Tobias Schultheiß FRICS SIOR leitet zusammen mit Professor Dr. Carsten Lausberg die Kompetenzgruppe Immobilien-Risikomanagement bei der GIF und ist Managing Partner von Blackbird Real Estate.
Risikomanagement ist ein weites Feld. Womit genau befasst sich Ihre Kompetenzgruppe?
Tobias Schultheiß: Da muss ich ein bisschen weiter ausholen. Die Kompetenzgruppe wurde 2001 von Jürgen Ehrlich aus der Taufe gehoben. Wir überlegten, welche Risiken es im Immobilien-Lebenszyklus gibt: beim Grundstückserwerb, beim Bau, bei der Finanzierung, der Bewirtschaftung oder auch dem Verkauf. Diese Arbeit mündete in der „GIF-Empfehlung zur Analyse von Immobilienrisiken“, die 2001 erschien. Inzwischen ist einige Zeit vergangen und wir sind aktuell damit befasst, diese Empfehlung sowie das Arbeitspapier „Implementierung Immobilien-Risikomanagement“ zu überarbeiten.
Neue Serie – Wer setzt die Standards?
Leitlinien und Standards schaffen Klarheit und Verbindlichkeit. Eine Institution, die sich dafür einsetzt, ist die Gesellschaft für immobilienwirtschaftliche Forschung (GIF). Wer sind die Menschen, die sich dort engagieren? Und warum tun sie das? In einer neuen Serie stellen wir die Leitungen verschiedener GIF-Kompetenzgruppen vor.
Wie kamen Sie dann zur Leitung der Gruppe?
Tobias Schultheiß: Ich hatte 2017 die „Empfehlung“ wieder zur Hand genommen und festgestellt, dass sie meine Fragen nicht befriedigend beantwortet. Die Gruppe ruhte damals aber. Also wurde ich vom GIF-Vorstand gefragt, ob ich nicht zusammen mit Professor Dr. Carsten Lausberg die Leitung übernehmen wollte. Er als Wissenschaftler und ich als Transaktionsberater von der Marktseite her.
Was haben Sie sich vorgenommen?
Tobias Schultheiß: Unsere Idee war, einen Leitfaden zu Risikokennzahlen zu erstellen. Dieser Katalog erschien dann im Sommer 2020. Dort werden die Kennzahlen als Formel dargestellt und textlich erläutert, was aus ihnen abzuleiten ist. Ein Mitstreiter hat den Katalog nun auch ins Englische übersetzt.
Was sind Ihre nächsten Schritte?
Tobias Schultheiß: Wir haben mehrere Projekte. Zum einen wollen wir das Basiswerk weiter ausbauen. Denn jede Nutzungsart hat ihre spezifischen Kennzahlen. Zum anderen wollen wir die „Empfehlung zur Analyse“ überarbeiten, denn früher hatten beispielsweise die Themen Klimaschutz und ESG noch nicht denselben Stellenwert wie heute. Außerdem wollen wir auch den „Leitfaden zur Implementierung von Immobilien-Risikomanagementsystemen“ überarbeiten.
Soll daraus auch ein Standard werden?
Tobias Schultheiß: Wir sehen diese Publikationen in erster Linie als Arbeitshilfen. Wenn wir erreichen, die Unternehmen für das Thema Risiko zu sensibilisieren und die eigenen Systeme umzustellen, haben wir schon viel geschafft.
Arbeiten Sie auch mit anderen Kompetenzgruppen zusammen?
Tobias Schultheiß: Aktuell arbeiten wir mit der Gruppe Human Resources an der Definition des Berufsbilds Immobilien-Risikomanager. Welche Anforderungen gibt es an Kandidaten? Welche Aufgaben haben sie? Zurzeit ist dies ein Teil des Projekt-Controllings, aber kein selbstständiges Berufsbild.
Was motiviert Sie, sich bei der GIF zu engagieren?
Tobias Schultheiß: Aus anderen Branchen weiß ich, wie dort mit dem Thema Risiko umgegangen wird. Davon kann die Immobilienbranche lernen. Als Makler hat man eher eine rosa Brille auf, aber die Kaufinteressenten blicken durch Weißglas und fragen nach den Risiken. Daher ist es wichtig, diese rechtzeitig zu ermitteln und beispielsweise nicht erst bei der Begehung einer Immobilie mit dem potenziellen Käufer festzustellen, dass im Dach Asbest verbaut wurde.
Ich habe auch ein persönliches Interesse daran mich weiterzubilden, schließlich habe ich mich als RICS-Mitglied zum lebenslangen Lernen verpflichtet. Und natürlich habe ich auch etwas davon, wenn ich mich als Transaktionsberater positionieren kann, der über den Tellerrand hinausblickt.
Das Gespräch führte Roswitha Loibl.
