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Das "Vorum" in Köln entsteht nach dem Human Centric-Konzept. (Bild: Vorum)

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02. July 2021 | Teilen auf:

Interview: Büroimmobilien werden Human Centric

Im Interview erklärt Dr. Oliver Steinki, wie sich die Pandemie auf die Bürokultur ausgewirkt hat und was es mit dem Konzept "Human Centric" auf sich hat.

Dr. Oliver Steinki ist Gründer der Investmentfirma evolutiq und Co-Gründer des Kölner Rucksack- und Schultaschen-Unternehmens Fond of. Die eigene neue Firmenzentrale „The Ship“ in Köln ließ er vollständig nach den Anforderungen der eigenen Mitarbeiter umsetzen. Die Immobilie im Stadtteil Ehrenfeld zählt aktuelle zu Deutschlands digitalsten Bürogebäuden. Weil dieser Ansatz für das eigene Unternehmen so erfolgreich war, plant er aktuell den Bau einer weiteren zukunftsweisenden Büroimmobilie gleich nebenan. Das „Vorum“ entsteht nach dem Human Centric-Konzept.

Hat die Corona-Krise Büros nicht zu einem gewissen Grad überflüssig gemacht?

Dass Menschen jeden Tag acht Stunden am heimischen Küchentisch arbeiten, bleibt die Ausnahme. Ich bin überzeugt: Zu unserer persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung gehören inspirierende Begegnungen und aktives Netzwerken. Wir haben mit dem The Ship, der benachbarten Immobilie Alte Wagenfabrik und zukünftig dem Vorum den Anspruch, einen unternehmerischen Campus zu schaffen, auf dem wir Synergien nutzen und gemeinsam Innovationen vorantreiben. Kein Videocall kann echte Begegnungen ersetzen. Zukunftsweisende Büros müssen so gestaltet sein, dass sie einen sicheren Rahmen bieten und so gut wie möglich auf individuelle Bedürfnisse der Menschen einzahlen. Arbeitgeber stehen mehr denn je vor der Herausforderung, dass sie Mitarbeiter nur dann halten können, wenn sie Arbeitsumgebungen schaffen, die auf Wohlbefinden, Produktivität und Potenzialentfaltung ausgerichtet sind.

Inwiefern haben sich die Anforderungen an Büroimmobilien mit der Pandemie gewandelt und wie reagieren Sie darauf?

Zu den neuen Anforderungen gehört in erster Linie die gesundheitliche Sicherheit am Arbeitsplatz. Maßnahmen wie moderne Luftfilteranlagen sind künftig Standard. Gebäude-Apps liefern über Heat Maps Echtzeit-Informationen zur Auslastung bestimmter Bereiche. Je nachdem können sich die Mitarbeiter überlegen, ob oder wann sie das Restaurant oder das Fitness-Studio besuchen. Türen lassen sich per Keyless Access öffnen. Solche digitalen Features werden immer wichtiger.

Und wie verändert sich die Arbeitskultur?

Hier hat sich extrem viel bewegt. Das Büro wird nicht mehr nur ein physischer Ort sein, an dem man arbeitet, sondern vielmehr ein Ort, der die Kultur, Werte und Visionen eines Unternehmens symbolisiert – sowohl für Mitarbeiter als auch für Gäste. Es wird jetzt wichtiger sein, dass wir bedeutungsvolle Erfahrungen bieten, die Menschen einbinden und stärken. Wenn zukünftig hybride Arbeitsmodelle in immer mehr Unternehmen gelebt werden, dann wird das Büro auch zu einem Ort, an dem man bewusster zusammenkommt, zum Beispiel, um neue Ideen zu entwickeln. Der konstruktive Austausch wird einen viel höheren Stellenwert einnehmen, und sei es nur eine spontane Begegnung an der Kaffeemaschine. Büros müssen solche zufälligen Augenblicke ermöglichen und so offen gestaltet sein, dass sich die Mitarbeiter viel bewegen und entfalten können. Starre Räume sind wahrscheinlich eher ein Konstrukt aus der Vergangenheit. Im Ship und auch im Vorum kann man die Arbeitsflächen flexibel gestalten und Bereiche schaffen, die für unterschiedlichste Aktivitäten ausgerichtet sind; die sich zum Beispiel besonders gut für Videokonferenzen eignen, die eher einen Lounge-Charakter haben oder in denen man gut konzentriert arbeitet.

Sie beschreiben das Konzept des geplanten Vorums als „Human Centric“. Was hat es damit auf sich?

Dr. Oliver Steinki, Gründer der Investmentfirma evolutiq und Co-Gründer des Kölner Rucksack- und Schultaschen-Unternehmens Fond of. (Bild: Evolutiq)

Human Centric, weil wir das Wohlbefinden der Menschen, die hier arbeiten werden, in den Mittelpunkt rücken und aus deren Perspektive planen. Das betrifft alle mit dem Bau verbundenen Entscheidungen. Für mich gehören Produktivität und Wohlfühlatmosphäre zusammen. Wir können uns viel besser konzentrieren, wenn wir in einer anregenden Atmosphäre arbeiten und die Möglichkeit haben zwischendrin Kraft zu tanken. Wir achten im Vorum auf großzügige Flächen, saubere Luft, eine angenehme Beleuchtung und Temperatur, gute Schallwirkung und viel Grün. Dazu eine attraktive Infrastruktur: ein hauseigenes Fitnessstudio, ein Bio-Hofladen, ein Eiscafé, Event-Locations, Car Sharing-Plätze, E-Ladestationen und vieles mehr. Eine Gebäudedigitalisierung nach neuesten Standards gehört dazu – zum einen für den auf Nachhaltigkeit optimierten Betrieb und zum anderen für smarte Features für die Mieter: eine App als Schlüssel und Fernbedienung für die Indoor Navigation, Gebäudesteuerung, Raumbuchung und vieles mehr. Wir wollen, dass die Leute gerne ins Office kommen.