Während die Mieten für Einzelhandelsfläche auch an den Top-Standorten teilweise bereits sinken, steigen die Preise immer weiter. Ein Deutschland-Überblick inklusive Kaufpreis-Vervielfältiger.
Das Bild passt irgendwie nicht so richtig zusammen. Wenn Mieten sinken und Preise immer weiter steigen, dann sollten Investoren besonders genau hinschauen. So zum Beispiel bei Einzelhandelsimmobilien in Deutschland.
Keine Frage, die Umsätze im Einzelhandel steigen seit Jahren. Allerdings bringt der anhaltende Siegeszug des Onlinehandels den stationären Handel immer stärker in Bedrängnis. Am Vermietungsmarkt macht sich das bereits deutlich bemerkbar. Und doch steigen die Preise für Highstreet-Objekte in den besten Lagen immer weiter.
Ein Blick auf die Zahlen: Die Immobilienberater von BNP Paribas Real Estate analysieren regelmäßig 64 deutsche Städte und kommen aktuell zu dem Ergebnis, dass 24 Städte im Vergleich zum Vorjahr gesunkene Spitzenmieten aufweisen. Lediglich drei Städte konnten demnach ein leichtes Wachstum verbuchen. Das Gros der Städte (37) konnte die Höchstmieten immerhin konstant halten.
Mietwachstum nur noch in Berlin
Konstante oder gar
sinkende Mieten
sind dabei übrigens längst kein Phänomen von Mittelstädten oder Kleinstädten. Die zunehmende Preissensibilität potenzieller Mieter macht sich laut BNP Paribas Real Estate auch in den größten Shoppingmetropolen bemerkbar: Mit Frankfurt (300 Euro pro Quadratmeter), Düsseldorf (280 Euro pro Quadratmeter), Hamburg (275 Euro pro Quadratmeter) und Köln (275 Euro pro Quadratmeter) haben die Top-Mieten an vier der sieben größten deutschen Retailmärkte jeweils um zwei Prozent nachgegeben.

Der einzige Standort mit einer steigenden Tendenz ist die Hauptstadt Berlin (320 Euro pro Quadratmeter, plus drei Prozent). München (370 Euro pro Quadratmeter) und Stuttgart (275 Euro pro Quadratmeter) blieben stabil. Die Zahlen klingen zwar nicht allzu dramatisch. Man sollte aber nicht vergessen, dass es sich hierbei um die Spitzenmiete für einen 100-Quadratmeter-Standardshop handelt. Diese „Ideal"-Fläche bildet nur ein sehr kleines Marktsegment ab und stößt noch auf eine ausreichende Nachfrage aus den verschiedenen Branchen.
Highstreet Investments 2016: Gefragtes, aber knappes Gut
Was die Preise betrifft, geht es weiter aufwärts - sowohl in den Shopping-Hochburgen als auch außerhalb der Big Six. Das liegt vor allem am Angebotsengpass, der sich auch am gegenüber 2016 deutlich gesunkene Highstreet-Investmentvolumen zeigt: Insgesamt flossen laut BNP Paribas Real Estate rund 3,1 Milliarden Euro in Deutschlands Einkaufslagen und damit rund 21 Prozent weniger als im sehr starken Vorjahr. 57 Prozent diese Umsatzes entfällt auf Städte außerhalb der Big Six.
Bei den Top-Standorten setzt sich München als teuerster deutscher Standort (Kaufpreisvervielfältiger: 24,0 bis 31,0) nur knapp vor die Hauptstadt Berlin (23,0 bis 30,0). In Hamburg (23,0 bis 29,5) wird im Spitzensegment tendenziell nur geringfügig mehr bezahlt als in Frankfurt (23,0 bis 29,0) und Düsseldorf, Köln und Stuttgart folgen dahinter gleichauf (je 23,0 bis 28,0).