Rote Würfel mit Prozentzeichen
Die Erhöhung des Leitzinses lässt viele Finanzierungswünsche dahinpurzeln. (Quelle: Oleksii Glushenkov / istockphoto.com)

Finanzierung

27. October 2022 | Teilen auf:

Erhöhung des Leitzinses lässt Kaufbudgets für Immobilien schrumpfen

Die EZB hat den Leitzins auf 2,0 Prozent angehoben. Rechenbeispiele zeigen die Folgen für Immobilienkäufer.

Welche Folgen die Erhöhung des Leitzinses auf Immobilienkäufer hat, rechnet das Portal Immowelt vor. Die Darlehenssumme für einen Haushalt mit durchschnittlichem Einkommen im Vergleich zum ersten Quartal 2022 um bis zu 109.000 Euro gesunken ist, sofern die Wohnkostenbelastung unter der Marke von 30 Prozent im Verhältnis zum Einkommen liegen soll.

Am stärksten sind die Einbußen demnach in Stuttgart: Eine Familie muss ihr Budget um 109.000 Euro reduzieren, um die 30-Prozent-Marke nicht zu überschreiten. Statt einem Kredit in Höhe von 431.000 Euro im ersten Quartal sind durch die gestiegenen Zinsen bei einer noch akzeptablen finanziellen Belastung im dritten Quartal nur noch 322.000 Euro machbar. In München schrumpfte das Budget um 108.000 Euro auf 318.000 Euro zusammen, in Frankfurt um 106.000 Euro auf 314.000 Euro.

Generell verzeichnen alle 14 Städten deutliche Einbußen bei der Leistbarkeit von Immobilien. 81.000 Euro Differenz in Leipzig ist der geringste Wert. In der sächsischen Großstadt kann ein durchschnittlicher Haushalt derzeit nur noch 240.000 Euro finanzieren.

Angesichts der wirtschaftlichen Lage und in Erwartung einer Anhebung des Leitzinses erhöhten sich die Bauzinsen bereits seit Anfang des Jahres. Während der marktübliche Zinssatz für eine 90-Prozent-Finanzierung Anfang des Jahres noch bei 1,3 Prozent lag, befand er sich im dritten Quartal bereits bei rund 3,5 Prozent. Tendenz steigend: Derzeit befindet sich der Wert schon bei etwa vier Prozent, so Immowelt.

„Das zerschießt viele Projekt- und Investitionskalkulationen"

Timo Wagner, Debt Advisory JLL Germany, umreißt die Folgen für die professionelle Immobilienbranche: „Die Märkte hatten diesen Zinsschritt bereits im Vorfeld eingepreist. Damit verteuern sich die Konditionen für gewerbliche Immobilienfinanzierungen nachhaltig. Viele Kreditnehmer müssen fällige Kreditlinien zu deutlich höheren Zinsen refinanzieren. Das zerschießt viele Projekt- und Investitionskalkulationen. Es ist mit einer Verzögerung bei den Kreditrückführungen zu rechnen.“

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zuletzt editiert am 17.11.2022