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Immer mehr Prozesse in Planung, Errichtung und Betrieb können remote erledigt werden. (Bild: PVMS/Unsplash)

Digitalisierung

02. December 2020 | Teilen auf:

Digitalisierung: Zukunft für den Bausektor

Die Digitalisierungspotenziale im deutschen Bausektor sind noch lange nicht ausgeschöpft. Gastautor Ibrahim Imam, Co-CEO von Planradar, zeigt die Vorteile digitaler Lösungen für die Baustelle.

Die Corona-Pandemie hat Gesellschaft, Wirtschaft und Politik fest im Griff und auch das Baugewerbe spürt die Auswirkungen. In der Krise stecken aber auch Chancen. So zeigt die Pandemie derzeit sehr deutlich, wie wichtig die Digitalisierung für den deutschen Bausektor ist und welche Möglichkeiten sie ihm zugleich bietet. Noch sind in der Baubranche längst nicht alle Digitalisierungspotenziale ausgeschöpft, um die sich daraus ergebenden Chancen von Produktivitäts- und Qualitätszuwächsen zu verwirklichen. Dabei stehen Technologien wie BIM längst bereit, um Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Immobilien zu erleichtern und zu verbessern. Jetzt und in Zukunft gilt es, diese Potenziale auch tatsächlich zu nutzen.

Baustellen-Kommunikation mittels App

Die Vorteile von digitalen Tools auf der Baustelle sind vielfältig. Sie werden derzeit umso deutlicher, denn der aktuell durch die Pandemie verursachte eingeschränkte persönliche Kontakt zwischen Projektbeteiligten stellt viele Bau- und Immobilienunternehmen vor bisher nicht gekannte Probleme. Die Digitalisierung wirkt in diesen Zeiten wie eine Brücke, die zumindest strategisch wichtige Prozesse auch dann aufrechterhalten kann, wenn eine Präsenz vor Ort nicht möglich ist.
Um alle Prozesse auch fernab der Baustelle im Blick zu haben, ist eine einfache, schnelle und zuverlässige Kommunikation mit allen Projektbeteiligten eine wichtige Basis. Einheitliche Kommunikationsregeln, die für alle Teammitglieder, Subunternehmer und andere Projektteilnehmer gelten, gewährleisten hierbei einen reibungslosen Informationsaustausch auch ohne den direkten Kontakt vor Ort halten zu müssen. Darüber hinaus ist eine lückenlose Dokumentation das wichtigste Werkzeug bei der Remote-Verwaltung von Baustellen.

Das sind die Vorteile digitaler Lösungen für die Baustelle:

  • Durchgängiger Datenfluss: Insbesondere bei der Planung und Dokumentation des Baustellenbetriebs sorgt ein durchgängiger Datenfluss für deutliche Effizienzvorteile. Während die Gewerke mit ihrer Arbeit zweifellos an die Baustelle gebunden sind, können administrative und repetitive Aufgaben von leitenden Positionen bereits digital und in Echtzeit fernab der Baustelle mittels digitalem Bautagebuch erfolgen. Hierfür lassen sich in speziell zur digitalen Kommunikation entwickelten Tools für die Dokumentation in Bau- und Immobilienprojekten alle relevanten digitalen Pläne zum Projekt einbinden. Auf Basis dieser digitalen Pläne können online wie offline alle Arbeitsprozesse und Workflows zur Aufnahme von Mängeln, zur Baudokumentation und Leistungserststellung unter Einbindung aller am Projekt beteiligten Akteure erfasst und dokumentiert werden. Bauleiter, Generalplaner oder Bauherrenvertreter sind somit immer auf dem aktuellen Stand und sogar die offizielle Abnahme von Reportings oder Bauständen kann mittels App erfolgen – alles fernab der Baustelle.
  • Steigerung von Transparenz und Effizienz: Werden Informationen digital erfasst, profitieren die Projektbeteiligten davon auf verschiedene Weise. Durch eine strukturierte Datenerfassung herrschen beim gesamten Projekt einheitliche Standards, die eine einfache Verarbeitung und Auswertung ermöglichen. Die Digitalisierung am Bau sorgt auch für mehr Transparenz. Wenn klar ersichtlich ist, wer welche Leistung erbracht hat, und wenn sich Sachverhalte eindeutig nachvollziehbar sindn lassen sich potenzielle Konflikte häufig schon in ihrer Entstehungsphase lösen. Eine vielversprechende Neuheit am Bau ist BIM. Bislang kam die Technologie vor allem in der Planung zum Einsatz. Am Bau ermöglicht sie nun die exakte Verortung von Mängeln, Leistungen und anderen Informationen in Gebäudemodellen. Mittlerweile können digitale Lösungen BIM-Modelle nach neuesten Datenstandards auch mobil am Bau in 3D visualisieren. Das ermöglicht es Fachteams ortunabhängig und in Echtzeit auf den vollständigen aktuellen Stand zuzugreifen und die damit verbundenen Projektinformationen abzurufen. Der Effekt ist eine höhere Ausführungs-Qualität und Effizienz.
  • Offene Datenstandards und intuitive Navigation: Wichtig ist, dass alle am Bau verwendeten Softwarelösungen auch für Laien einfach nutzbar sind. Nur so ist garantiert, dass Daten von unterwegs oder von der Baustelle aus über eine intuitive Navigation leicht und schnell eingegeben und verarbeitet werden. Dabei helfen auch offene Datenstandards wie zum Beispiel BCF- und iFC-Standards bei BIM-Modellen. Diese Standards stellen sicher, dass die zwischen den Projektbeteiligten ausgetauschten Informationen von den eingesetzten Softwarelösungen korrekt interpretiert werden.
Ibrahim Imam (Bild: Planradar)

Gerade jetzt in der Pandemie zeigt sich, wie wichtig die Möglichkeit eines ortsunabhängigen Arbeitens ist. Mit Blick auf das Bau- und Immobiliengewerbe können in Zukunft immer mehr Prozesse in Planung, Errichtung und Betrieb remote erledigt werden.

Ibrahim Imam ist Co-CEO von Planradar.