ZIA begrüßt „Gewerbe zu Wohnen“, warnt aber: Förderung allein reicht nicht, ohne weniger Bürokratie bleibt das Potenzial begrenzt.
Die Bundesregierung unternimmt einen neuen Anlauf, um brachliegende Flächenpotenziale zu heben: Mit der Wiederauflage des Programms „Gewerbe zu Wohnen“ soll der Umbau leerstehender Büro- und Handelsimmobilien in dringend benötigten Wohnraum gefördert werden. Ab dem 1. Juli 2026 stehen dafür 300 Millionen Euro bereit, verbunden mit einem Zuschuss von bis zu 30.000 Euro pro neu geschaffener Wohneinheit.
Im Zentrum der Debatte steht dabei die Einschätzung der Branche selbst. Der ZIA – Zentraler Immobilien Ausschuss bewertet das Programm grundsätzlich positiv, mahnt jedoch deutliche Nachbesserungen an.
Zustimmung – aber mit Vorbehalten
ZIA-Hauptgeschäftsführerin Aygül Özkan bringt die ambivalente Haltung der Immobilienwirtschaft auf den Punkt:
„Natürlich ist in der jetzigen Zeit jede Wohnung wichtig, aber es bleibt abzuwarten, welche Effekte mit dem Programm tatsächlich erzielt werden können. 300 Millionen Euro Förderung in diesem Jahr bedeuten bei einer Fördersumme von max. 30.000 Euro pro Wohneinheit eine Zahl von 10.000 Wohnungen.”
Die Rechnung ist nüchtern und verdeutlicht zugleich die Dimension des Problems. Während der politische Ansatz darauf abzielt, Leerstände zu aktivieren und gleichzeitig Ressourcen durch Umnutzung zu schonen, bleibt der tatsächliche Beitrag zur Entspannung der Wohnungsmärkte begrenzt.
Praxis schlägt Theorie
Besonders deutlich wird der ZIA bei den strukturellen Hürden, die eine Umwidmung bislang erschweren:
„Wir als Immobilienwirtschaft unterstützen die Möglichkeit, durch Umnutzung zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Die Erfahrung aus der Praxis zeigt aber, dass vor allem hohe planungsrechtliche Hürden, lange Genehmigungsprozesse und unflexible Rahmenbedingungen oft eine erfolgreiche Umwidmung verhindern. Über die finanzielle Förderung hinaus müssen hier Erleichterungen geschaffen werden.”
Damit rückt die Branche einen zentralen Punkt in den Fokus: Geld allein reicht nicht. Ohne tiefgreifende Anpassungen im Bau- und Planungsrecht droht das Programm, hinter seinen Möglichkeiten zurückzubleiben.
Kein Ersatz für Neubau
Auch hinsichtlich der übergeordneten Wohnungsfrage bleibt der ZIA skeptisch:
„Die Förderung wird einzelne Projekte eventuell erleichtern. Das grundsätzliche Problem der Wohnungsbaukrise vor allem in den Metropolregionen wird nicht behoben.”
Diese Einschätzung trifft einen wunden Punkt der aktuellen Wohnungspolitik. Die Umnutzung von Gewerbeimmobilien kann punktuell helfen, etwa in innerstädtischen Lagen mit strukturellem Leerstand. Sie ersetzt jedoch weder den dringend benötigten Neubau noch eine umfassende Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren.
Die Neuauflage von „Gewerbe zu Wohnen“ ist ein sinnvoller Baustein im Instrumentenkasten der Bundesregierung. Die klare Botschaft aus der Immobilienwirtschaft: Ohne regulatorische Entlastungen bleibt die Förderung Stückwerk.
Oder anders formuliert: Der politische Wille ist erkennbar, doch erst die Umsetzung im Detail entscheidet darüber, ob aus leerstehenden Büros tatsächlich neuer Wohnraum wird.
