roboter
Roboter als Fliesenleger, Maler oder Trockenbauer? (Bild: Alex Knight/Unsplash)

News 2020-07-23T00:00:00Z Intelligenter Bauen

In Japan kommen auf Baustellen mitunter 20 bis 25 Roboter zum Einsatz. Hilft der Blick nach Asien, wenn es darum geht die Automatisierung am Bau hierzulande voranzutreiben? Ein Gastbeitrag von Frank Talmon l‘Armée, Vorstand Semodu.

Wenngleich Roboter die Bauzeit vor Ort wesentlich verkürzen, so braucht es doch mehrere Wochen um die Baustelle für die Roboter entsprechend einzurichten und anschließend wieder abzubauen. Bedeutet, dass sich der Aufwand nur ab einer bestimmten Größe rechnet. Hinzu kommt, dass Roboter eher für ganz spezifische Aufgaben zuständig sind und sich eher für standardisierte Gebäude eignen.

Vorbild Automobilindustrie

Sinnvoller wäre es, Roboter im Fertigungswerk für modulares Bauen einzusetzen. Dies erspart nicht nur den aufwendigen Auf- und Abbau von Baustellen, auch werden Roboter dort eingesetzt, wo es am sinnvollsten ist. Denn mit der richtigen Programmierung können Roboter nicht nur standardisierte, sich ständig wiederholende Aufgaben erledigen, sie sind auch besser darin, entsprechende Variationen innerhalb dieser Tätigkeiten umzusetzen. Beispielsweise können sie Putz aufgetragen, Fließen verlegen oder Wände streichen, akkurater und fehlerfreier, als Menschen dazu in der Lage sind. Eine Maschine kann beispielsweise an jeder Stelle die exakt gleiche Menge Farbe auftragen und so überall die gleiche Farbstärke erhalten. Diese Präzision ermöglicht es auch, immer wieder andere Anforderungen umzusetzen, wie Wände in unterschiedlichen Farbstärken zu streichen, eine Umstellung die Menschen schwerer fällt. Aktuell wird diese Technik an Fertigungsstraßen jedoch noch nicht eingesetzt, obwohl sie vorhanden wäre, wie auch das Vorbild der Automobilindustrie zeigt, wo Autos schon lange nicht mehr von Hand lackiert werden.

Genehmigungsprozesse beschleunigen, Neubaumangel beheben

Für eine digitale und robotisierte Zukunft sollte sich das Bauwesen zum einen der Automobilwirtschaft annähern, wo große Unternehmen in der Lage sind, die nötigen Investitionen für Innovationen in die Hand zu nehmen. So könnten in automatisierten Fertigungswerken unterschiedlichste Module in hoher Stückzahl produziert und mit Hilfe von künstlicher Intelligenz auf verschiedenste Weisen kombiniert werden. Weiterführende Schritte, um den maximalen Nutzen aus diesen großen Produktionswerken zu ziehen, sind zudem die Standardisierung von Systemen, einheitliche Branchenstandards und ein Genehmigungsprozess, der für Modelle, anstatt einzelne Fertigungen gilt. Standardisierungen am Bau machen es einerseits möglich beispielsweise Betonmodule mit Holzmodulen zu verbinden, andererseits führen Vereinheitlichungen zu besser aufeinander abgestimmte Elemente, wie etwa in Bezug auf Schallschutz, Brandschutz oder Elektrik. Sollten schlussendlich die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden, kann der Genehmigungsprozess beschleunigt werden, was auch helfen würde, den Neubaumangel zu beheben.

Fehlende Digitalisierung

frank-talmon
Frank Talmon l’Armée (Bild: Semodu)

Zum anderen steht einer solchen Modernisierung am Bau noch die fehlende Digitalisierung im Weg. Digitale Gebäudemodelle können hier künftig als digitale Plattform für Kommunikation, als Datenbank für Informationen und zur Dokumentation abgestimmter Prozessschritte dienen. Weiter braucht es entsprechende Software, um Roboter für die verschiedenen Aufgaben zu programmieren: Im Idealfall könnten Maschinen im modularen Bau so programmiert werden, dass sie nicht nur ein bestimmtes Modul, sondern Module verschiedener Größen und Variationen zusammenbauen können. Je besser die Software, desto größer auch die Vielfalt der Module und die Flexibilität beim Bau. In Zukunft könnte künstliche Intelligenz hier zahlreiche unterschiedliche Varianten produzieren, wie verschiedene Module zusammengefügt werden können, um zahlreiche, individuelle und originelle Gebäude zu kreieren, die zugleich den Bauvorschriften entsprechen.

Ein Beitrag von Frank Talmon l‘Armée, Vorstand Semodu.

zuletzt editiert am 31. Mai 2021
Newsletter