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Christian Völkers und Sven Odia (Foto: Engel & Völkers AG)

Unternehmen & Köpfe

04. September 2019 | Teilen auf:

Generationenwechsel bei Engel & Völkers

Beim Hamburger Makler-Franchise gibt Mit-Namensgeber Christian Völkers den Vorstandsvorsitz an Sven Odia ab. Im Doppelinterview verraten beide, was der Wechsel für das Unternehmen und sie persönlich bedeutet.

Engel & Völkers erscheint quasi als Ihr „Familienunternehmen“. Sie haben das Unternehmen aufgebaut, durch Höhen und Tiefen zu einem der weltweit größten Immobilienmakler-Franchise-Unternehmen entwickelt, zudem trägt das Unternehmen weiterhin Ihren Namen. Ist die nun angekündigte Aufgabe des Vorstandsvorsitzes ein schwerer Schritt?
: Dieser Schritt ist seit vielen Jahren geplant, daher fällt er mir nicht schwer. Sven Odia und ich leiten das Unternehmen seit 2014 in einer Doppelspitze. Bei der damaligen Entscheidung haben wir natürlich schon im Hinterkopf gehabt, dass ich irgendwann den Vorstandsvorsitz komplett in die Hände von Sven Odia übergeben werde. Durch die lange und intensive Planung fühle ich mich damit sehr wohl. Man muss die Bereitschaft haben, Verantwortung nicht nur zu teilen, sondern auch abzugeben. Sven Odia ist seit 22 Jahren bei Engel & Völkers und ich weiß, dass der Vorstandsvorsitz bei ihm in den besten Händen ist. Hinzu kommt, dass ich mich in keiner Weise zurückziehen werde. Wir sind gerade dabei neue Unternehmen zu gründen, die unseren Kunden neben dem klassischen Immobiliengeschäft einen erheblichen Mehrwert bieten werden. Ich bleibe weiterhin Vorstandsmitglied und werde mich in dieser Rolle verstärkt mit der Entwicklung dieser neuen Unternehmen befassen.

Warum haben Sie sich jetzt zu diesem Schritt entschlossen?
: Es gab dazu natürlich viele Gespräche mit Sven Odia und wir beide fanden den Zeitpunkt passend. Ich habe auch gemerkt, dass die oben genannten neuen Unternehmen bei mir immer mehr Raum einnehmen. Die Neustrukturierung im Vorstand in den nächsten Monaten passt also perfekt.

Herr Odia, wie fühlt man sich als designierter alleiniger Vorstandsvorsitzender eines so traditionsreichen und großen Unternehmens?
Sven Odia : Christian Völkers und ich haben in den vergangenen 20 Jahren unzählige Stunden gemeinsam verbracht und viele Dinge, besonders die internationale Expansion betreffend, zusammen angeschoben. Die Entscheidung, dass ich den alleinigen Vorstandsvorsitz übernehme, ist dementsprechend in einem langen und wohlüberlegten Prozess entstanden. Daher fühle ich mich nun nicht plötzlich anders.

Wie definieren Sie Ihre neue Rolle?
Sven Odia: Die Werte und die Philosophie, die das Unternehmen ausmachen, werden sich nicht ändern. Ich habe schon in den vergangenen Jahren eine wichtige Neuerung der Länderstrukturen vorgenommen, indem ich auf Dezentralisierung gesetzt und vor Ort jeweils ein Top-Management aufgebaut habe. Es ist meine Aufgabe, dieses auch weiterhin sehr eng zu begleiten.

Herr Völkers, warum ist es eine interne Übergabe geworden? Sie hätten Ihre Unternehmensanteile auch schlicht veräußern können – oder ist das noch geplant?
Christian Völkers: Nein, das ist absolut nicht geplant. Das Herzblut und die Leidenschaft eines ganzen Lebens stecken für mich in diesem Unternehmen. Für mich war völlig klar, dass der Vorstandsvorsitz nur an jemanden gehen kann, dem ich mit meinem Lebensprojekt zu 100 Prozent vertrauen kann. Ich kenne Sven Odia seit beinahe 23 Jahren und weiß schon lange, dass er mit seiner Kompetenz, aber auch mit seinen herausragenden Charaktereigenschaften ein absoluter Glücksfall für Engel & Völkers ist. Die interne Übergabe war für mich eine logische Konsequenz.

