Mit einem jungen Team und einem alten Hasen an der Spitze will die irische Immobilien- Investitions und Entwicklungsgesellschaft Signature Capital ihr Investitionsvolumen auf zwei Milliarden Euro verdoppeln.
Noch keine drei Monate ist es her, dass Arnd Leinemann in Düsseldorf seine Koffer packte und ein Büro im Berliner Zoofenster bezog. Nach über elf Jahren hatte der 49-Jährige zum 1. März die Geschäftsleitung der C&A-Tochter Redevco Services Deutschland GmbH abgegeben und war in dieselbe Position zu Signature Capital an die Spree gewechselt.
Leinemann hat sich seinen Wechsel gut überlegt. Dass es am Ende wieder ein Inhabergeführtes Unternehmen ist, bei dem er anheuerte – eine Wahl mit Bedacht. „Ich mag flache Hierarchien und kurze Entscheidungswege. Bei Signature Capital herrscht Aufbruchsstimmung ohne Bedenkenträger“, schwärmt er.
Von Berlin aus sucht Leinemann mit seinem jungen Team (das Durchschnittsalter liegt bei 35 Jahren, 40 Prozent sind Frauen) den deutschsprachigen Euro-Raum nach geeigneten Investitionsobjekten ab. Sein erster Blick gilt der Hauptstadt. „Berlin ist die attraktivste Investitionsstadt in Deutschland. Für Büroinvestments ist Berlin erste Wahl.
Kopfschütteln der Konkurrenz
Bei Einzelhandelsobjekten suchen wir überall“, erklärt er. Immobilien kaufen und verkaufen – das allein ist es nicht, was die Iren wollen. „Wenn es geht, möchten wir mit unseren Investments etwas verändern“, sagt Leinemann. Manchmal wird auch schon mal etwas gekauft, was bei anderen zunächst Kopfschütteln hervorruft.
Das Nibelungencenter in Passau war so ein Objekt. Ein Einkaufscenter, das seit seinem Bau 2008 unter Leerständen litt und nie wirklich angenommen wurde. Im vergangenen Jahre folgte dann, was kommen musste: die Zwangsversteigerung. Signature Capital bekam den Zuschlag. Und kündigte zunächst den Mietern, um einen Neuanfang planen zu können.
„Das Nibelungencenter ist ein innerstädtisches Einkaufscenter mit einem großen Hinterland. Mit dem richtigen Mix an Einzelhandel und Gastronomie werden es die Leute annehmen“, ist sich Leinemann sicher. Bis es soweit ist, wird an der Mieterstruktur getüftelt. „Es ist ein Puzzlespiel“, sagt er.
Nicht immer, aber oft ist ein irischer Landsmann bei Signature Capital mit im Boot: Primark. Als Signature Capital in Köln die Neumarkt Galerie erwarb und aufwendig umbaute, waren die Iren die ersten, die anheuerten. In Köln eröffneten sie 2014 ihren Flagshipstore. „Man kennt sich, man spricht miteinander. Wenn wir die Expansionsziele von Primark erfüllen können und passende Lagen vermitteln können, tun wir dies gerne“, sagt Leinemann.
"Wir sind keine Zauberer"
Aber Signature ist wählerisch. „Wir nehmen nicht alles. Wir sind keine Zauberer, die einen magischen Stab anlegen“, sagt Leinemann. Ohne strenge Prüfung läuft nichts. Im Bergischen Land, in Wuppertal, haben sie gefunden, wonach mancher Investor sein Leben lang sucht und es doch nicht findet. Ein Projekt, das die ganze Stadt verändern wird. In der Nähe des Bahnhofs investieren die Iren derzeit 55 Millionen Euro in das Stadtentwicklungsprojekt „Am Döppersberg“. In zentraler Lage entsteht nach Plänen des Londoner Architekturbüros Chapman Taylor ein Geschäftshaus mit einer vermietbaren Fläche von 10.000 Quadratmetern.
