Wie ist es um die Datensicherheit bei Immobilienunternehmen bestellt? Nicht sonderlich gut, wenn man liest, was Experte Joachim Jakobs über Datenschutz in der Immobilienwirtschaft sagt.
Herr Jakobs, wo sehen Sie die größte Gefahr für die Datensicherheit in der Immobilienbranche?
Joachim Jakobs : Die größte Gefahr besteht darin, dass alles gemacht wird, was technisch möglich ist, aber kein Konzept dahintersteht. Wer eine intelligente Heizung einbaut freut sich, wenn alles funktioniert, aber er versteht oft nicht einmal im Ansatz, was er da tut. Es findet keine Eingangskontrolle statt, ob die Software auch sauber ist.
Wie lässt sich das besser machen?
Joachim Jakobs : Wenn ich meine, eine intelligente Heizung zu benötigen, dann muss ich mich auch um ein Zertifikat kümmern, dass sie sicherheitstechnisch unbedenklich ist. So etwas ist für jedes Gerät nötig. Jede Software, die eingekauft wird, muss sich einer Sicherheitskontrolle unterziehen. Es muss zudem ein Gesamt-Sicherheitskonzept für das Gebäude geben. Dafür sind rollenspezifisch geprüfte Mitarbeiter nötig.
Sie sprechen von der Gebäudeautomation, die ja zunächst einmal Sache des Vermieters ist. Birgt sie auch Gefahren für den Mieter?
Joachim Jakobs : Als im Jahr 2014 bei der US-amerikanischen Supermarktkette Target 70 Millionen Kundendaten von Hackern erbeutet wurden, drangen sie über die Software, die der Hausmeister nutzte, in das System ein.
Kann ein Vermieter oder Betreiber haftbar gemacht werden?
Joachim Jakobs : Wenn ein Entscheider seiner Aufsichtspflicht nicht nachkommt, muss er damit rechnen, mit seinem Privatvermögen zur Verantwortung gezogen zu werden. Dazu gibt es entsprechende Anspruchsgrundlagen im Aktien- und im GmbH-Gesetz.
Immobilienunternehmen, wie zum Beispiel Verwalter, haben viele sensible Datensätze bei sich. Welche Unternehmensbereiche sind besonders gefährdet?
Joachim Jakobs : Es gibt in Unternehmen keine unsensiblen Daten. Bei Google in Australien wurde der Gebäudegrundriss ins Netz gestellt. Wer ihn nun mit weiteren Daten anreichert, kann die Abläufe im Unternehmen nachvollziehen, kann Informationen über Geschäftspartner erlangen oder auch Zugriff auf die Fahrzeuge bekommen.
Joachim Jakobs ist Journalist und Autor des Buches „Vernetzte Gesellschaft. Vernetzte Bedrohungen. Wie uns die künstliche Intelligenz herausfordert“, erschienen 2015 im Cividale-Verlag.
Interview: Roswitha Loibl
