Nikolas Samios
Nikolas Samios ist Managing Partner von PropTech1 Ventures, ein branchenspezifischer Venture-Capital-Fonds, der in europäische Proptech-Start-ups investiert. (Quelle: PropTech1)

Unternehmen & Köpfe

18. January 2023 | Teilen auf:

"Ein kleiner 'Hallo-Wach-Moment' tut der Branche gar nicht so schlecht"

Nikolas Samios hat Venture Capital in der immobilienwirtschaftliche PropTech Szene etabliert. Der mittlerweile zweite Fonds hat nun die erste Closingphase abgeschlossen. Wir sprachen mit Nikolas Samios. 

Wie war das Feedback auf den neuen Fonds?

Nikolas Samios: Aus unserer Sicht ist das Feedback sehr gut ausgefallen. Wir konnten in deutlich geringerer Zeit als bei Fonds I die ca. dreifache Zeichnungssumme für ein First Closing erreichen, auch circa 50 Prozent über dem notwendigen Schwellwert für dieses Closing. Das ist uns auch vor dem Hintergrund der Ende 2022 ja durchaus anspruchsvollen Marktstimmung gelungen. Ebenfalls hat es uns sehr gefreut, dass neben zahlreichen bestehenden Investoren aus Fonds I viele prominente neue Investoren, teilweise auch aus neuen Ländern, dabei sind. Wir musst diesmal auch merklich weniger Basiserläuterung geben, was PropTech beziehungsweise ConstructionTech überhaupt ist, warum es Sinn ergibt, in diese Bereiche systematisch zu investieren, oder wer wir überhaupt sind. Da hat sich der Markt und auch unsere Bekanntheit in den letzten Jahren gut weiterentwickelt. 

Ändert sich was beim Investmentfokus?

Nikolas Samios: Fonds II folgt grundsätzlich dem erprobten Konzept des PT1 Fonds I, ist lediglich doppelt so groß angelegt und kann ungefähr die gleiche Anzahl an Startups etwas länger und intensiver über ihren Lebenszyklus begleiten. Teil unserer Methodik ist es, laufend die wichtigsten Transformations-Trends zu identifizieren. Das gelingt uns immer besser über unsere umfassenden Datenquellen, Venture Partner, Gesellschafter aus der Immobilienbranche, den zahlreichen Verbänden und Beiräten, in denenen wir aktiv sind, und natürlich dem wachsenden Beteiligungsportfolio.

Das führt sicherlich derzeit dazu, dass Themen zur grünen Transformation in Fonds II noch ein größeres Gewicht haben werden als bei Fonds I, jedoch sind wir eben nicht "just another CleanTech-Fonds“, sondern bleiben dem Ansatz treu, möglichst der führende Experte für die Venture-Capital-Frühphase rund um alle Themen zu sein, die auf die Immobilienwirtschaft einwirken. Sprich: auch die derzeit wegen Kosten, Margen und Effizienzdruck noch wichtiger gewordene Basisdigitalisierung aller Prozesse steht auf der Agenda, genauso wie Technologien, die neue Nutzungsformen - man denke an die post-Covid-Bürowelt - ermöglichen.

Gibt es schon konkrete Zielinvestitionen?

Nikolas Samios: Nein, konzeptgemäß investiert immer nur ein Fonds einer Reihe in neue Unternehmen, um mögliche Konflikte kategorisch auszuschließen. Entsprechend haben wir Anfang Januar die Erstinvestitionsphase des Fonds I mit 16 Portfoliopositionen und einem Temsheet für eine mögliche letzte Neuinvestition beendet. Fonds II ist jetzt seit wenigen Tage "live" und übernimmt den gut gefüllten Dealflow-Funnel exklusiv, bei dem wir monatlich derzeit circa 150 neue Startups aus unserem Anlageuniversum hinzufügen. Die ersten Investments werden also nicht lange auf sich warten lassen.

Die Branche steht vor einem neuen Konjunkturzyklus. Welche Auswirkungen erwarten Sie für die PropTech-Branche?

Nikolas Samios: Panik ist natürlich nie gut, aber ein kleiner „Hallo-Wach-Moment" tut der Branche gar nicht so schlecht: Die Zeiten, in denen die Immobilienwirtschaft ihr Geschäft einfach "so wie immer" erfolgreich führen kann, ist wohl erst einmal vorbei.

Und das zwingt jetzt eben auch konservative Entscheider - endlich - die Prozess- und Geschäftsmodelle auf Vordermann zu bringen, also digitaler, effizienter, nachhaltiger zu werden. Und das spielt direkt der PropTech/ConTech-Szene in die Karten. 

Können Sie etwas zum Erfolg des ersten Fonds sagen?

Nikolas Samios: Seriös ist das wenige Jahre nach dem Start nur bedingt möglich, denn wir halten Start-up-Beteiligungen in der Regel über fünf bis sieben Jahre - abgerechnet wird erst am Schluss. Jedoch sehen wir natürlich schon vorher, wie sich unsere Investments entwickeln, zum Beispiel in Bezug auf Kennzahlen wie Umsatz, Kunden, EBIT etc. oder auch durch neue, fremdobjektivierte Finanzierungsrunden, in denen also ein Investor nach uns einen höheren Preis für die gleichen Anteile gezahlt hat. Und diese frühe Entwicklung ist wohl ausreichend attraktiv für die Investoren gewesen, die jetzt einen Anteil an Fonds II gezeichnet haben, teilweise ja auch zum wiederholten Male. 

Wenn wir uns ein bisschen aus dem Fenster lehnen, würden wir uns auch durchaus zutrauen zu sagen, dass wir im Portfolio von Fonds I vier Unicorn-Kandidaten, also Unternehmen mit dem Potential einer Firmenbewertung von einer Milliarde Euro, und eine ganze Menge an weiteren spannenden Unternehmen haben, die durch starkes Year-on-Year-Wachstum erfolgsversprechend sind. Aber natürlich gehört bei Venture Capital - das steckt ja schon im Namen - auch Risiko bis hin zum Totalausfall einer Position. Dies ist zwar Stand heute im Portfolio noch nicht erfolgt, aber ist nur eine Frage der Zeit. Am Schluss muss die Rendite unterm Strich attraktiv sein und zusätzlich müssen unsere Investoren auch noch einen inhaltlichen, strategischen Mehrwert für ihre eigene Transformation mitgenommen haben. Bisher können wir diese Aussicht wohl ganz gut vermitteln.

Sie planen bis zu 100 Millionen Euro Zielgröße des Fonds. Wie sieht der weitere Fahrplan aus?

Nikolas Samios: Da das First Closing ja schon deutlich höher als notwendig ausgefallen ist und wir auch schon über eine sehr spannende Pipeline an weiteren Interessenten verfügen, wird es sicher nicht lange dauern, bis wir ein weiteres Closing vermelden können und das machen wir eben, bis die 100 Millionen Euro erreicht sind. Es geht jetzt im zweiten Teil des Fundraising vor allem auch darum, weitere inhaltliche spannende Gesellschafter aufzunehmen, denn wir sind nicht nur Sparringspartner für unsere Investoren, sondern lernen durch den bidirektionalen Austausch hier natürlich sehr viel - mit jedem komplementären Fonds-Investor steigt also das kollektive Wissen, der Wert der Plattform, auch für unsere Startups. Und natürlich arbeiten wir parallel nun mit Verve - aber ohne uns selber unter ungesunden Anlagedruck zu setzen - an den ersten spannenden Investments.

Das Gespräch führte André Eberhard.

zuletzt editiert am 18.01.2023