Ein Mann. 30 Praktika. In verschiedensten Unternehmen der Immowelt. Ron Hess wird in unserer neuen Serie freiwillig zum Langzeitpraktikanten.
Praktika sind normalerweise der erste Berührungspunkt junger Menschen mit der Berufswelt. Ron Hess wollte einen anderen Weg einschlagen. Seit 16 Jahren ist Ron als Key Account Manager bei on-geo mitten in der Immobilienwelt. Doch Ron wollte mehr. Vor allem mehr Erfahrungen. Auf der Suche nach Praktikumsplätzen startete er daher im September vergangenen Jahres einen Aufruf über LinkedIn.
Die Resonanz war so groß, dass Ron sehr lange beschäftigt sein wird – weit mehr als 30 Unternehmen haben sich bei ihm gemeldet. immobilienmanager wird ihn auf seiner Praktikumsreise begleiten und über seine unterschiedlichsten Erfahrungen berichten. Zur besseren Vergleichbarkeit, wird er jeden Praktikumsplatz bewerten. Wir sind gespannt, wer am Ende die meisten „Rons“ einsammelt.

#ichlernenoch Teil 1: Der alte Mann und das Meer
Gerade morgens ist es ziemlich offensichtlich, dass ich zu alt bin für ein Praktikum. Nichtsdestotrotz habe ich dringenden fachlichen Handlungsbedarf trotz der zurückliegenden rund 16 Jahre bei on-geo, in denen ich viel über die Immobilienwirtschaft und unsere Kunden lernen durfte und weiterhin darf. Um mal was Vernünftiges zu machen, habe ich bei LinkedIn herumgefragt, ob es Unternehmen gibt, die einem teilmotivierten 38-Jährigen ein Praktikum ermöglichen könnten. Und ja, die gibt es. Und zwar richtig viele. In den kommenden Monaten, eher noch Jahren, werde ich jeden Monat ein Praktikum in einem Immobilienunternehmen machen.
Ukulele und Unwetter
Mein erster Praktikumsbetrieb – nennt man das wirklich so? – ist ImmoWert Beier, ein sympathisches Sachverständigen- und Gutachter-Büro und geschätzter Kunde. Patrick Beier und sein Team kümmern sich um alles, was so anfällt, also vom klassischen Gutachten für einen Immobilienkauf bis hin zur Immobilienbewertung von riesigen Liegenschaften. Alles Dinge, von denen ich bisher keine Ahnung hatte. Die beste Voraussetzung für ein zweitägiges Praktikum und einen wissbegierigen Menschen wie mich.
Das Praktikum führt mich nach Stade. Für alle, die in Geografie Kreide holen waren: Stade liegt westlich von Hamburg. Hier kann man Küsten- und Fischbrötchenluft schnuppern, „Moin moin“ ist zu geschwätzig und es weht immer eine steife Brise. In Stade kann man hervorragend arbeiten, wie ich direkt im Büro von ImmoWert Beier feststellen durfte. Obwohl der Weihnachtsstress grassierte, strahlten mich direkt ein paar freundliche Gesichter an. Das lag sicher nicht am Wetter, denn das war ziemlich verbesserungswürdig. Eine Sache fiel mir aber trotz des Wetters direkt auf: Patrick Beier ist überdurchschnittlich talentiert an der Ukulele und klimperte gleich ein paar Noten für mich.
Es menschelt am Meer
Patrick Beier spielt aber nicht nur Ukulele, sondern auch meinen Praktikumsbeauftragten für die nächsten zwei Tage. Zum Auftakt ging es erstmal zu einem Einfamilienhaus in der Region. Und zwar eines, das zur Zwangsversteigerung freigegeben wurde. Ich muss schon sagen, dass man auch einfacher in ein Praktikum starten könnte. Aber wer lernen will, muss leiden! Für Patrick Beier und sein Team gehören solche pikanten Termine zum beruflichen Alltag. Was mir direkt aufgefallen ist, war die Empathie, mit der Patrick vor Ort glänzte. Er gab der Eigentümerin, die in finanzielle Schieflage geraten ist, nicht nur ein besseres Gefühl, sondern auch hilfreiche Tipps, wie sie mit den Rückständen bei der Bank umgehen könnte. Das zählt zwar nicht zu seinem Beruf, aber – Achtung, jetzt kommt‘s – zu seiner Berufung. Danach ging es weiter in die große Stadt Hamburg. Hier haben wir ein wunderschönes Restaurant für eine Wertermittlung besichtigt.
SPO und Bockwurst-Index
Tag zwei überzeugte durch wundervolle Grautöne am Himmel. Diese durfte ich anders als am Vortag nicht nur aus dem Auto, sondern auch bei Windstärke 8 von der Fähre Richtung St. Peter-Ording bewundern. Heute war neben Patrick auch Pascal Hewel dabei, Bausachverständiger, Energieberater, Tausendsassa. Dass er mir fachlich haushoch überlegen ist, zeigte mir Pascal auch während unserer Überfahrt auf der Fähre. Hier erklärte er mir den sogenannten „Fähr-Bockwurst-Index“, der die Wirtschaftskraft Deutschlands erläutert. Die Bockwurst auf diesem Fortbewegungsmittel kostet seit September 2023 2,20 €, vorher waren es mehrere Jahre lang 1,80 €. Das Kiosk-Orakel prophezeite bei unserer Audienz allerdings, dass der Bockwurst-Preis auch in den kommenden Monaten stabil bleiben wird. Für unsere Branche ist das eine hervorragende Nachricht. Frikadelle (kalt) übrigens 1,90 €.
Nach der Überfahrt ging es dann zu einem Haus in St. Peter-Ording, das vererbt werden soll. Bei unserer Besichtigung kam eine spezielle Forensiklampe zum Einsatz, mit deren Hilfe massive Mängel im Haus zum Vorschein kamen. Patrick und Pascal haben auch hier wieder nicht nur bewertet, sondern auch beraten, um das Bestmögliche aus dem Objekt herauszuholen. Und ja, in dem Fall wäre Abriss die sinnvollste Option…
Steiler Start mit tollen Erfahrungen
Insgesamt war das erste Praktikum meines Lebens nicht nur sinn-, sondern auch wertvoll. Der Name ist halt Programm: ImmoWert Beier zeigte mir nicht nur, wo der Kopierer und die Kaffeemaschine stehen, sondern, wie der Alltag eines Sachverständigen und Gutachters wirklich aussieht. Die harte Kenntnis über Immobilien und Wertermittlung ist hier ebenso entscheidend wie menschliches Gespür und Einfühlungsvermögen. Nur das Wetter war norddeutsch, da muss das Unternehmen nochmal ran.
Praktikums-Barometer
