Panel auf der Expo Real
Diskussion über eine akute Frage: Wie schafft die Kölner City den Wandel? (Quelle: KoelnBusiness)

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20. October 2022 | Teilen auf:

Gute Voraussetzungen für den Wandel

Der Wandel, den deutsche Innenstädte und auch die Immobilienwirtschaft derzeit durchmachen, dürfte wohl einer der tiefsten Einschnitte der Geschichte werden. Wie man das Thema in Köln angeht, zeigte ein Panel auf der Expo Real mit Teilnehmern aus Verwaltung und Branche.

Seit Generationen sind die Innenstädte der Metropolen Anziehungspunkte für ihre Bewohner, Gäste und Touristen. In Köln ist ganz besonders der kulturhistorische Hintergrund einer der Besuchermagnete. Die wohl bekannteste Kirche der Welt, Opernhaus und die Via Culturalis, auf der sich auf nicht einmal 800 Metern Strecke mehr als 2.000 Jahre Kulturgeschichte der Stadt Köln erleben lassen mit samt ihrer Stadt-, Stadtbau- und Architekturgeschichte – Köln hat für jede Zielgruppe viel zu bieten. Die Millionenstadt ist durch ihre Vielfältigkeit, auch im Bereich Shopping, ein gefragtes Zentrum in Deutschland.

„Die Hohe Straße ist in Deutschland bei der Besucherfrequenz immer auf den vordersten Plätzen zu finden“, berichtete Dr. Manfred Janssen, Geschäftsführer der Köln Business Wirtschaftsförderung. Daneben bildet der Wallrafplatz am Dom einen Hotspot für Luxusmarken, in der Ehrenstraße gibt es hochwertige und hippe Labels, und die Flagshipstores in der Schildergasse runden das ganzheitliche Shoppingangebot Kölns ab. Besonders die Schildergasse ist eine der Top-Adressen in Deutschland. Janssen resümierte: „Köln ist Historie mit Konsum, spannenden Kultureinrichtungen und viel Gastronomie.“

Für den Kölner Immobilienunternehmer Arne Hilbert, Geschäftsführer von Art-Invest, der nicht nur Projektentwickler, sondern auch Bestandshalter ist, muss die Kölner Innenstadt immer auch den Spagat zwischen Optimierung des Bestands und der aktiven Teilhabe an der Weiterentwicklung der Stadt hinbekommen. Dafür sei ein guter Nährboden vorhanden, so Hilbert. So habe der Dom über die Landesgrenzen hinaus eine unglaubliche Strahlkraft, aus der sich für die innerstädtische Entwicklung mehr machen ließe. „Hier wünschen wir uns als Immobilieneigentümer den nächsten Schritt zu gehen, um aus dieser Sogwirkung mehr für unsere Immobilien herausholen zu können. Wie gewinnen wir eine höhere Verweildauer? Wie schaffen wir es, dass ein internationaler Gast eine Via Culturalis auch erlebt?“, sagte Hilbert.

Leitbild führt auf dem Weg in die Zukunft

Die Stadt Köln, die Brigitte Scholz, Leiterin des Amts für Stadtentwicklung und Statistik auf dem Panel vertrat, sieht sich hier gut aufgestellt. Richtungsweisend soll dabei das „Leitbild Handelslagen Hohe Straße/Schildergasse“ sein, das die Stadt, gemeinsam mit Eigentümern, kürzlich vorgestellt hat. Das Leitbild ist nicht nur Zukunftsvision, sondern legt auch für die großen Themen Klimawandel und Verkehrswende den Grundstein. „Das Thema grün spielt eine große Rolle“, so Scholz. Zwischen Wallrafplatz, Neumarkt und Ehrenstraße wolle man den einzelnen Handelslagen mehr Profil verschaffen. Beispielsweise soll die Hohe Straße Marken im Bereich Young Fashion anziehen, und der Knotenpunkt von Schildergasse und Hohe Straße vor allem für internationale Marken positioniert werden.

Für die Köln Business Wirtschaftsförderung fußt das Leitbild auf positiven Rahmenbedingungen: niedriger Leerstand, hohe Kaufkraft und eine breit diversifizierte Wirtschaft. Die Innenstadt und auch die Veedel seien sehr belebt, wodurch Köln gegenüber anderen Großstädten einen klaren Vorteil habe, so Janssen. „Die Ausgangslage für Köln ist überaus gut. Das zeigt beispielsweise auch die sehr niedrige stadtweite Leerstandsquote in den Handelslagen von 2,5 Prozent.“

Standortgemeinschaften auch in der City

Konsum, Erlebnis und Kultur zu verbinden und dabei Aufenthaltsqualität zu schaffen ist nicht nur Ziel der Stadt Köln, sondern auch der Mieter und Immobilieneigentümer. Um diesen Gedanken zu befeuern, plant die Stadt, das Thema Immobilien- und Standortgemeinschaften auch in die Innenstadt zu bringen. „Wir haben das Konzept bereits erfolgreich außerhalb der Innenstadt gestartet. Nun wollen wir das auch in den zentralen Lagen umsetzen“, so Scholz. Das könne besonders die Randlagen der zentralen Innenstadtbereiche unterstützen.

Das Kölner Institut für Handelsforschung sieht einen wesentlichen Baustein des Erfolgs der Kölner Innenstadt beim Thema Emotionalität. „Wie adressiert man die Menschen im Herzen?“ fragt Boris Hedde, Geschäftsführer des IFH. Für Hedde ist es mit entscheidend, die richtigen Nutzergruppen anzusprechen und hier mit spannenden Konzepten die Innenstadt attraktiv zu gestalten. Köln ist dahingehend innovationsfreudig und holt immer wieder neue Konzepte in die Stadt. Dazu zählt beispielsweise das „_blaenk“ Handelskonzept, das Start-ups ermöglicht, innerstädtische Handelsflächen zu nutzen, um ihre Produkte vorzustellen; oder auch der Einzug einer Boulderhalle in die oberen Etagen des ehemaligen Kämpgen-Gebäudes in der Schildergasse.

Das Panel auf der Expo Real machte deutlich, dass Köln ideale Voraussetzungen hat, um den Wandel der Innenstadt erfolgreich zu gestalten – diese aber auch nutzen muss. Dabei arbeiten Verwaltung, Wirtschaftsförderung, Nutzer und Immobilieneigentümer Hand in Hand, um die Stärken der Stadt weiter zu stärken und Schwächen anzugehen, denn eins ist sicher: Der Wandel hat gerade erst begonnen.

zuletzt editiert am 16.11.2022