Innogy-Campus-Essen
Spatenstich für den Innogy Campus wird im Jahr 2018 sein, ein erster Bauabschnitt soll Ende des Jahres 2020 fertiggestellt werden, die weiteren Gebäude bis Mitte 2024 (Foto: Kölbl Kruse)

Standorte & Märkte 2017-09-26T00:00:00Z Die Auferstehung hoher Türme

Auch wenn die richtig großen Deals auf dem Essener Büromarkt 2016 fehlten, und das Ergebnis bei weitem nicht ans Rekordjahr 2015 heranreicht, schaut man in der Ruhrmetropole optimistisch in die Zukunft. 2017 scheint ein gutes Jahr zu werden.

Wer in diesen Wochen den Innenhof der Konzernzentrale von Thyssenkrupp besucht, reibt sich verwundert die Augen. Das dortige Wasserbecken hat sich in ein gigantisches Gemüsefeld verwandelt. Statt kühlem Nass sprießen Salbei, Möhren und Kartoffeln. Essen, die ehemalige Stahl- und Bergbaustadt, ist in diesem Jahr Grüne Hauptstadt Europas, die Pflanzaktion ein Teil davon. „Es gibt keinen besseren Ort, um die Grüne Hauptstadt zu erklären“, sagt Projektleiterin und Umweltdezernentin Simone Raskob.

Jahrzehnte war das 230 Hektar große Areal für die Essener tabu. Mit dem Bau des neuen Thyssenkrupp-Quartiers änderte sich das schlagartig. „In den vergangenen Jahren hat ein Umwandlungs- und Erneuerungsprozess von grau zu grün stattgefunden, der mit zum Titel Grüne Hauptstadt, der von der EU vergeben wird, beigetragen hat“, erklärt Raskob. Eon, RWE, Thyssenkrupp, Aldi Nord, Hochtief, Schenker, Evonik und nun auch Brenntag – das sind die Global Player, die in Essen ihre Zentralen haben. Doch es sind auch viele kleine Unternehmen, die in der Stadt ihre Zelte aufschlagen. „Essen ist der Schreibtisch des Ruhrgebiets“, erklärt Claudia Peters, Kommunikationschefin der Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft EWG. Von den knapp 240.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten 85,9 Prozent im Dienstleistungssektor.

138 Abschlüsse haben die Maklerhäuser im vergangen Jahr auf dem Büro-Vermietungsmarkt gezählt – ein Plus von 15 Prozent gegenüber 2015. Durch fehlende Großabschlüsse sank der Umsatz allerdings von 139.100 auf 95.000 Quadratmeter. Lediglich die Noweda eG überschritt die 5.000er- Marke. Der Pharma-Großhändler erweitert seinen Stammsitz um 7.500 Quadratmeter. 4.500 Quadratmeter sicherte sich die RAG AG in einem CO2-neutralen Green-Building-Neubau auf dem Kokerei-Areal des Weltkulturerbes Zollverein.

Gefragt sind vor allem die Bereiche Innenstadt/Südviertel mit einem Anteil von knapp 30.000 Quadratmetern oder 31,2 Prozent sowie Rüttenscheid/Bredeney, die 23.100 Quadratmeter oder einen Anteil von 24,3 Prozent ausmachen. Beachtlich aber auch die „sonstigen Lagen“, die mit 35,6 Prozent oder knapp 34.000 Quadratmetern zu Buche schlagen.

Nach dem etwas verhaltenen Jahr 2016 stimmt das erste Halbjahr 2017 optimistisch. „Mit rund 55.000 Quadratmetern vermieteter Bürofläche ist das Vorjahresresultat um 42 Prozent übertroffen worden“, erklärt Amedeo Augenbroe, Niederlassungsleiter von BNP Paribas Real Estate. Positiv auch die Mietentwicklung. Die Spitzenmiete sei im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent auf 15 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Die Nachricht von mehreren Großvermietungen ließ die Prognosen für 2017 hochschnellen. „Das Gesamtergebnis dürfte am Jahresende über der 100.000-Quadratmeter-Schwelle liegen“, so Augenbroe.

