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Lasse Kammer: „Investments können mit einem Totalverlust des eingesetzten Kapitals verbunden sein“ (Foto: Reacapital)

Finanzierung 2017-10-09T00:00:00Z Kommentar: Das Crowdinvesting nach den ersten Insolvenzen

Befürworter sehen im Crowdinvesting die Demokratisierung der Immobilieninvestments. Kritiker bemängeln das Risiko zulasten der Kleinanleger. Was man aus den ersten Insolvenzfällen lernen kann.

Crowdinvesting für Immobilien erfreut sich als eine Alternativform für Immobilieninvestitionen großer Beliebtheit. In den ersten drei Quartalen diesen Jahres wurden bereits über 100 Millionen Euro über die Crowd in Immobilienprojekte investiert. Dies entspricht einer Steigerung von über 330 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (Vgl. crowdfunding.de).

Dies liegt unter anderem an den attraktiven Renditen von bis zu sechs Prozent pro Jahr, welche für kurze Laufzeiten von ein bis drei Jahren geboten werden. Vor allem der Preisanstieg von Wohnraum in den Ballungsräumen zeigt, dass die Nachfrage nach urbanem Wohnen nicht gedeckt wird. Dies verspricht neben makroökonomischen Faktoren auch in den kommenden Jahren nachhaltige Renditen.

Zusätzlich wissen die Anleger auf der Plattform genau, in welches Immobilienprojekt sie investieren und können alle entscheidenden Informationen online abrufen.

Während Immobilieninvestments in Fonds mit teilweise hohen Transaktionsgebühren verbunden und die Provisionsstrukturen meist undurchsichtig und horrend gestaltet sind, entstehen den Privatanlegern für Ihre Investition über eine Crowdinvesting-Plattform keinerlei Kosten. Dies ist vor allem darauf zurück zu führen, dass die Prozesse online automatisiert und standardisiert ablaufen.

Diskussion nach Insolvenz von Crowdinvesting-Projekten
Doch nicht ohne Grund weisen diverse Crowdinvesting-Plattformen auf das mit dieser ertragsstarken Geldanlage verbundene Risiko hin. Bekannt wurde vor kurzem der Fall einer Crowdinvesting-Plattform, die die Insolvenzen zweier Projektentwicklungsgesellschaften bekanntgeben musste, die insgesamt 1,25 Millionen Euro über die Plattform gesammelt haben.

Durch die nachrangige Stellung der Crowdinvestoren im Insolvenzfall und unzuverlässige Instrumente zur Sicherung der Anlagen, ist bei der Schwarmfinanzierung von Immobilienprojekten die Möglichkeit eines Totalverlusts des eingesetzten Anlagekapitals gegeben.

Die aktuellen Insolvenzen verdeutlichen ein grundsätzlich bestehendes Risiko in der Branche: Die nachteilige Stellung der Crowdinvestoren im Insolvenzfall und das Angebot von unzuverlässigen Sicherungsinstrumenten, die teilweise sogar zu einer strafrechtlichen Verfolgung führen. Nun bleibt zu hoffen, dass eine einvernehmliche Lösung mit den Anlegern gefunden wird.

Besser geschützt sind Anleger, wenn sie in eine erstrangige Grundschuld auf eine Bestandsimmobilie investieren. Im Zuge dieser projektunabhängigen und erstrangigen Grundbuch-Eintragung kann ein erhöhtes Schutzniveau erreicht und das Totalverlustrisiko signifikant reduziert werden – denn der Anbieter des Crowdinvesting-Produktes haftet in erster Instanz. Durch die Realsicherheit wird gewährleistet, dass nur die überzeugendsten Projekte auf der Plattform zur Verfügung gestellt werden. Zwar kann die erstrangige Grundschuld nicht eine komplette Absicherung der Investoren darstellen, ist aber ein Schritt in die richtige Richtung.

Die Insolvenzen der jüngsten Vergangenheit haben die Branche eine wichtige Lektion gelehrt: Positive Prognosen für das Immobilieninvestment sollten nicht über das bestehende Risiko hinwegtäuschen. Die wichtigste Aufgabe unserer Branche ist es, jetzt nicht nur über diese Risiken aufzuklären und die Anleger umfangreich zu informieren, sondern mit zuverlässigen Sicherungsinstrumenten das Vertrauen ins Crowdinvesting in Immobilien als zukunftsweisende Form der Geldanlage zu stärken.

Autor: Lasse Kammer ist Geschäftsführer von Rea Capital.

zuletzt editiert am 31. Mai 2021
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