Zwischen Januar und September 2018 wurden mehr neue Wohnungen genehmigt als im Vorjahreszeitraum. Das sei noch längst keine Trendwende, mahnen IVD und BFW und nennen weiteres Verbesserungspotenzial.
Wie das Statistische Bundesamt heute mitteilt, wurden in den ersten neun Monaten 2018 in Deutschland insgesamt 262.800 Wohnungen zum Bau genehmigt. Damit wurden 2,3 Prozent oder 6.000 Baugenehmigungen mehr erteilt als im Vorjahreszeitraum. Bereinigt um Neubaugenehmigungen für Wohnheime, die überwiegend für Flüchtlinge errichtet werden, ist die Zahl der Neubaugenehmigungen im Vergleich zu 2017 um 3,4 Prozent gestiegen.
Dennoch mahnen IVD und BFW davor, dass ein Ende der Wohnungsknappheit nicht absehbar sei. „Die Baugenehmigungszahlen weisen eine erfreuliche Tendenz auf. Allerdings darf bezweifelt werden, ob dies dem Regierungshandeln zuzuschreiben ist. Denn alle bisher angestoßenen Maßnahmen stecken, mit Ausnahme des Baukindergelds, noch in der parlamentarischen Abstimmung oder noch im Entwurfsstadium. Angesichts dessen, dass alle drei Koalitionsparteien die Wohnungspolitik in der Öffentlichkeit als zentrales Thema bezeichnen, sind die bisherigen Ergebnisse 14 Monate nach der Bundestagswahl eher enttäuschend“, sagt etwa Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverbandes IVD.
Umfassende Lösungen statt vereinzelte Ansätze
BFW-Präsident Andreas Ibel ergänzt: „Mehrere Indikatoren lassen zudem befürchten, dass der Anstieg nur von kurzer Dauer sein könnte. Mit kosmetischen Korrekturen kann die GroKo hier keine Trendwende herbeiführen." Schick mahnt zudem davor, den Wohnungsmangel in die kommende Legislaturperiode fortzuschreiben. „Wir brauchen jetzt konkrete und umfassende Lösungen. Klientelpolitik, vereinzelte Ansätze oder wirkungslose Vorschläge helfen nicht weiter.“
Der IVD plädiert zum Beispiel dafür, den normalen Abschreibungssatz bei der Sonder-Afa von derzeit zwei auf mindestens drei Prozent anzuheben und zu verstetigen. Vorstellbar wäre auch, die normale Abschreibung mit einer Prüfklausel zu versehen, um den Satz in regelmäßigen Abständen auf seine Marktadäquanz zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen. Das würde den tatsächlichen Wertverzehr berücksichtigen, der in den letzten Jahren aufgrund der steigenden Kosten für die technische Ausrüstung der Gebäude stark angestiegen ist und voraussichtlich auch weiter steigen wird.
„Darüberhinaus sollte als flankierende Maßnahme die Revision des Baugesetzbuchs, der Baunutzungsverordnung und der Bauordnungen der Länder zügig angegangen werden. Ein erheblicher Teil der Baukostensteigerung ist den 20.000 geltenden Baunormen geschuldet“, so Schick abschließend.
Unter den BFW-Mitgliedsunternehmen, die für rund 50 Prozent des Wohnungsneubaus in Deutschland verantwortlich sind, haben fast 60 Prozent festgestellt, „dass sich die Rahmenbedingungen für den Neubau im vergangenen Jahr weiter verschlechtert haben". Die größte Hürde ist laut demnach die fehlende Verfügbarkeit von Baugrundstücken. Aber auch die administrativen Hürden seien im vergangenen Jahr noch größer geworden. Dabei führt jeder zweite die zeitaufwendige, bürokratische Kommunikation mit den Behörden in Verbindung mit sehr langen Planungs- und Genehmigungsverfahren auf.