Einer der großen Deals wurde Anfang April bekannt: Thyssenkrupp mietete eine Fläche von 12.200 Quadratmetern im Evonik-Quartier an der Rellinghauser Straße an. Der markante Komplex besteht aus sechs Gebäuden mit bis zu 21 Stockwerken. Während Evonik die Häuser Fünf bis Elf nutzt, wird Thyssenkrupp die Gebäude Eins bis Drei beziehen. Der gesamte Komplex befindet sich im Besitz von Union Investment.

Die nächste gute Nachricht kam Anfang August. Da teilte der US-Konzern Facebook mit, in Essen ein „Löschzentrum“ einrichten zu wollen. Vermutlich ab Anfang 2018 sollen rund 500 mehrsprachige Mitarbeiter das soziale Netzwerk nach Hasskommentaren, verbotenen Pornoinhalten oder Gewaltszenen durchforsten und sie löschen. Für den Betrieb ist Call-Center-Betreiber CCC ausgeguckt. Die neuen Mitarbeiter werden auf 10.000 Quadratmetern im Westviertel sitzen.

Perle mit neuem Glanz
Frisch saniert ist der City Tower, das ehemalige Iduna-Hochhaus am Limbecker Platz in der Innenstadt. Auf ihn hat die städtische Wirtschaftsförderung ein Auge geworfen. Nicht nur das Iduna-Hochhaus erfreut sich nach der Runderneuerung großer Beliebtheit. Auch das Allbau Haus am Kennedyplatz 5, eine Perle aus den 1950er-Jahren, hat sich neu erfunden. Nachdem die Düsseldorfer RMA Real Estate Management Assistance das Gebäude für mehrere Millionen Euro gekauft hatte, steht es nun neuen Mietern mit neuer Fassade und unter dem Namen „Westseit 5“ offen. Etliche Nutzer wie das Jugendamt der Stadt sind geblieben.

Ein umfassendes Refurbishment erlebt derzeit auch der Fakt-Tower, das ehemalige Thyssen-Haus. Nach dem Auszug von Thyssenkrupp wurde der knapp 77 Meter hohe Stahlskelett- Bau 2015 von der Fakt-Gruppe gekauft. Bei der Sanierung standen der Denkmalschutz und die Verbesserung der Energieeffizienz im Mittelpunkt. Zu den Mietern gehören die Deutsche Bank und die Hays AG aus Mannheim.

13 Monate nach Grundsteinlegung steht ein anderes Gebäude kurz vor der Fertigstellung: Das neue Europa-Center an der Friedrichstraße mit 17.400 Quadratmetern Bürofläche. 125 Millionen Euro hat Investor Uwe Suhr aus Eigenmitteln zur Verfügung gestellt. Hauptmieter ist der IT-Dienstleister Bitmarck, der seine 150 Mitarbeiter künftig an einem Standort vereinen wird.

Für Aufsehen dürfte in den kommenden Jahren ein anderer Bau sorgen. An der Huyssenallee, in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof, entsteht auf einer Fläche von 31.000 Quadratmetern im ersten Bauabschnitt der neue Firmensitz der Innogy SE. Vermieter und Entwickler des Gebäudes mit 18.000 Quadratmetern Mietfläche ist das Essener Immobilienunternehmen Kölbl Kruse, den Architekten-Wettbewerb gewann das Hamburger Büro BAID. Innogy-Vorstandsvorsitzender Peter Terium: „Unser neuer Campus wird innovativ, kreativ und grün sein.“ Mal sehen, ob auch hier ein Plätzchen fürs Urban Gardening geschaffen wird.

Autorin: Ines Rakôczy

Präsentiert von Standortpartner Essen

zuletzt editiert am 31. Mai 2021
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