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„Unser Name ist in Deutschland ein Türöffner.“ Jens Göttler führt das Team von La Francaise in Deutschland (Foto: La Francaise)

Investment 2017-06-16T00:00:00Z Investorenportrait: La Francaise Real Estate

Der deutsche Immobilienmarkt lockt immer mehr ausländische Unternehmen an. In unserer Reihe stellen wir einige dieser Unternehmen vor. Den Anfang macht La Française Real Estate Partners International.

Wer diesen Namen trägt, muss seine Herkunft nicht lange erklären: La Française. Vor 40 Jahren wurde das Unternehmen in Paris gegründet, entwickelt seitdem Konzepte und Lösungen rund um die Bereiche Asset Management, Wertpapiere, Immobilien, Investmentlösungen und Direktfinanzierung für private und institutionelle Kunden. Auch wenn La Française Büros in Hongkong, London, Luxemburg, Madrid, Mailand, Seoul, Greenwich CT, USA, Genf und Frankfurt am Main unterhält, galt das Hauptaugenmerk lange dem Heimatmarkt. „Für private französische Anleger sind wir Marktführer“, erklärt Jens Göttler, Deutschland-Geschäftsführer des Unternehmens La Française Real Estate Partners International.

Seit 2014 geben die Franzosen auch im Ausland Vollgas. Damals hatten sich La Française und Forum Partners zusammengeschlossen, gemeinsam Cushman & Wakefield Investors (CWI) erworben und unter dem neuen Namen La Française Forum Real Estate Partners beziehungsweise La Française Real Estate Partners International die Grundlage fürs Durchstarten gelegt. Von Frankfurt aus kümmern sich die Mitarbeiter aus den Bereichen Asset Management und Akquise um die Bedürfnisse ihrer Kunden. „Unser Name ist vor allem in Deutschland ein Türöffner“, verrät Göttler. „Wir profitieren vom Interesse deutscher Marktteilnehmer an den französischen Nachbarn und der dort herrschenden Geschäftskultur“, ist er sicher. „Andererseits sind auch die Franzosen sehr begeistert von Deutschland. Die Wirtschaft brummt, die Büromärkte laufen im ganzen Land gut, Leerstand und Arbeitslosigkeit sind gering. Damit ist Deutschland wesentlich stabiler als andere Länder. Das schätzen die Franzosen am deutschen Markt.“

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In Berlin haben die Franzosen schon mehrfach eingekauft. Unter anderem das Hochhaus an der Leipziger Straße (Foto: La Francaise)

Perlensucher
La Française bietet offene Fonds für Privatanleger, Fonds für institutionelle für Pensionskassen oder Versicherungen und entwickelt ständig neue. Für sie alle sind Göttler und Team auf Einkaufstour. „Wir sind Core- oder Core-Plus-Anleger, investieren in A-Städten, in Objekte mit sehr langfristigen Mietverträgen aber auch in B-Städten“, erklärt der Deutschland-Geschäftsführer von La Française Real Estate Partners International. Investiert wird vor allem in Bürogebäude und innerstädtischen Einzelhandel, zunehmend aber auch in Supermärkte und Fachmarktzentren.

Die Einkaufsliste des letzten Jahres kann sich sehen lassen. Im Juni meldete La Française den Erwerb eines Bürogebäudes in Berlin-Mitte. An der Leipziger Straße kaufte La Française ein aus zwei Hochhäusern bestehendes Gebäude. Es war nicht das erste Investment der Franzosen in der deutschen Hauptstadt. Zuvor hatten sie ein Gebäude des Zalando-Campus im Stadtteil Friedrichshain-Kreuzberg erworben – das sogenannte „M-Eins“. In München erstand das Unternehmen das Bürogebäude „Laimer Atrium“, in Hamburg den Komplex „Am Sandtorkai 68“. In Lübeck hat La Française zum zweiten Mal zugeschlagen und sich dort eine Retail-Immobilie an der Haupteinkaufsstraße gesichert. „Die Kaufkraft der Einwohner und das hohe Aufkommen an Touristen sind nur zwei Faktoren, die Lübeck zu einem attraktiven Investitionsstandort für unsere französischen Retail-Fonds machen“, erklärt Göttler das Engagement. Für weitere Städte mit gutem Potenzial hält er unter anderem Dortmund, Karlsruhe, Nürnberg, Hannover oder Mannheim.

