Porträtfoto von Dr. Jan Wurm von Arup (Quelle: Michel Buchmann)
Dr. Jan Wurm, Leiter Research & Innovation Europe bei Arup (Quelle: Michel Buchmann)

Nachhaltigkeit & ESG

13. December 2021 | Teilen auf:

„Die Transformation der Immobilienwirtschaft beschleunigen“

Mit dem Green Deal und dem Circular Economy Action Plan hat die EU die Weichen in Richtung Kreislaufwirtschaft gestellt – und die Immobilienwirtschaft damit unter Zugzwang gesetzt. War bis vor Kurzem die Energieeffizienz das Maß aller Dinge, so rückt nun die Materialeffizienz stärker in den Fokus. Im Interview erläutert Dr.-Ing. Jan Wurm, Leiter Research & Innovation Europe bei Arup, warum an biobasierten Materialien kein Weg vorbeiführt, wieso Start-ups Treiber der Ressourcenwende sind und wie die Immobilienbranche von ihren Ideen profitieren kann. Ein Beitrag aus der neuen Printausgabe von immobilienmanager.

Herr Dr. Wurm, warum werden bei der Nachhaltigkeitsbewertung von Gebäuden künftig die verbauten Materialien stärker in den Fokus rücken?

Dr. Jan Wurm: Seit 2021 müssen alle Neubauprojekte in der EU als Niedrigstenergiegebäude errichtet werden. Mit einem Gesamtenergiebedarf, der bei fast Null liegt, ist das Energieeinsparpotenzial hier nahezu ausgereizt. Ganz anders sieht es bei den verbauten Materialien aus, in denen sehr viel graue Energie steckt. Graue Energie bezeichnet die kumulierte Primärenergie, die für Rohstoffgewinnung, Herstellung, Transport, Wartung, Abriss und Entsorgung eines Gebäudes aufgewendet werden muss. So hat ein Bürogebäude, das nach den heutigen Standards für energieeffizientes Bauen geplant wird, über den gesamten Lebenszyklus betrachtet rund 50 Prozent graue Energie im Gepäck. Diese Zahl zeigt, dass ein Wandel vom ressourcenintensiven zum regenerativen Bauen dringend notwendig ist. Statt wie bisher in kurzfristigen Renditen muss in Zukunft viel stärker in langfristigen ökologischen und ökonomischen Mehrwerten gedacht werden.

Werden biobasierte Materialien klassische Baustoffe wie Beton perspektivisch ersetzen?

Dr. Jan Wurm: Ganz ohne klassische Baustoffe wird es auch in Zukunft nicht gehen. Allerdings werden sie sich in Richtung Kreislauffähigkeit verändern, sodass ein sortenreiner Rückbau möglich ist – und sie werden Konkurrenz von biobasierten Materialien erhalten. Die Weichen für die graue Energie eines Gebäudes werden bereits im architektonischen Entwurf gestellt. Mit kreislauffähigen Materialien...

Weiterlesen mit einem immobilienmanager Magazin Abo.

Unser digitales Abonnement bietet Ihnen Zugang zu allen exklusiven Artikeln auf immobilienmanager.de.
Sie sind bereits Abonnent? Hier einloggen

Wenn Sie bereits Abonnent der Print-Ausgabe sind, können Sie das immobilienmanager Magazin Digital-Abo hier hinzubuchen.

Sie sind bereits Abonnent? Hier einloggen

Sie haben Ihre Zugangsdaten vergessen? Hier Zugangsdaten anfordern.

zuletzt editiert am 13.12.2021