Regentropfen auf einer Fensterscheibe mit unscharfem Stadtbild im Hintergrund.
Eingetrübte Perspektiven: Vor allem die Erwartungen der Marktteilnehmer belasten den aktuellen ZIA-IW-Index. (Quelle: Pixabay)

Standorte & Märkte 2026-06-12T09:13:22.496Z Immobilienstimmung kippt deutlich ins Minus

Der ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex fällt auf minus 2,0 Punkte. Vor allem die Erwartungen brechen ein.

Die Stimmung in der deutschen Immobilienwirtschaft hat sich im zweiten Quartal 2026 deutlich eingetrübt. Der vom Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA) und dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erhobene Immobilienstimmungsindex (ISI) sank gegenüber dem Vorquartal um 17,5 Punkte auf minus 2,0 Punkte.

Während sich die aktuelle Geschäftslage vergleichsweise moderat verschlechterte, brachen die Erwartungen der Marktteilnehmer deutlich ein. Die Geschäftslage fiel um 6,7 Punkte auf 7,9 Punkte. Die Erwartungen gaben um 27,8 Punkte nach und liegen nun bei minus 11,4 Punkten.

Unsicherheit belastet die Erwartungen

Als wesentliche Ursachen nennen die Studienautoren anhaltende geopolitische und wirtschaftliche Risiken sowie Unsicherheiten bei der weiteren Zinsentwicklung. Die negative Entwicklung zieht sich durch nahezu alle Nutzungsarten.

„Dieser Stimmungseinbruch ist kein Betriebsunfall des Marktes, sondern ein lautes Alarmsignal an die Politik„, kommentiert ZIA-Präsidentin Iris Schöberl. „Gerade im Wohnungsmarkt beschleunigt sich der Abwärtstrend. Der ZIA hat zusammen mit anderen Verbänden wiederholt konkrete Vorschläge auf den Tisch gelegt: schnellere Genehmigungen, stabile Finanzierung, einfaches Bauen und weniger regulatorische Bremsen. Daraus muss jetzt endlich Baupraxis werden.“

Wohnsegment unter zunehmendem Druck

Besonders deutlich verschlechterte sich die Stimmung im Wohnsegment. Die Erwartungen fielen auf minus 22,9 Punkte. Neben steigenden Kosten belastet laut ZIA insbesondere die Diskussion über eine mögliche Verschärfung der Mietenregulierung die Marktteilnehmer. Gleichzeitig gewinnen Bestandssanierungen, Seniorenwohnen und Umnutzungen gegenüber Neubauprojekten an Bedeutung.

„Immer neue Debatten über Mietendeckel, mehr Regulierung und neue Eingriffe verschärfen die Verunsicherung im Markt. Unternehmerisches Handeln und Investitionen brauchen hingegen Vertrauen und verlässliche Rahmenbedingungen", betont Schöberl.

Im Bürosegment bleibt die aktuelle Geschäftslage mit 15,5 Punkten zwar vergleichsweise stabil. Die Erwartungen gingen jedoch ebenfalls zurück. Die Nachfrage konzentriert sich weiterhin auf hochwertige Flächen, während Unsicherheiten über den künftigen Flächenbedarf bestehen bleiben.

Im Einzelhandel zeigt sich ein gemischtes Bild: Die aktuelle Lage wird noch vergleichsweise positiv bewertet, die Erwartungen sinken jedoch auf minus 17,2 Punkte. Gefragt bleiben insbesondere Nahversorgungsformate und Fachmarktzentren.

Projektentwickler besonders pessimistisch

Die Projektentwicklung befindet sich nach Einschätzung der Befragten weiterhin in einer angespannten Situation. Die Geschäftslage liegt bei minus 25,0 Punkten. Hohe Bau- und Finanzierungskosten sowie eine schwache Nachfrage bremsen die Entwicklung. Knapp 60 Prozent der befragten Unternehmen rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit einem ungünstigeren Finanzierungsumfeld. Die Erwartungen bleiben zwar leicht positiv und erreichen 7,5 Punkte, spiegeln aber vor allem die Hoffnung auf bessere Rahmenbedingungen wider.

Kapitalströme verschieben sich

Eine Sonderauswertung zu den geplanten Projektaktivitäten zeigt zudem Veränderungen bei den bevorzugten Assetklassen. Als besonders attraktiv gelten derzeit Wohnimmobilien mit Fokus auf Bestandssanierungen, Rechenzentren und Logistikimmobilien. Büro- und Einzelhandelsimmobilien stehen dagegen weiter vor strukturellen Veränderungen. Investitionen hängen dort zunehmend von Lage, Objektqualität und der Anpassungsfähigkeit an veränderte Nutzeranforderungen ab.

Die Befragung für das zweite Quartal wurde zwischen dem 7. Mai und dem 1. Juni 2026 durchgeführt. Der Immobilienstimmungsindex wird seit 2020 quartalsweise vom IW in Kooperation mit dem ZIA erhoben.

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zuletzt editiert am 12. Juni 2026
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