dominik-brieler
Dominik Brieler (Bild: Aareal)

Unternehmen & Köpfe 2021-03-23T00:00:00Z Interview: Bedürfnisse der Mieter erkennen

Deutschland ist Mieterland. Die einzelnen Prozesse zwischen Vermieter und Mieter sind bislang wenig digital. Dominik Brieler, Managing Director bei Plusforta, einer Tochtergesellschaft der Aareal Bank Gruppe, will das ändern.

dominik-brieler
Dominik Brieler (Bild: Aareal)

Herr Brieler, in einer repräsentativen Umfrage der Aareal Bank haben Sie Mitte 2020 abgefragt, wie es um digitale Angebote im Zusammenspiel von Mieter und Vermieter steht. Was waren die Ergebnisse?

Die Menschen wünschen sich kürze Kommunikationswege, mehr Flexibilität und individuellere Möglichkeiten zur Zahlung von Miete und Kaution. Bislang dominieren Überweisungen und das Lastschriftverfahren – aber Alternativen wie Paypal, Kreditkarten oder Apple Pay werden in Zukunft mehr Anteile gewinnen. Auch bei der Mietsicherheit wünschen sich Mieter mehr Auswahlmöglichkeiten.

Wie verbreitet sind Kautionsbürgschaften in Deutschland?

Wir sind vor zehn Jahren angetreten, um Kautionsbürgschaften in Deutschland bekannter zu machen. Hierzulande haben sie einen Marktanteil von schätzungsweise fünf Prozent – zum Vergleich: In anderen Ländern, wie zum Beispiel der Schweiz, liegt der Anteil bei über der Hälfte.

Woran liegt der geringe Marktanteil?

In Deutschland ist es üblich, dass Vermieter die Kaution auf ein Konto überwiesen bekommen. Die Mietkautionsbürgschaft ist als Produkt immer noch nicht allen bekannt. Es existieren für die Mietsicherheit klare gesetzliche Vorgaben. Sie darf zum Beispiel maximal drei Kaltmieten betragen und der Vermieter muss sie getrennt von seinem Vermögen aufbewahren. Allerdings bieten viele Banken die für Kautionen notwendigen Treuhandkonten mittlerweile gar nicht mehr aktiv an.

Warum das, wenn der Anteil in Deutschland doch noch so groß ist?

Die Anforderungen an Banken, beispielsweise zur Identifizierung von Kontoinhabern oder Treugebern, steigen stetig. Für die Banken erhöht sich dadurch der Aufwand für die Kontoverwaltung immens. Im Falle einer Bürgschaft entfällt dieser Aufwand, weil wir die Identifizierung übernehmen und damit die Prozesse der Bank entlasten.

Prozesse sind das Stichwort: Wie lassen sich Kautionsbürgschaften in die Workflows und Systeme von Vermietern integrieren?

Professionelle Vermieter arbeiten mit ERP-Systemen, in denen sie ihre Kundendaten pflegen. Wir sind gerade dabei unsere Bürgschaft in die gängigsten Systeme zu integrieren. Dies ermöglicht eine vollständig digitale Verwaltung mit automatisierten Prozessen und den vollständigen Verzicht auf Papierdokumente.

Bei ‚Bürgschaft‘ denken Vermieter doch sicher schnell, dass der Mieter knapp bei Kasse ist, oder?

Das ist tatsächlich ein gängiges Vorurteil. Dabei geht es bei der Kautionsbürgschaft eher um eine Entscheidung wie „leasen oder kaufen“. Und das hat für Vermieter übrigens den Vorteil, dass die Kaution sofort voll vorliegt. Bei herkömmlichen Kautionen sind Ratenzahlungen üblich. Bei einer Kautionsbürgschaft braucht es das nicht.

Stehen große professionelle Vermieter den Bürgschaften offener gegenüber als kleine Vermieter?

Das ist weniger eine Frage der Größe als des Marktes. In weniger stark regulierten Märkten wie Großbritannien oder den USA ist die Kautionsbürgschaft viel verbreiteter als bei uns. Hierzulande ist der Markt klar reguliert und es ist entsprechend schwer, ein neues Produkt zu etablieren.

Und doch haben Sie sich dieser Aufgabe verschrieben.

Wir sind überzeugt, dass jeder Mieter sich die individuell passende Art der Mietsicherheit aussuchen können sollte. Aus Sicht des Vermieters muss die Mietkaution in einem einfachen und effizienten digitalen Prozess abgebildet werden. Das schafft für die Mieter finanzielle Freiheiten und entlastet den Vermieter bei seiner täglichen Arbeit. Bei einem Wohnungswechsel ist es ja sonst häufig so, dass man bereits eine neue Kaution benötigt, noch ehe man die alte zurückerhält.

Das Interview führte Markus Gerharz.

zuletzt editiert am 31. Mai 2021
Newsletter