Porträtbild von Horst Müller
Horst Müller (Quelle: da capo/Stadt Fürth)

Standorte & Märkte 2023-07-26T09:04:11.935Z „Das gab es noch nie“

Gute Einzelhandelszahlen, Neues vom Hotelmarkt und die Begleitung von Unternehmen: immobilienmanager sprach mit Fürths Wirtschaftsreferenten Horst Müller.

Wie hat sich der Einzelhandel in der Innenstadt entwickelt?

Wir verzeichnen die besten Wirtschaftszahlen, die wir jemals hatten. Das gilt auch für den Einzelhandel. Der Umsatz ist von 2008 auf 2022 um 14 Prozent gestiegen, in Nürnberg dagegen ist er um 10,9 Prozent gesunken und in Erlangen um 14,6 Prozent. Im Jahr 2022 erzielten die Fürther Einzelhändler rund 860 Millionen Euro Umsatz. Damit übertreffen wir Erlangen um gut 170 Millionen Euro, das gab es noch nie. Die Kundenfrequenz hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht. Aber natürlich spürt man auch hier die Inflation und die steigenden Energiepreise, wir sind keine Insel der Glückseligen.

Was hat zu diesen Ergebnissen beigetragen?

Es hat sich viel getan: Das Carré Fürther Freiheit, die Neue Mitte und das Flair haben eröffnet ebenso wie das Hornschuch-Center, und auch der Wochenmarkt ist eine extreme Belebung für die Innenstadt. Im Jahr 2020 haben wir den Bayerischen Stadtmarketingpreis gewonnen, und die 30.000 Euro dafür investierten wir in Blumenschmuck für die ganze Innenstadt. Das kam so gut an, dass wir seither damit weitermachen.

Wie sieht es mit Flächen für Unternehmen generell aus?

Wir konnten nun die Flächen im Golfpark für 28 Millionen Euro komplett erwerben. Es sind 120.000 Quadratmeter Fläche, für die uns weit über 100 Bewerbungen von Unternehmen vorliegen. Wir wissen natürlich nicht, wie sich die wirtschaftliche Lage insgesamt entwickeln wird, aber so wie es momentan aussieht, werden diese Flächen nicht ausreichen. Inhabergeführte kleine und mittlere Unternehmen (KMU) erhalten jedenfalls den Vorzug. KMU sind generell in Krisen stabiler.

Was können Sie als Wirtschaftsförderung für die KMU tun?

Wir sprechen KMU gezielt an und begleiten sie vom Erstkontakt an. Inzwischen haben wir auch eine eigene Stelle geschaffen, die Unternehmen ausschließlich im Bereich Fördermittel berät. Die Herausforderungen werden größer, und es wäre grundfalsch, jetzt lockerzulassen.

An der Stadthalle hat nun ein Hotel der Marke Holiday Inn Express eröffnet. Ist damit der Bedarf an Betten gedeckt?

Wir haben zurzeit etwas mehr als 2.000 Hotelbetten, und es werden noch einige mehr werden. Das Holiday Inn Express hat den Vorteil, dass es direkt an der U-Bahn-Linie 1 liegt mit einer direkten Verbindung zur Messe Nürnberg. Und mit der Stadthalle ergeben sich Synergieeffekte bei Veranstaltungen. In der Planung ist außerdem das Hotel und Restaurant Schwarzes Kreuz, das im Oktober wieder eröffnen wird. An der Hornschuchpromenade wird außerdem ein Hotel im Budget-Bereich entstehen.

Was passiert mit dem Hotel Pyramide, das seit längerem geschlossen ist?

Wir sind in ständigem Kontakt mit dem Eigentümer Aroundtown und warten auf ein Konzept für das Haus mit seinen 100 Zimmern. Seine Pyramidenform ist zwar markant, aber nicht ideal für die Raumausnutzung. Der Eigentümer möchte Synergieeffekte mit der ehemaligen Schön-Klinik nebenan erzielen, doch ihr älterer Bauteil mit 27.000 Quadratmetern steht leer. Der neuere Bauteil wird von Medizinern genutzt. Es wird wohl eine andere als die Kliniknutzung gefunden werden müssen.

Das Gespräch führte Roswitha Loibl.

zuletzt editiert am 26. Juli 2023
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