Mit welchen Erwartungen fahren Vertreter der Immobilienbranche zur Mipim 2026? immobilienmanager hat sich umgehört. Von Roswitha Loibl
Berlin on the Beach – das ist kein neuer Cocktail, sondern der Ort, an dem die deutsche Hauptstadt ihr Zelt auf der diesjährigen Mipim aufschlägt. Das hat bereits Tradition. Mit eigenen Ständen sind auch Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln und das Rheinische Revier sowie München vertreten. Für den deutschen Städtepavillon haben sich Duisburg, Hannover, Leipzig, die Rhein-Neckar-Region und das Ruhrgebiet zusammengefunden.
Wer schon immer mal einen Nobelpreisträger live erleben wollte, hat am Dienstag, 10. März, um 15 Uhr Gelegenheit dazu. Dann hält einer der beiden Träger des Wirtschaftsnobelpreises 2025, der Ökonom Philippe Aghion, den Eröffnungsvortrag. Ein Shake für klare Köpfe statt eines Cocktails – auch das gehört zum Programm der Mipim.
Ein Partner am Berlin-Stand ist die Urban Tech Republic Tegel. Ihr Geschäftsführer Frank Wolters erwartet „eine deutlich zuversichtlichere Stimmung als noch in den vergangenen beiden Jahren. Die Branche hat sich auf das veränderte Marktumfeld eingestellt, viele Akteure agieren wieder strategischer und langfristiger. Daher rechne ich mit einer Mipim, die sicher nicht von Euphorie, dafür aber von Substanz, Dialogbereitschaft und konkreten Projekten geprägt ist."
„Etwas besser als 2025, aber nicht herausragend“, lautet die Stimmungserwartung von Anton Mertens, Vorsitzender des Vorstandes der Osmab Holding. „Man sollte nicht vergessen, dass zum Zeitpunkt der Mipim 2025 das Chaos hinsichtlich der Zoll-Planung in den USA auf einem Höhepunkt war. Ebenso ist zu bedenken, dass die MIPIM eine europäische beziehungsweise internationale Messe ist, keine deutsche. Und die wirtschaftliche Situation in Deutschland ist im europäischen Vergleich eher unterdurchschnittlich. Schlechter mag es Frankreich gehen, das politisch nicht zur Ruhe kommt.“
Resilienz und Performance sichern
„Wir stehen an einem historischen Wendepunkt. Jahrelang befand sich die Branche in einer ‚Regulation Era‘ – einer Phase des Abhakens von Checklisten und Berichtens allein zur Einhaltung von Vorschriften. Aber wenn wir auf 2026 blicken, treten wir in die ‚Era of Financial Evidence‘ ein. Die Diskussion hat sich von ‚Wie erfüllen wir die Vorschriften?‘ hin zu ‚Wie sichern wir die Resilienz und Performance unserer Assets?‘ verschoben“, sagt Vincent Bryant, CEO und Mitgründer von Deepki.
„Der Silberstreif am Horizont wird größer. Die Stimmung der Immobilienwirtschaft wird besser. Langsam, aber stetig“, heißt es bei der Büschl-Gruppe aus München, die vor allem ihr Paketpost-Quartier in Cannes vorstellen möchte.
Gedämpfter Optimismus herrscht bei Midstad. „Die Branche hat die Phase der Schockstarre hinter sich gelassen und richtet den Blick wieder nach vorn. Zwar bleiben Finanzierung, Regulierung und Kosten zentrale Themen, gleichzeitig spüren wir eine wachsende Offenheit für neue Lösungen“, sagt Dr. Kevin Meyer, Geschäftsführer von Midstad.
Wie das Ausland auf Deutschland blickt, möchte Jan Philipp Daun, Geschäftsführer von Garbe Industrial Real Estate, auf der Mipim erfahren. „Während wir hierzulande oft sehr kritisch auf Themen wie die schleppende Mietnachfrage oder die schwächelnde Wirtschaft schauen, schätzen internationale Investoren zunehmend die Stabilität und das attraktive Einstiegspreisniveau des deutschen Marktes. Häufig sieht das Ausland schon wieder Chancen, während wir noch mit der Aufarbeitung der Krise beschäftigt sind.“
„Ich erwarte eine inspirierende, zukunftsgewandte Atmosphäre: Mipim 2026 präsentiert sich erneut als ‚Global Urban Festival‘, auf dem für uns Innovation, digitale Transformation und nachhaltige Stadtentwicklung im Mittelpunkt stehen“, sagt Alexander Vitt, Managing Director DACH des Aufzugs- und Rolltreppenherstellers Kone.
Fehlen wird das Bundesbauministerium. „In diesem Jahr nehmen keine Vertreter an der Messe teil“, heißt es auf Anfrage. Dass Ministerin Verena Hubertz nach der Geburt ihres Sohnes erst wieder schrittweise ab März einsteigen will, ist verständlich. Aber es wird sie auch niemand in Cannes vertreten.
Das Ende der Greenwashing-Ära
Besonders gespannt ist Anton Mertens auf den Luxemburger Stand, „denn dort gibt es einige interessante Projektentwicklungen“. Vincent Bryant von Deepki freut sich darauf, „über den Wandel von einfacher Datenerfassung hin zu echter Asset-Resilienz zu sprechen“. Er ist neugierig darauf, „wie Asset-Manager ihre Ambitionen in operative Entscheidungen umsetzen, die wirklich etwas bewegen. Wir erleben das Ende der Greenwashing-Ära und den Beginn eines viel pragmatischeren, evidenzbasierten Ansatzes im Immobiliensektor. Der Austausch dieser ‚Battle Stories‘ mit unseren Kunden ist für mich immer ein Highlight.“
Internationale Geldgeber hat Jan Philipp Daun von Garbe Industrial RE im Blick: „Unser Fokus liegt klar auf der Internationalisierung. Nachdem wir in den letzten Jahren verstärkt ausländisches Kapital für unsere Projekte gewinnen konnten, nutzen wir die diesjährige Mipim, um diese Beziehungen auszubauen und neue, weltweite Kapitalquellen für unsere kommenden Vorhaben zu erschließen.“
Wie verändern sich künftig Investitionsentscheidungen? Welche Rolle werden Nutzungsoffenheit und Anpassungsfähigkeit spielen? Auf Diskussionen darüber freut sich Dr. Kevin Meyer von Midstad. „Uns interessiert, wie Kommunen und Kapitalgeber urbane Transformation gemeinsam denken wollen – weg von starren Assetklassen, hin zu flexiblen, lebendigen Stadtbausteinen.“
Rauf aufs Boot
Um dem Trubel der Messe zu entkommen, haben etliche Unternehmen wieder Boote gechartert. „Wir haben in den letzten Jahren gute Erfahrungen mit einem gemieteten Boot als Messestand gemacht. Es bietet einen bewährten, ruhigen Rahmen für konzentrierte Gespräche mit Investoren, Partnern und Kunden“, berichtet Jan Philipp Daun von Garbe Industrial RE. Deepki lädt wieder auf das Segelboot Le Don du Vent, um dort „bedeutungsvolle Gespräche mit Kunden zu führen“, wie Vincent Bryant sagt.
