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Öffentlicher Raum ist mitentscheidend für den Erfolg von Quartiersentwicklungen (Foto: Koushik Chowdavarapu/unsplash.com)

Projekte 2018-07-25T00:00:00Z Kommentar: Thesen zum öffentlichen Raum in der Projektentwicklung

Lothar Schubert, geschäftsführender Gesellschafter von DC Developments, über die Bedeutung des öffentlichen Raums in der Projektentwicklung. Seine Botschaft: Freiflächen sind kein notwendiges Übel.

Wir tragen Verantwortung für Begegnungen in Quartieren. Bei Quartiersentwicklungen gibt es bisher keine Orientierungswerte, die aufzeigen, wie viel öffentliche Fläche an dem jeweiligen Standort realisiert werden muss. Das sollte sich ändern.

Freiräume sind kein notwendiges Übel, sondern ein notwendiges Muss. Die Qualität der Quartiere definiert sich nicht unerheblich über die Freiflächen und dennoch ist dieser Teil der Projektentwicklung aus meiner Sicht noch nicht genügend professionalisiert. Der öffentliche Raum hat unter anderem die Aufgabe, die verschiedenen Nutzergruppen an diesem Ort zu vernetzen und somit einen Platz zu schaffen, an dem sich jeder wohl fühlt und wiederfindet.

Bei einem Quartier mit Wohn-, Büro-, und Einzelhandelsflächen müssen die Bedürfnisse der verschiedenen Zielgruppen in Einklang gebracht werden und fordern eine große Empathie, um den öffentlichen Raum zu einer Begegnungsstätte zu machen und ihm eine individuelle Aura zu geben.

Aus „öffentlichem Raum“ muss „Identifikationsraum“ werden
Das 1 X 1 der Projektentwicklung und für ein gut funktionierendes innerstädtisches Quartier: Durchmischung. Sei es in Bezug auf die Bauweise, die Grundrisse, die Nutzungen oder die soziale Komponente. Das Credo lautet: je urbaner und durchmischter, desto lebendiger das Quartier.

Der öffentliche Raum scheint jedoch häufig nur eine eher untergeordnete Rolle zu spielen. Dabei sollte dieser die „Visitenkarte“ des Quartiers und DER Ort der Begegnungen sein. Vorausgesetzt: Aus „öffentlichem Raum“ wird „Identifikationsraum“. Jeder noch so anmutend geplante Platz kann die Verweildauer von Besuchern und Bewohnern nur begrenzt beeinflussen. Der öffentliche Raum schafft lediglich die Rahmenbedingung und Projektentwickler können nur die Impulse geben für einen Freiraum, der genutzt werden will.

Ausschlaggebend ist aber die regelmäßige Bespielung des Ortes. Diese kann jedoch nicht grundlegend vorgegeben werden, anhand einer konzipierten Struktur erhalten die Bewohner und Besucher die Grundlage für eine „spontane“ Nutzung. Wichtig ist dabei, diesen die Möglichkeit der Mitgestaltung zu geben, sei es für temporäre Inszenierungen wie zum Beispiel Wohnzimmerkonzerte, Freilichttheater, Kunstaustellungen oder auch Wochenmärkte. Nur so wird es ein lebendiger Ort.

Der öffentliche Raum ist Spiegel der Anziehungskraft und Funktionalität eines Quartiers
Aus wirtschaftlicher Sicht könnte man sich die Frage stellen: Warum eine Fläche unbebaut lassen, auf der Einzelhandel, Wohnungen oder Büros entstehen könnten? Die Antwort ist simpel: Öffentlicher Raum mit einem Gesamtkonzept spiegelt die Qualität und Attraktivität eines Quartiers wider. Und in der Folge beeinflusst dieser Vermietungsquoten, Verkaufszahlen und die Visitenkarte der Unternehmen.

Besonders in Anbetracht einer immer stärkeren Verdichtung in den Top-Metropolen können Freiräume und ein attraktives Umfeld, die die Verweildauer erhöhen und Ausgleichsflächen schaffen, ausschlaggebende Faktoren sein. Für den Einzelhandel und auch die Gastronomie bedeutet eine erhöhte Passantenfrequenz nicht automatisch höhere Umsätze, entscheidend ist die Aufenthaltsqualität. Für Unternehmen kann ein urbanes Umfeld mit Freizeitflächen entscheidend im War for Talents sein. Guter und gern genutzter Außenraum erhöht die Nachhaltigkeit.

Autor: Lothar Schubert ist geschäftsführender Gesellschafter von DC Developments. Sein Unternehmen entwickelt aktuell die Sedelhöfe in Ulm, das KPTN und das Strandkai Quartier in der Hamburger Hafencity.

zuletzt editiert am 31. Mai 2021
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