Porträtbild von Diana Anastasija Radke von KVL Bauconsult
Diana Anastasija Walcher-Radke (Quelle: KVL Group)

Nachhaltigkeit & ESG 2026-04-20T08:00:00Z Kommentar: „To get rich is glorious“

Diana Anastasija Walcher-Radke, geschäftsführende Gesellschafterin der KVL Group, glaubt an Geld und Liebe.

Als ich anfing diesen Text zu schreiben war da ein leeres Dokument. Ein undramatischer Zustand, vielleicht weil er jedem Anfang markiert: erst einmal nichts. Keine Substanz, nur eine Idee oder Frage. Und die muss bekanntlich erst noch beweisen, was sie taugt oder ob man Antworten hat.

Umso erstaunlicher, wie schnell in bestimmten Kreisen aus diesem Nichts ein Drama wird und aus der Tatsache, dass man mit „nichts“ angefangen hat, eine Heldentat. Kaum spricht man mit Gründer:innen aus dem Umfeld von Bauwende und Transformation, scheint man sich mitten im Überlebenskampf zu befinden. Es wird geklagt, gelitten, gerungen mit dem großen Nichts. Hier geht bei mir so langsam der Puls hoch.

Denn ein kurzer Blick hinter die Kulissen zeigt: Dieses Nichts hat oft eine ziemlich solide Matratze. Sehr gute Aus-/Bildung ist selbstverständlich, das Netzwerk meist vorhanden oder geerbt, und notfalls hilft die Familie aus, die Wohnung in Berlin Mitte zu finanzieren. Der vielzitierte „Struggle“ wirkt dann eher gut inszeniert und wer hatte nicht im ersten Rhetorikseminar gelernt, dass sich die Erzählform des Heldenepos wunderbar für Unternehmensgeschichten eignet – und zack – ist jede:r Gründer:in Frodo, der sich mit seinen Gefährten aus Auenland (aka Wanne-Eickel, Hamburg, Kreuzberg, beliebig) zum Schicksalsberg quält, um das Böse zu vernichten…. Klar!

Keine Kanonen für Spatzen

Vielleicht wäre es hilfreicher, weniger über das eigene Heldentum zu sprechen und stattdessen über das, worum es eigentlich gehen sollte: Produkte. Dinge, die funktionieren, verständlich sind und sich wirtschaftlich tragen. Wer Probleme lösen will, braucht keine Kanonen für Spatzen.

Dabei ist die Aufgabe groß genug. Die Bauindustrie trägt erheblich zu den CO₂-Emissionen bei, wie mittlerweile eigentlich jeder weiß. Wer daran ernsthaft etwas ändert, leistet etwas Relevantes. Applaus ist mehr als angebracht und verdient. Aber Applaus ist kein Freifahrtschein zur Selbstüberhöhung. Am Ende zählt nicht die Attitüde oder das Mindset, sondern die Arbeit. Und die darf ruhig so bodenständig sein wie die einer guten Handwerkerfirma: ehrlich, solide, nachvollziehbar.

Ich habe im Übrigen nichts gegen Erfolg. Im Gegenteil. Ich investiere selbst in Start-ups. Nicht aus reinem Idealismus, sondern weil ich an funktionierende Geschäftsmodelle glaube. Nachhaltig sollen sie sein, ja. Aber eben auch profitabel. Wenn ich Geld verschenken möchte, tue ich das ebenso bewusst und gezielt, dann jedoch an gemeinnützige Organisationen.

Was mich irritiert, ist dieses merkwürdige Trennen von Geschäftszweck und Haltung: die Welt retten wollen, aber bitte, ohne offen zuzugeben, dass man dabei auch Geld verdienen möchte (im steuerrechtlichen Sinne auch muss). Skalieren – Exit! Als wäre das anrüchig. Seien wir doch ehrlich … selbst der alte Kommunist Deng Xiaoping, Staatslenker der Volksrepublik China von 1979 bis 1997 wusste: „To get rich is glorious.“

Vielleicht liegt genau hier das Missverständnis. Gutes tun und Geld verdienen schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Wer gesellschaftlich etwas bewirkt, darf und sollte dafür auch wirtschaftlich belohnt werden. Alles andere führt nur zu einem „Geschmäckle“, das entsteht, wenn Absicht und Darstellung nicht zusammenpassen.

Doch am Ende geht es nicht um die Frage: Geld oder Liebe? Sondern um die deutlich weniger dramatische, aber ehrlichere Variante: Geld und Liebe.

Und können Sie sich an die Frage erinnern, die sich an jedem Anfang stellt? Meine war: Sind alle Start-ups so – nein, nicht alle Start-ups, aber immer Start-ups.

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zuletzt editiert am 17. April 2026