Euro.
Der Preis für eine Wohneinheit ist unter Einbeziehung aller Transaktionen im Quartalsdurchschnitt auf rund 132.900 Euro gestiegen (Q1, 2016: 94.200 Euro). Hierfür trägt zum einen der hohe durchschnittliche Kaufpreis je Wohneinheit im Rahmen des Portfoliokaufs der Deutsche Wohnen bei. Zum anderen setzen sich generell die Preissteigerungen sowohl bei Bestandsportfolios als auch Projektentwicklungen fort.
Hinsichtlich des voraussichtlichen Jahresumsatzes ist für NAI ausgehend vom positiven ersten Quartal ein Transaktionsvolumen auf dem Niveau der Vorjahre bei Ausklammerung des Rekordergebnisses aus 2015 und somit zwischen 13 und 15 Milliarden Euro prognostizierbar.
