Ein Arbeiter steht auf einem Gerüst und arbeitet an einem Fenster in einer weißen Wand.
Die Krise kommt bei zahlreichen Ausbau- und Dienstleistungsunternehmen zeitversetzt an. (Quelle: Pixabay)

Standorte & Märkte 2026-05-28T11:44:39.867Z Falkensteg: Insolvenzen im Ausbau steigen stark

Die Immobilieninsolvenzen steigen im ersten Quartal 2026 um 13,5 Prozent. Besonders betroffen sind Ausbau- und Gebäudedienstleister.

Die Zahl der Insolvenzen in der deutschen Immobilienwirtschaft ist im ersten Quartal 2026 gestiegen. Laut aktuellem Insolvenzreport des Beratungsunternehmens Falkensteg legten die Verfahren über alle Umsatzklassen hinweg gegenüber dem Vorquartal um 13,5 Prozent auf 554 Fälle zu. Gleichzeitig sank die Zahl der Insolvenzen bei Unternehmen mit mehr als zehn Millionen Euro Jahresumsatz deutlich.

Bei den größeren Immobilienunternehmen registrierte Falkensteg im ersten Quartal 2026 nur noch neun Verfahren nach 13 im Vorquartal. Das entspricht einem Rückgang von rund 31 Prozent. Über alle Branchen hinweg lag das Minus bei Großunternehmen sogar bei 34,7 Prozent.

Unterschiedliche Entwicklung in den Segmenten

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung in den einzelnen Teilsegmenten der Immobilienwirtschaft. Während die Kategorie „Bau von Immobilien“ – also der Bereich bis zum Rohbau – mit 243 Verfahren nahezu stagnierte (+1,6 Prozent), stieg die Zahl der Insolvenzen in der Kategorie „Gebäude“ um 24,9 Prozent auf 311 Fälle. Dazu zählen unter anderem Ausbaugewerke, Gebäudedienstleister, Makler und Zulieferer.

„Wir sehen weiterhin eine klassische Kettenwirkung entlang der Wertschöpfung„, sagt Christian Alpers, Leiter Falkensteg Real Estate. „Der Rohbau hat seine Bereinigungswelle weitgehend hinter sich. Gleichzeitig erreicht die Krise die nachgelagerten Segmente mit Ausbau, Dienstleistern und Bestandshaltern, die den Schock mit Verzögerung zu spüren bekommen. Zudem scheuen Verbraucher hohe Investitionen in die Wohnraumsanierung und verschieben diese weiter in die Zukunft.“

Falkensteg sieht im Rohbausektor inzwischen eine weitgehend abgeschlossene Konsolidierung. In den Jahren 2023 und 2024 seien zahlreiche wirtschaftlich schwache Bauträger aus dem Markt ausgeschieden. Hintergrund waren steigende Zinsen, sinkende Kaufpreise und der Rückzug vieler Banken aus der Projektfinanzierung. Gleichzeitig hätten stark gestiegene Baukosten zahlreiche Projekte unrentabel gemacht.

Im Ausbaugewerbe sieht Falkensteg zunehmenden Druck durch Forderungsausfälle infolge insolventer Bauträger. Viele Unternehmen hätten offene Rechnungen nicht mehr realisieren können und seien dadurch selbst in Liquiditätsprobleme geraten. „Das Ausmaß der Ausfälle ist in der öffentlichen Wahrnehmung stark unterschätzt worden„, sagt Alpers. „Ein Elektriker oder Trockenbauer, der mehrere Monate auf Zahlung gewartet und am Ende nichts bekommen hat, ist häufig nicht mehr liquide genug, den nächsten Auftrag vorzufinanzieren. Dieses strukturelle Problem lässt sich weder durch Kostensenkung noch durch Auftragsgewinnung allein lösen.“

Refinanzierungen und Lieferketten als Risikofaktoren

Für den weiteren Jahresverlauf erwartet Falkensteg zusätzliche Belastungen durch auslaufende Immobilienfinanzierungen aus der Niedrigzinsphase. Sinkende Objektwerte erschwerten vielerorts Anschlussfinanzierungen, insbesondere bei Büro- und Einzelhandelsimmobilien.

Zusätzlich verweist Falkensteg auf steigende Materialkosten infolge gestörter Lieferketten im Zusammenhang mit dem seit März 2026 eskalierenden Iran-Krieg. Betroffen seien unter anderem Polyethylenprodukte für Rohre, Kabelummantelungen und Dämmstoffe. „Die Mehrbelastungen treffen die Branche in einem Moment, in dem die Substanz vieler Unternehmen bereits geschwächt ist„, warnt Alpers. „Ohne Preisanpassungsklauseln, die steigende Materialkosten automatisch auf den Auftraggeber umlegen, drohen Ausbauunternehmen, ihre Aufträge mit Verlust abzuschließen. Das wird die Insolvenzzahlen in den nächsten Quartalen weiter treiben.“

Für die zweite Jahreshälfte erwartet Falkensteg weiterhin unterschiedliche Entwicklungen in den Segmenten. Während der Bereich „Bau von Gebäuden“ nur moderat wachsen dürfte, rechnet das Unternehmen im Segment „Gebäude“ mit einem weiteren Anstieg der Insolvenzen um rund 15 Prozent. „Wer auf eine rasche Trendwende hofft, dürfte enttäuscht werden“, so Alpers.

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zuletzt editiert am 28. Mai 2026
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