Der Krieg in der Ukraine, eine galoppierende Inflation, steigende Zinsen – die Rahmenbedingungen für den Immobilienmarkt sind alles andere als rosig. Hinzu kommen steigende Baukosten, stagnierende Spitzenmieten und rückläufige Renditen. Obendrein macht auch die Politik Druck auf Investoren – sowohl die EU als auch die deutsche Bundesregierung beschließen immer strengere ESG-Regularien und energetische Maßnahmen.
Vor diesem Hintergrund ist klar: Altbewährtes funktioniert nicht mehr, Unternehmen müssen sich neu aufstellen und neue Konzepte entwickeln, um auch zukünftig wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Immobilienwirtschaft bildet da keine Ausnahme. Gerade dort gilt: Das beliebte Prinzip der kostengünstigen Arbeitsteilung ist nicht mehr tragfähig.
Was jahrelang aufgrund rasanter Preissteigerungen gut funktioniert hat, birgt heute das Risiko von Abstimmungs- und Schnittstellenproblemen. Das Rollen-Wirrwarr von Investment-, Asset-, Portfolio- und Property-Managern sowie von zahllosen Dienstleistern, Baufirmen und Sub-Subunternehmen droht, mit Blick auf die Erarbeitung und Umsetzung einer ESG-Strategie zu Effizienzverlusten und Frustration bei Investoren zu führen. Im schlimmsten Fall werden Vorgaben gar nicht umgesetzt, sodass Immobilien nicht nur stranden, sondern ihre Wettbewerbsfähigkeit komplett verlieren.
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Für viele Asset-Manager mag dies zunächst eine schwierige Umstellung sein. Anders als bisher, müssen wieder verstärkt eigene Kompetenzen aufgebaut und unter dem eigenen Dach gebündelt werden. Vorbei ist die Zeit, in der Leistungen und Umsetzungsstrategien einfach an externe Dienstleister ausgelagert werden konnten. Durch den Aufbau eigener Kapazitäten – sei es über Mitarbeiter oder feste Dienstleister – müssen Leistungen zukünftig günstiger und enger an den Kundenbedürfnissen orientiert angeboten werden.

Der Wandel vom Spezialisten zum Plattformanbieter bietet neben den zugegebenermaßen zahlreichen Herausforderungen aber auch Chancen. Insbesondere ESG-Management-Expertise ist bei Investoren gefragt – ohne kompetenten Partner ist die Entwicklung eines ESG-konformen Portfolios kaum zu stemmen. Als One-Stop-Shop kann der Asset-Manager der Zukunft durch eine Überwindung der Trennung von Investment und Verwaltung ESG-Vorgaben effizient und wirtschaftlich sinnvoll umsetzen.
Vor allem Softwarefirmen haben gezeigt, wie es gehen kann: Plattformen wie Microsoft Office bieten dem Nutzer die Möglichkeit, flexibel bestimmte Leistungen hinzuzubuchen, um seine derzeitigen Bedürfnisse zu erfüllen. Egal ob nur Hausmeisterleistungen, das gesamte Management einer Immobilie von Ankauf bis zum Exit oder die Erarbeitung und Umsetzung einer ESG-Strategie in einem kompletten Investmentportfolio – mithilfe eines modularen Dienstleistungskatalogs können Asset-Manager dies abbilden.
Das alles ist natürlich leichter gesagt als getan – anhaltender Personalmangel, fehlende Flexibilität beim Angebot von Leistungen oder schlicht die fehlende Schnittstellenfähigkeit, in der Praxis wird eine Umsetzung der Theorie von vielen Herausforderungen erschwert. Dennoch sollten Asset-Manager lieber heute als morgen anfangen, sich zukunftsfest aufzustellen, um Portfolios in Richtung ESG-Konformität zu bringen.
Autor: John Bothe, Gründer und Geschäftsführer der Silberlake Real Estate Group