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2017 wurde Jan Bettink mit dem immobilienmanager-Award in der Kategorie Lifetime ausgezeichnet. (Bild: immobilienmanager/Axel Schulten)

News 2020-06-04T00:00:00Z Interview: Mit Herzblut und Kreativität

Jan Bettink engagiert sich seit fünf Jahren gesellschaftlich mit einer eigenen Stiftung. Wir haben mit ihm über seine Beweggründe und Erfahrungen gesprochen.

„Mir imponieren Menschen, die ihre Zeit und Leidenschaft einbringen“ - Jan Bettink stand von 2002 bis Ende 2016 an der Spitze der Berlin Hyp. Vor fünf Jahren hat er die Jabe-Stiftung gegründet, die ihren Sitz in Köln hat. immobilienmanager sprach mit ihm über seine Beweggründe und Erfahrungen.

Ihre Stiftung fördert vor allem Projekte für Kinder und Jugendliche. Was ist Ihre Motivation dahinter?

Jan Bettink: Kinder sind die Zukunft dieses Landes. Leider sehe ich und habe gesehen, wie oft Kinder und Jugendliche nicht die Förderung bekommen, die sie verdient hätten. Das Thema 'Chancengleichheit' sollte als Anspruch unserer Gesellschaft selbstverständlich und manifestiert sein, ist es aber nicht.
Meine Eltern haben mir eine gute Ausbildung angedeihen lassen, ich habe relativ viel Glück gehabt in meinem Leben. Also möchte ich einen Teil davon zurückgeben, zumal ich keine eigenen Kinder habe. Und Spenden macht auch Freude.

Warum haben Sie dafür eine eigene Stiftung gegründet – Sie könnten doch auch persönlich einzelne Projekte unterstützen?

Der konkrete Anlass war ein runder Geburtstag vor ein paar Jahren. Anstelle von Geschenken bat ich meine Gäste um Spenden. Für mich ist es wichtig, selbst zu erleben, was mit meinem Geld passiert. Man übernimmt damit automatisch Verantwortung, und durch den Einsatz für andere ergeben sich längerfristig (hoffentlich) kleine gesellschaftliche Veränderungen.
Wenn man genauer hinschaut, erkennt man, dass es einfach so unfassbar viele Ansatzpunkte gibt, wo Einrichtungen oder Vereine manchmal nur ein wenig (Start-)Hilfe benötigen und dass es viele tolle Menschen gibt, die kreativ und mit Herzblut dabei sind und unglaublich viel leisten.
Dabei möchte ich lieber viele kleine Projekte unterstützen statt einer großen Organisation. Mir imponieren Menschen, die ihre Zeit und Leidenschaft einbringen, und wenn ihnen Geld fehlt, dann helfe ich gerne.

Welche Beispiele dafür möchten Sie nennen?

In Berlin gibt es das Projekt „Schüler helfen Schülern“ von SprInt. Es ist ein Nachhilfe- und Sprachlernangebot im Wedding, bei dem erfolgreiche ältere Schüler aus dem Kiez selbst zu Lehrern werden. In Köln unterstütze ich unter anderem Pfarrer Hans Mörtter aus der Südstadt bei seinen Aktivitäten. Oder auch das Schulprojekt Momella in Tansania, das eine Dortmunderin ins Leben gerufen hat. Auf unserer Website finden Sie viele weitere Beispiele.

Von welchen Grundsätzen lassen Sie sich bei der Unterstützung leiten?

Wenn sich eine Initiative an mich wendet, lasse ich mir von den Initiatoren das Projekt erläutern, erklären, wie sich die Organisation finanziert und mit wem sie bisher was gemacht hat. Sie müssen alle notwendigen Unterlagen liefern und Zahlen vorlegen – da kommt der Banker in mir wieder zum Vorschein. Wenn sich das Erzählte als zu wolkig herausstellt, unterstützen wir es nicht. Mir ist es wichtig, die handelnden Personen selbst kennenzulernen in einem persönlichen Gespräch. Ohne Gespräch gibt es auch kein Geld.

Nun sind die Gründung und das Betreiben einer Stiftung auch mit administrativem Aufwand verbunden. Wie machen Sie das?

Es gibt unter anderem Sparkassen, die das als Dienstleistung anbieten, und so ist das auch bei meiner Stiftung.

Stiftungen finanzieren sich meist aus den Erträgen ihrer Kapitalanlagen. Das ist zurzeit ja fast unmöglich. Wie gehen Sie damit um?

Die Erträge in der heutigen Niedrigzinsphase reichen tatsächlich nicht für die Unterstützung von rund 20 Projekten pro Jahr. Ich spende jedes Jahr dazu, und sonstige administrative Kosten zahle ich privat. Es sind auch Spenden willkommen, wir dürfen Spendenquittungen ausstellen. Ich möchte aber betonen, dass ich eine Reihe von Menschen – auch aus der Immobilienbranche – kenne, die ebenfalls gemeinnützige Projekte unterstützen, aber damit macht man einfach keine Werbung. Wir hoffen, dass es sich per Mund-zu-Mund-Propaganda herumspricht.

Wenn sich nun jemand überlegt, selbst eine solche Stiftung zu gründen: Wie hoch ist der zeitliche Aufwand für Sie?

Das kommt natürlich immer auf denjenigen selbst an, was er wie machen will, auf die Organisation, die Größe und Unterstützung im Hintergrund der Stiftung.

Das Gespräch führte Roswitha Loibl.

zuletzt editiert am 31. Mai 2021
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