Blick von Frankfurt zu den Nachbarländern
Die Suche nach geeigneten Immobilien in B-Städten ist auch dem überhitzten Markt geschuldet. „Steigende Preise und sinkende Renditen stellen uns vor Herausforderungen“, sagt Göttler. Die Strategie, weiter auf Core Plus zu setzen, hält er für richtig. „Damit ist es uns möglich, ein erhebliches Mietwachstum zu generieren“, ist er sicher.

Auch wenn das deutsche La-Française-Team seinen Sitz in Frankfurt hat und vor allem im Westen Deutschlands und in Berlin unterwegs ist, schaut es auch gerne über Grenzen. „Wir betreuen von Frankfurt aus alles, was außerhalb von Frankreich und Großbritannien liegt“, so Göttler. Die Hauptmärkte sind neben Deutschland Holland, Belgien und Österreich. Auch in Schweden war La Française investiert, hat aber Ende 2016 die letzten Objekte verkauft.

In Amsterdam sicherte sich La Française Ende vergangenen Jahres „Hollandia“ – ein nachhaltig entwickeltes Bürogebäude mit Energielabel A auf dem Oosterdokseiland, das Star- Architekt Jo Coenen entworfen hat. „Dies ist unser erster Kauf in den Niederlanden im Auftrag der kollektiven Immobilieninvestmentvehikel von La Française. Dieser Erwerb passt perfekt zu unserer Strategie, in dynamische innerstädtische Standorte zu investieren“, freut sich Göttler.

Ideen für neue Fonds
Hollandia ist nicht nur wegen der Lage und des Architekten interessant sondern auch wegen des Energie-Labels. „Weil Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle spielt, sind wir dabei, einen Fonds aufzulegen, der sich nur auf nachhaltig entwickelte Immobilien bezieht“, berichtet Göttler. Der einzige neue Fonds soll dies nicht sein: „Wir sind dabei, weitere Fondsideen vor allem für institutionelles Kapital zu entwickeln.“

Auch das Investitionsprogramm für dieses Jahr kann sich wieder sehen lassen. Zehn Immobilien für die französischen Fonds und weitere Objekte für Beratungsmandate vor allem für asiatische Kunden stehen auf dem Wunschzettel. Daneben sollen auch die neuen Fonds für Institutionelle befüllt werden. „Das wird uns mit einem ‚Laissez-faire‘-Ansatz leider nicht gelingen“, schmunzelt Göttler.

Nicht nur um Immobilien, auch um Mitarbeiter wächst La Française. 13 waren es Anfang des Jahres, 15 werden ab Juli in der Frankfurter Zentrale arbeiten. Eine Affinität zu Frankreich ist nicht verkehrt, meint Frankreich-Fan Göttler. Kenntnisse der französischen Sprache sind von Vorteil, aber nicht Bedingung. „Im Unternehmen wird sehr viel englisch gesprochen. Und viele können auch deutsch“, sagt Göttler.

Wichtig sei hingegen, sich mit den Gepflogenheiten der Nachbarn auszukennen. „Das persönliche Treffen ist immer noch viel wichtiger als die schriftliche Kommunikation.“ Und auch das gemeinsame Mittag- oder Abendessen spiele in Frankreich nach wie vor eine viel größere Rolle als bei uns. Ums Essen gehe es dabei bei weitem nicht allein. Göttler: „Da wird wirklich gearbeitet, und am Ende werden Entscheidungen getroffen.“ Zum Beispiel diese: In Deutschland wird in diesem Jahr die Investment-Schallgrenze von einer Milliarde Euro geknackt.

Autorin: Ines Rákóczy

zuletzt editiert am 31. Mai 2021
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