Die DGNB hat ein neues Zertifizierungssystem für Bestandsquartiere entwickelt. Im Fokus stehen Transformation, Klimaschutz und Resilienz.
Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat ein neues Zertifizierungssystem für Bestandsquartiere veröffentlicht. Das Instrument richtet sich an Bestandshalter, Kommunen, Sanierungsträger, Wirtschaftsförderer und Baugenossenschaften. Ziel ist es, den Zustand bestehender Quartiere systematisch zu bewerten und geeignete Transformationsstrategien abzuleiten.
Bislang verfügte die DGNB bereits über ein Zertifizierungssystem für Quartiere. Dieses konzentriert sich jedoch vor allem auf die Entwicklung neuer Stadtquartiere, Businessquartiere, Gewerbegebiete oder Industriestandorte. Für die nachhaltige Weiterentwicklung bestehender Quartiere gab es bislang kein eigenes Instrument.
Fokus auf Transformation statt Neubau
Das neue System versteht sich als Planungs- und Optimierungstool für die Sanierung und Weiterentwicklung bestehender Quartiere. Grundlage ist eine Analyse des Ist-Zustands, auf deren Basis eine Maßnahmenstrategie entwickelt wird. Während die Quartierszertifizierung für Neubauten vor allem auf Effizienzsteigerungen abzielt, stehen bei Bestandsquartieren Erhalt, Weiternutzung und die Bindung grauer Energie im Vordergrund. Zudem sollen bereits einzelne Transformationsschritte sichtbar gemacht und honoriert werden. „Uns geht es bei all dem weniger um die Auszeichnung von Leuchtturm-Projekten als vielmehr um die Transformation in der Breite“, betont Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB.
Der neue Kriterienkatalog entstand im Rahmen eines fast zweijährigen Beteiligungsprozesses mit zahlreichen Workshops. Die Praxistauglichkeit wurde laut DGNB bereits in sieben Pilotprojekten getestet. Im Vergleich zum bestehenden Quartierssystem fällt das neue Zertifizierungssystem deutlich schlanker aus. Es umfasst 15 Kriterien und damit weniger als die Hälfte der Anforderungen der bisherigen Quartierszertifizierung.
Besondere Bedeutung kommt dem Kriterium „Klima und Energie“ zu. Ziel ist es, Quartiere mithilfe individueller CO₂-Reduktionspfade schrittweise in Richtung Klimaneutralität zu entwickeln. Einen Schwerpunkt bilden dabei sogenannte Niedrigst-CO₂-Maßnahmen.
Neben dem Klimaschutz berücksichtigt das System auch die Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Bewertet werden unter anderem die Themen Wasser, Biodiversität sowie Fläche und Boden. Hinzu kommen ökonomische Aspekte wie Klimaanpassung, Umweltrisiken sowie Anpassungsfähigkeit und Flexibilität.
Auch soziale Kriterien fließen in die Bewertung ein. Dazu zählen beispielsweise Vielfalt, Freiraum, Mobilität sowie die Einbindung des Quartiers in sein Umfeld. Darüber hinaus werden Partizipationsprozesse und ein systematisches Quartiersmanagement berücksichtigt.
Förderprogramme als Anknüpfungspunkt
Nach Angaben der DGNB bestehen bereits verschiedene Fördermöglichkeiten, die inhaltliche Überschneidungen mit dem neuen Zertifizierungssystem aufweisen. Dazu zählen etwa das KfW-Programm 432 „Energetische Stadtsanierung“ sowie Programme der Städtebauförderung.
„Wir können nur alle Kommunen und Quartiersentwickler, Bestandshalter und Sanierungsträger einladen, das DGNB System für Bestandsquartiere selbst einmal auszuprobieren“, sagt Lemaitre. „Es hilft gezielt dabei, ungenutzte Potenziale systematisch auszuschöpfen. Je früher im Projektverlauf begonnen wird, sich mit den Kriterien und den dazugehörigen Zielkonflikten auseinanderzusetzen, umso mehr können sie profitieren.“
Die DGNB stellt das neue Zertifizierungssystem am 16. Juli 2026 im Rahmen einer digitalen Informationsveranstaltung vor. Zudem steht der vollständige Kriterienkatalog online kostenlos zum Download bereit.
