Tigerkopf auf Wellensittich
Der Säbelzahntiger kann in anderer Gestalt hinter jeder Ecke lauern, wie André Eberhard in seinem Kommentar unterstreicht. (Quelle: Pixabay/Sarah Richter)

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14. November 2022 | Teilen auf:

Der Säbelzahntiger lauert überall

Warum ist gegenseitiges Vertrauen in Krisenzeiten besonders wichtig? Ein Kommentar von André Eberhard.

Das Gehirn kann sich negative Dinge deutlich besser merken als positive. Es hat über die Jahrtausende gelernt, Einflüsse von außen auf Gefahren zu durchleuchten. Für uns ist unterbewusst das Glas immer halb leer und nicht halb voll. Gelernt haben wir das in der Natur. Der Säbelzahntiger könnte eben hinter jeder Ecke lauern. Und auch heute noch, lauert er, in anderer Gestalt, tendenziell überall; sogar virtuell. Daher ist es gerade in Krisenzeiten, in denen schlechte Nachrichten Konjunktur haben, umso wichtiger, die Abwärtsspirale der Negativität zu durchbrechen, inne zu halten, einander zu vertrauen und sich auf das Wesentliche zu fokussieren.

Egal mit welchen Informationsmedien man sich derzeit umgibt, alle sind sich einig, dass 2023 kein gutes Jahr für die Branche werden wird und es sogar auf unsere Privatleben einen großen Einfluss haben wird. Denn erstmalig geht es an die Grundbedürfnisse von uns allen. Sicherheit bietet vielen derzeit wohl nur ein prall gefülltes Sparbuch, ein guter Draht zu seinem Banker gepaart mit dem Willen zum Sparen. Dem kann sich übrigens keiner entziehen. 2023 könnte bildungstechnischen zumindest ein erfolgreiches Jahr werden, denn spätestens bei der Heizkostenabrechnung 2024 können wir sehen, ob wir wieder Verzicht gelernt haben.

Vom Willen, Dinge zu verändern

Die Aussichten für die kommende Zeit sind wahrlich nicht rosig. Die Inflation könnte dauerhaft bei vier Prozent liegen, die Zinsen zumindest nicht weiter sinken. Von Fachkräftemangel, steigenden Baukosten, verfügbaren Materialien und dem Kampf um Rohstoffe wie Wasser, das hat uns der letzten Sommer gezeigt, ganz zu schweigen. Das alles wird uns vor große gesellschaftliche Herausforderung stellen, die kein Strohfeuer sein werden, denn der Klimawandel ist längst da. Es kann nur noch darum gehen, die Klimafolgen in den Griff zu bekommen.

Dazu gehört aber eben auch, dass wir alle den Willen haben müssen, Dinge zu verändern und dauerhaft anders zu denken und zu handeln. Voraussetzung dafür: Alle Beteiligten, auch die Politik, müssen den Mut aufbringen, unkonventionelle Wege zu gehen, Prozesse zu beschleunigen und die Digitalisierung voran zu treiben. Ich bin beispielsweise nicht sicher, ob die derzeitigen Steuergeschenke wie erhöhtes Kindergeld oder Heizkostenzuschuss die richtigen Mittel sind – oder blicken Sie noch durch, welche Hilfspakete die Bundesregierung beschlossen hat? Von den großen Themen, die jetzt eigentlich angegangen werden müssten, hört man recht wenig.

Säbelzahntiger einfach aufhalten

Der Immobilienbranche muss es gelingen, über ihren eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Der eigene Erfolg muss zum Erfolg aller werden. Das ist sicher eine der größten Herausforderungen, denn schon innerhalb der Branche gibt es viele Bereiche, die deutlich mehr voneinander profitieren könnten. Den Konflikt zwischen Architekt, Planer und Facility-Manager kennen Sie wahrscheinlich.

Den Säbelzahntiger aufzuhalten kann dabei im Grunde ganz einfach sein. Schmieden wir Allianzen, nicht nur innerhalb der Branche. Vertrauen wir auf die Stärken anderer Industrien und arbeiten gemeinsam daran, die dunklen Flecken hell zu erleuchten, damit der Säbelzahntiger keine Chance hat.

zuletzt editiert am 14.11.2022