Ein Arbeiter mit Schutzhelm geht über das Dach eines IKEA-Gebäudes.
Dachsanierung im laufenden Betrieb - Digitalisierung sei Dank (Quelle: Planradar)

Projekte 2026-04-13T14:50:26.026Z Die Baustelle überm Kopf

Dachsanierung im laufenden Betrieb: Bei IKEA in Vösendorf zeigt digitale Baudokumentation, wie Bauprozesse radikal beschleunigt werden.

Im stark frequentierten Einrichtungshaus von IKEA im niederösterreichischen Vösendorf lief der Betrieb weiter, während über den Köpfen der Besucher gebaut wurde.

Über Monate hinweg wurden Dachflächen saniert und raumlufttechnische Anlagen erneuert. Eine Schließung des Standorts stand nie zur Debatte. Entsprechend hoch waren die Anforderungen an Planung und Kontrolle.

Die örtliche Bauaufsicht übernahm Baumanagement Chmelar. Auf rund 22.000 Quadratmetern galt es, sämtliche Maßnahmen lückenlos zu dokumentieren ohne den Betrieb zu stören.

15 Minuten statt 3 Stunden

Der Schlüssel lag in der Digitalisierung. Zum Einsatz kamen die Plattform PlanRadar und die 360-Grad-Lösung SiteView.

Während einer normalen Begehung erfasste eine Helmkamera automatisch alle relevanten Bereiche. Die Bilder wurden direkt im digitalen Plan verortet.

Der Effekt: Der Zeitaufwand pro Begehung sank von bis zu drei Stunden auf etwa 15 Minuten. Eine Effizienzsteigerung von rund 91 Prozent.

Orientierung auf einem Dach wie aus dem Baukasten

Die Arbeiten umfassten weit mehr als nur die Dachhaut. Neben der Sanierung der Folie wurden Lichtkuppeln ersetzt, Photovoltaik installiert und Anpassungen an der Gebäudekühlung vorgenommen.

Die größte Herausforderung: die Gleichförmigkeit der Dachflächen. Viele Anlagen sehen identisch aus, klassische Fotos liefern oft keine eindeutige Zuordnung.

Hier setzte die Technologie an. Mithilfe von SLAM-Verfahren (Simultaneous Localization and Mapping) wurden alle Aufnahmen automatisch im Raum verankert. Schäden und Auffälligkeiten ließen sich exakt lokalisieren – auf dem Dach und im Gebäudeinneren.

Schneller entscheiden, besser abstimmen

Die digitale Dokumentation verband Bilder, Mängel und Kommentare direkt im Plan. So entstand eine durchgängige Projekthistorie.

Für die Beteiligten bedeutete das vor allem eines: weniger Abstimmungsaufwand. Informationen waren jederzeit verfügbar, Entscheidungen konnten schneller getroffen werden.

Sturm-Test bestanden

Wie belastbar das System ist, zeigte ein Sturmereignis. Rund 150 Wassereintrittsstellen mussten kurzfristig identifiziert werden.

Dank der präzisen Dokumentation konnten alle betroffenen Bereiche schnell lokalisiert und behoben werden – ohne den Betrieb einzuschränken.

Daten für den Betrieb von morgen

Mit Abschluss der Arbeiten erhielt der Bauherr eine vollständige digitale Bestandsdokumentation. Sie zeigt, was wo verbaut wurde – und bildet die Grundlage für künftiges Facility Management.

Digitalisierung wird zum Faktor im Handel

Das Projekt in Vösendorf zeigt, wie digitale Werkzeuge die Bauaufsicht verändern. Prozesse werden schneller, transparenter und belastbarer.

Gerade im Handelsimmobilienbereich, wo jeder Ausfall Umsatz kostet, gewinnt diese Entwicklung an Bedeutung.

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zuletzt editiert am 13. April 2026