Hotel Treudelberg HH by Steigenberger
Hotelinvestoren und -betreiber sind derzeit hart gebettet. Noch im ersten Quartal dieses Jahres war das Investmentvolumen jedoch sehr hoch. Bild: Steigenberger Hotels AG

News 2020-04-09T00:00:00Z Hotelinvestoren hoffen auf die Zeit nach der Krise

Die Investmentzahlen für das erste Quartal 2020 belegen die grundsätzliche Beliebtheit der Assetklasse.

„Die Hotelimmobilie leidet, keine Frage. Sie leidet aber nicht, weil das Produkt als solches in Frage gestellt wird. Und deshalb wird sie auch weiterhin ihren Platz bei den Investoren einnehmen. Kapital ist vorhanden, und die Menschen werden ihre Reiselust nicht verlieren“, kommentiert Heidi Schmidtke, Managing Director der JLL Hotels & Hospitality Group, die aktuelle Lage auf dem deutschen Hotelinvestmentmarkt.

Die aktuell vorgestellten Zahlen für das erste Quartal 2020 spiegeln die Corona-Auswirkungen noch nicht wieder. Knapp eine Milliarde Euro (bei 27 registrierten Transaktionen) sorgt für ein Plus von 67 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Quartalsbasiert wird der Zehnjahresschnitt von 473 Millionen Euro mehr als verdoppelt, auch der Fünfjahresschnitt (730 Mio. Euro) ist um 35 Prozent übertroffen. Ein signifikanter Teil (geschätzte rund 26 Prozent) des Hotel-Transaktionsvolumens entfällt allerdings auf die Übernahme von TLG durch Aroundtown, die sich mit 77,8 Prozent der Anteile die Mehrheit an TLG gesichert haben. Mit der Übernahme wechselten unter anderem acht Hotels in Berlin, Dresden, Leipzig und Rostock den Eigentümer. „Dieses hohe Transaktionsvolumen spiegelt die Marktstimmung vor den Auswirkungen der aktuellen Krise wider“, bestätigt auch Olivia Kaussen, Head of Hotels bei CBRE in Deutschland.

Angesichts der Corona-Pandemie agieren institutionelle Investoren vorsichtig, halten aber weiter nach passenden Kaufgelegenheiten Ausschau, so Colliers International Deutschland, die 65 Top-Entscheider der Immobilienwirtschaft in der Woche nach Verhängen des Shutdowns befragt haben. Der Anteil an Hotelimmobilien interessierter Käufer hat sich demnach von November 2019 bis März 2020 von 38 auf 17 Prozent mehr als halbiert. 75 Prozent rechnen zudem mit tendenziell sinkenden Hotelpachten, 77 Prozent mit sinkenden Kaufpreisen. „Gleichzeitig bleiben viele Hotelbetreiber weiterhin auf Expansionskurs und erwarten, dass sich der Hotelmarkt nach Lockerung der Restriktionen innerhalb weniger Monate deutlich erholt“, meint René Schappner, Head of Hotel bei Colliers International. Und Götz U. Hufenbach, geschäftsführender Gesellschafter von Benchmark. Real Estate ergänzt: „Der Stresstest für die Betreiber wird zeigen, wer unternehmerisch gut aufgestellt ist. Zumindest kurzfristig kann sich der Expansionsdrang daher abkühlen. Deutschland bleibt als Hotelstandort aufgrund seiner starken dezentralen Wirtschafts- und Tourismusstandorte insgesamt ein attraktiver Markt für Hotelketten.“ Nach einer kurzfristigen größeren Zurückhaltung auf dem Hotelimmobilienmarkt erwartet er mittelfristig eine weitere Veränderung der Betreiberstruktur hin zu Markenhotels. Besonders bei Budget-Hotels sieht er weiteres Wachstumspotenzial. Heidi Schmidtke ergänzt: „.Es könnte sich im Laufe des Jahres auszahlen, dass der deutsche Hotelmarkt traditionell stark von inländischer Nachfrage geprägt ist, ein Trend der sich im Hinblick auf das zu erwartende Reiseverhalten nach COVID-19 tendenziell verstärken und damit Hoteliers grundsätzlich stützen dürfte. Und nicht zu vergessen: die Assetklasse Hotel gilt als etabliert, insbesondere auch bei den hierzulande besonders starken institutionellen Investorengruppen.“

zuletzt editiert am 31. Mai 2021
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