Seit wann war Ihnen klar, dass Sie für diese Position vorgesehen sind?
Sven Odia : Wir haben uns 2014 für den Weg des Co-CEOs entschieden, damals schon in dem klaren Bewusstsein, dass das Staffelholz irgendwann übergeben wird.

Neue Chefs setzen neue Akzente. Wo sehen Sie die Schwerpunkte der künftigen Unternehmensentwicklung?
Sven Odia : Ich glaube an zwei Dinge: Wir müssen die besten Leute für Engel & Völkers gewinnen und sie durch eine starke Plattform unterstützen. Die Rahmenbedingungen ändern sich gerade vor dem Hintergrund der Digitalisierung unglaublich schnell und natürlich möchte ich Engel & Völkers fit für die Zukunft machen. Es ist wichtig, die Möglichkeiten der Automatisierung zu nutzen, um unseren Kunden sowie unseren Immobilienmaklern entscheidende Vorteile zu bieten. Ein Fokus liegt außerdem auf der internationalen Expansion. Unterm Strich ist mein Ziel ein hochprofitables Wachstum für unser Unternehmen.

Worauf kommt es generell an, wenn man die Führung des selbst aufgebauten Unternehmens übergeben möchte? Welche Rolle spielen steuerliche Aspekte, wie wichtig ist der Instinkt bei der Auswahl der Persönlichkeit, an die der Staffelstab weitergegeben wird?
Christian Völkers : Es werden keine Anteile verkauft, aus diesem Grund spielen steuerliche Aspekte überhaupt keine Rolle. Da ich Sven Odia schon so lange kenne und er seine Fähigkeiten über die Jahre ausgiebig beweisen konnte, ist für mich der Instinkt bei der aktuellen Entscheidung nicht wichtig gewesen. Er hat aber sehr wohl eine große Rolle gespielt, als ich Sven Odia vor mehr als 20 Jahren zu Engel & Völkers geholt habe. Ich war mir sicher, dass ich diesen
intelligenten und engagierten jungen Mann in meinem Unternehmen haben möchte.

Wie wichtig ist es, dass Herr Odia Anteile an E&V besitzt?
Christian Völkers : Dies ist natürlich relevant. Dass Sven Odia der richtige für meine Nachfolge ist, hat mit anderen Aspekten zu tun. Allerdings zeigt sein Erwerb der Anteile natürlich, wie sehr er mit dem Unternehmen verbunden ist und an unseren dauerhaften Erfolg glaubt. Und auch sein Handeln wird sicherlich dadurch beeinflusst und ist unternehmerischer geprägt.

Ihr Nachfolger arbeitet seit seinem 20. Lebensjahr für E&V. Seit 2001 ist er geschäftsführender Gesellschafter der E&V International, seit 2006 Vorstand der AG, seit 2009 dort auch Anteilseigner. Seit 2014 teilte er sich mit Ihnen den Vorstandsvorsitz. Seit wann war Ihnen klar, dass er Ihr idealer Nachfolger ist?
Christian Völkers : Er war schon bevor er die Aktien erwarb seit vielen Jahren an verschiedenen Gesellschaften beteiligt. Ich denke, es spricht eine deutliche Sprache, dass wir einem zu diesem Zeitpunkt doch noch sehr jungen Mann so viel Vertrauen und Handlungsspielraum geschenkt haben. Sven Odia hat von Beginn an unzählige Male seine Kompetenz unter Beweis gestellt und gezeigt, dass er die Dinge vorantreiben kann. Die Entscheidung für meine Nachfolge ist dementsprechend ein kontinuierlicher Prozess gewesen und lässt sich nicht auf einen bestimmten Tag festlegen.

Sie wollen sich nun im Vorstand um die Entwicklung neuer Ideen kümmern? Was treibt Sie an?
Christian Völkers : Es hat mich schon immer fasziniert, über den Tellerrand zu blicken – so wurde Engel & Völkers damals zum Franchisesystem. Mir ist es wichtig, neue Herausforderungen zu suchen und anzunehmen. Die Branche befindet sich aktuell im Wandel und die Aufgaben werden immer komplexer. Dadurch entsteht aber auch viel Raum für neue Visionen, vor allem die digitalen Möglichkeiten bergen unglaubliches Potenzial und großartige Chancen.

Das Interview führte Christof Hardebusch.

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zuletzt editiert am 31.05.2021