Wuppertal: Investitionen auch im Umfeld
Doch es geht um mehr als um ein Geschäftshaus. Stadt und Land investieren weitere 140,5 Millionen Euro in die Aufwertung des Bahnhofsumfeldes. „Uns ist es wichtig, dass in dieser 1A-Lage ein Geschäftshaus mit moderner Architektur entsteht, das einen bleibenden Wert an sich hat“, so die Stadtspitze. Ein Ankermieter war schnell gefunden: Primark. 2018 soll hier auf 9.000 Quadratmetern preiswerte Mode verkauft werden. Von den weiteren 3.000 Quadratmetern Einzelhandelsfläche, die den Bahnhofsvorplatz einfassen und als Brücke die Bundesstraße 7 überspannen, sind mehr als der Hälfte vermietet.
So gut ist das Wuppertaler Projekt auch in Fachkreisen angekommen, dass Signature Capital und dem Architektenteam Chapman Taylor im vergangenen Jahr in der Kategorie „Reaktivierte Zentren“ der Polis-Award für Stadtentwicklung zugesprochen wurde. Vor allem der ganzheitliche Ansatz kam bei der Jury gut an.
Kurze Entscheidungswege, umfangreiche Kenntnisse des lokalen Marktes, die Fähigkeit, frühzeitig zu prognostizieren und nicht nur auf Marktveränderungen zu reagieren sowie nur in Märkte zu investieren, die man wirklich versteht – so lautet das Erfolgsrezept der Iren. „Unser Ziel ist es, den Anlegern die Möglichkeit zu geben, mit Signature Capital in eine Vielzahl von Immobilien in einer Reihe sorgfältig ausgesuchter Märkte zu investieren“, sagt Leinemann.
Neben der Neumarkt-Galerie gehörten im Hauptmarkt Deutschland die Zeil-Galerie in Frankfurt am Main und der Münchener Karstadt am Bahnhofsplatz 7 zum ausgesuchten Portfolio. Aktuell sind die Iren in Hamburg aktiv. Dort wurde ein Karstadt im Billstedt-Center erworben, entmietet und durch den ersten Primark in Hamburg ersetzt. Ein weiterer Mieter ist der Drogist Müller. Weitere Standorte gibt es in Luxemburg, London und Dublin. Investitionen tätigte das Unternehmen auch noch in Großbritannien, Irland und den USA.
Wohnen nur als Beigabe
Neben Einzelhandelsimmobilien setzen die Iren vor allem auf Bürogebäude. Gerade erst hat Signature Capital das 15.000 Quadratmeter große Axa-Bürogebäude am Landwehrkanal in Berlin-Charlottenburg gekauft. Verkäufer war der vom Real Estate Investment Management der Credit Suisse verwaltete Immobilienfonds „CS Euroreal“. Hauptmieter des Gebäudes mit dem markanten, 40 Meter hohen Turm ist die Axa Versicherung.
Wie lange das Gebäude im Bestand der Iren bleibt – unbekannt. „Wir können uns vorstellen, einige Objekte länger zu halten“, sagt Leinemann. Auch die Mitarbeiter würde das freuen: „Sie sind mit unglaublich viel Herzblut dabei. Sie denken und leben Immobilien. Jeder freut sich, wenn wir ein Objekt kaufen und ist traurig, wenn wir es schnell wieder verkaufen.“ Aber das müsse ja nicht immer so sein. In jedem Fall aber gilt: „Wir wollen Gewinne realisieren, um dann so schnell wie möglich wieder zu reinvestieren.“ Vor allem in Einzelhandelsobjekte und Büros. Wenn ein bisschen Wohnen dabei ist, sagt Signature Capital nicht nein. Nur reines Wohnen und Logistik geht nicht – „Da wollen wir aktuell nicht ran“, sagt Arnd Leinemann. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Autorin: Ines Rákóczy
