Neues mehrstöckiges Wohngebäude mit einem Gerüst an der Fassade
Ein solches Bild könnte Seltenheitswert bekommen: Beim Neubau Seidnitzer Straße in Dresden feierte Vonovia im Juli 2021 Richtfest. (Quelle: Vonovia)

Unternehmen & Köpfe 2023-02-01T09:48:05.927Z „Keine abrupten Baustopps"

Der Wohnungskonzern Vonovia beginnt in 2023 keine neuen Projekte wegen instabiler Rahmenbedingungen, setzt aber auf Holzbau.

„Wir werden in diesem Jahr keinen Beginn von Neubau-Projekten haben." Mit diesen Worten hat Vonovia-Sprecherin Silke Hoock die Aussagen von Vonovia-Vorstand Daniel Riedl bekräftigt. Die Inflation und die Zinsen seien enorm gestiegen, und davor könne man nicht die Augen verschließen. Das Unternehmen will abwarten, bis Kapital wieder „zu akzeptabler Verzinsung" zur Verfügung steht oder die entsprechende Förderung bauen ermöglicht. Hinzu kommen die Baukosten, die im vergangenen Jahr um mehr als 16 Prozent gestiegen sind.

„Als Bauträger brauchen Sie stabile Rahmenbedingungen. Das ist genau das, was wir im Moment nicht haben." Zumal auch eine bewährte Förderung für energieeffizientes Bauen gestrichen wurde, Vonovia aber gleichzeitig energetisch saniere, um seine Klimaziele zu erfüllen.

„Wir starten zwar in diesem Jahr keinen Neubau. Wir haben aber die Entwicklungsarbeiten nicht eingestellt und streben bei unseren Projekten an, dass wir Baugenehmigungen einholen und letztendlich startbereit sind, wenn die Rahmenbedingungen wieder passen." Die Projekte würden baureif gemacht, denn Baugenehmigungen halten eine gewisse Zeit. „Bereits begonnene Projekte stellen wir fertig — es kommt also nicht zu abrupten Baustopps", unterstrich die Sprecherin.

Serielles Bauen zur Kostensenkung

In der vergangenen Woche hatte Vonovia bekanntgegeben, dass man sich am österreichischen Holzbau-Unternehmen Gropyus beteiligt. Das sei ein deutliches Zeichen dafür, dass „wir weiterhin auf Neubau setzen", so Silke Hoock. „Wir sehen im digitalisierten, seriellen Neubau in Holz eine Möglichkeit, den Neubau in Deutschland anzuschieben. Wir wollen Teil der Lösung sein, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, der vor allem in den Großstädten so dringend benötigt wird."

Als Vorteile des seriellen Neubaus hebt das Unternehmen hervor, dass sich durch den hohen Vorfertigungsgrad attraktive, klimaschonende und vor allem auch bezahlbare Wohnungen relativ zügig realisieren lassen. Der Bau eines Wohnhauses in serieller Holz-Hybrid-Bauweise benötigt nur sechs statt der üblichen 18 bis 20 Monate für ein konventionell gefertigtes Haus.

„Vonovia sollte Dividendenzahlungen einstellen"

Aus dem Bundesbauministerium kommen scharfe Worte zu Daniel Riedls Ankündigung. Das Handelsblatt zitiert die Parlamentarische Staatssekretärin Cansel Kiziltepe (SPD), die sagte: „Auch wenn wir turbulente Zeiten in der Bauwirtschaft aufgrund der Zinswende haben: Vonovia kann sich als größtes Wohnungsunternehmen nicht aus der Verantwortung stehlen. Vonovia sollte Dividendenzahlungen einstellen und das Geld zu Absicherung des Neubaus verwenden."

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zuletzt editiert am 01. Februar 2023