Eine amerikanische Flagge weht vor einem modernen Hochhaus in der Stadt.
Dr. Tim Schomberg, Gerhard Lehner, Francesco Fedele und Prof. Dr. Felix Schindler mit Statements zu den Auswirkungen der US-Zollpolitik auf die Immobilienbranche. (Quelle: Unsplash)

Standorte & Märkte 2025-04-09T09:14:18.812Z US-Zölle verschärfen Druck auf Value-add-Strategien

Droht der Immobilienwirtschaft ein Rückschlag durch US-Zölle? Vier Branchenvertreter ordnen mögliche Auswirkungen auf Märkte, Preise und Investitionen ein.

Die Ankündigung neuer US-Zölle sorgt international für Unruhe – auch in der deutschen Immobilienwirtschaft. Führende Köpfe aus Investment, Finanzierung und Marktanalyse äußern sich zu möglichen Folgen für Konjunktur, Zinsen und Asset-Strategien.

Porträt Tim Schomberg
Dr. Tim Schomberg (Quelle: Kingstone)

Dr. Tim Schomberg, CEO von Kingstone Real Estate, sieht vor allem Investitionszurückhaltung: „Die US-Zölle führen zunächst weltweit zu großer Unsicherheit. Das zeigt das aktuelle Börsenbeben. Unsicherheit ist für Investmententscheidungen immer hinderlich. Insofern ist es möglich, dass institutionelle wie private Investoren Entscheidungen erst einmal aufschieben und so insgesamt die Zurückhaltung am Immobilieninvestmentmarkt noch anhalten wird.“

Auch strukturelle Auswirkungen sieht Schomberg: „Zölle führen zu einer Abschwächung des internationalen Handels und so zu einem geringeren Wirtschaftswachstum bzw. zu einer Rezession. Hiervon sind Gewerbeimmobilien – vor allem Büros und Logistik – stärker betroffen als Wohnimmobilien. (...) Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Schwächephase ist davon auszugehen, dass die Zentralbanken erst einmal an ihrem eingeschlagenen Zinssenkungspfad festhalten.“

Porträt Gerhard Lehner
Gerhard Lehner (Quelle: Savills IM)

Gerhard Lehner, Head of Germany bei Savills Investment Management, warnt ebenfalls vor erhöhter Unsicherheit und ihren Effekten auf Immobilienmärkte: „Erhöhte Unsicherheit über den wirtschaftlichen Ausblick wird sich auf die Erholung der Immobiliennutzermärkte auswirken. Längerfristig erhöhte Finanzierungskosten treffen vor allem jene Segmente, die stark fremdkapitalfinanziert oder transaktionsorientiert sind, etwa Projektentwicklungen oder Value-add-Strategien.“

Dagegen könnten Core-Investments profitieren: „Die Attraktivität von Immobilien mit langlaufenden und indexierten Mietverträgen aus resilienten Nutzungsarten wird entsprechend weiter steigen. (...) In einem Umfeld wachsender Unsicherheit bleibt daher die sorgfältige Allokation über Nutzungsarten, Regionen und Risikoprofile hinweg essenziell.“

Porträt Francesco Fedele
Francesco Fedele (Quelle: BF.direkt AG)

Francesco Fedele, CEO der BF.direkt AG, sieht konkrete Risiken für Bau- und Mietmärkte: „Die Auswirkungen der neuen US-Zölle für unsere exportorientierte Wirtschaft sind weitreichend. (...) Die Preise für Baumaterialien könnten steigen, beispielsweise wenn die Europäische Union – wie derzeit vorgeschlagen – die Importquoten für Stahl reduziert.“

Insbesondere der Logistik- und Bürosektor sei gefährdet: „Unterm Strich stören Zölle den Handel, was die Wirtschaft insgesamt bremst und im Fall von Deutschland sogar zu einer Rezession führen kann. Diese wird sich zunächst in den gewerblichen Nutzungsarten bemerkbar machen. Ich denke dabei vor allem an den Büro- und Logistikmietmarkt.“

Porträt Prof. Dr. Felix Schindler
Prof. Dr. Felix Schindler (Quelle: HIH Invest)

Prof. Dr. Felix Schindler, Head of Research & Strategy bei HIH Invest, betont die Unsicherheiten bei der Einschätzung makroökonomischer Folgen: „Die Ankündigung der zukünftigen Zölle (...) sorgt an den Kapitalmärkten für hohe Kursverluste und einen massiven Anstieg der Volatilität. (...) Bis zu diesem Zeitpunkt werden belastbare Prognosen nur begrenzt möglich sein und Szenarioanalysen hinsichtlich BIP-, Inflations- und Zinsentwicklung dominieren.“

Langfristige Perspektiven seien jedoch gefragt: „Für die Immobilienmärkte gilt es gerade in der aktuellen Situation und in den Turbulenzen an den Kapitalmärkten, die langfristige Perspektive sowie nachhaltige Werttreiber und Trends im Blick zu behalten. In den Portfolien sorgen Immobilien in diesem volatilen Umfeld für eine gewisse Stabilität.“

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zuletzt editiert am 09. April 2025