Lisa Deppe ist Geschäftsführerin der datengetrieben arbeitenden Personalberatung Numeris Consulting. Im Rahmen der impuls-Workshops in Berlin haben wir mit ihr über Human Resources in der Immobilienwirtschaft gesprochen.
Frau Deppe, der digitale Wandel hat den Innovationsdruck in der Immobilienwirtschaft erhöht. Wohl noch nie zuvor standen Geschäftsmodelle so stark auf dem Prüfstand. In den impuls-Workshops kristallisierte sich Wissens- management als zentrale Herausforderungen an Unternehmen heraus. Hat Sie das überrascht?
Lisa Deppe: Tatsächlich ist Wissenstransfer nicht das Erste, an das die meisten Unternehmen denken, wenn es um Digitalisierung geht. Stattdessen sind der Umgang mit neuen Technologien und das Veränderungsmanagement die Herausforderungen, die für gewöhnlich genannt werden. Mich hat der Fokus auf das Wissensmanagement daher im positiven Sinn überrascht – das war sehr reflektiert. Damit Innovationen im Unternehmen funktionieren, ist es extrem wichtig, dass relevante Informationen allen Beteiligten vorliegen und weitergegeben werden. Das erfordert eine Kultur, in der sich Mitarbeiter nicht über Wissensvorsprung definieren, sondern gemeinsam an kreativen Lösungen arbeiten – wenn nötig auch über Unternehmensgrenzen hinweg. Dafür müssen natürlich die richtigen Anreize geschaffen werden, zum Beispiel Team-Boni oder Bonussysteme, die sich von den Unternehmenszielen ableiten und auf einzelne Personen heruntergebrochen werden, damit man zum Beispiel für den Endkunden die beste Lösung anbieten kann. Es darf nicht die Angst entstehen, dass man ersetzbar wird, wenn man sein Herrschaftswissen abgibt.
Welche wesentlichen Herausforderungen hat der Workshop außerdem zutage gefördert?
Lisa Deppe: Digitalisierung bringt die Anforderung mit sich, sich schnell und permanent an neue Entwicklungen und Bewegungen im Markt anzupassen, zum Beispiel durch neue Wettbewerber aus dem Tech-Bereich, die nun auch in klassische Branchen wie die Immobilienbranche vordringen. Durch neue Technologien sind zahlreiche neue Kommunikationswege entstanden. Mitarbeiter müssen sich nicht mehr in Meetingräumen treffen, sondern kommunizieren über Email, über Chatprogramme wie Skype und Slack oder über andere Kanäle. Das macht die Kommunikation schneller, aber auch komplexer. In unserem Workshop hat sich herauskristallisiert, dass das auch zu
Problemen führen kann, weil in geschriebener Kommunikation teilweise die Konnotation und die Stimmung verloren gehen. Dadurch entsteht ein viel höherer Interpretationsspielraum. Zudem fehlt der persönliche Aspekt oder Touch, sodass es schwieriger wird, Vertrauen und echte Beziehungen aufzubauen. Um das zu vermeiden ist es wichtig, wieder Plattformen für Austausch und Networking zu schaffen. Zum Beispiel simple Lösungen wie eine Cafébar, an der sich Mitarbeiter auch aus verschiedenen Teams treffen – natürlich mit “Generation Y”-freundlichem Barrista-Kaffee ;)
Darüber hinaus haben Führungskräfte durch die schnelle Veränderung und das Arbeiten in verteilten Teams aber auch die Herausforderung, die Verunsicherung der Mitarbeiter zu managen. Hohe Transparenz, Erreichbarkeit und Nahbarkeit sind daher noch wichtiger geworden.
Für alle Unternehmen wird es entscheidend sein, Nachwuchskräfte für sich zu begeistern. Was erwarten ‚die Neuen‘ von ihren Jobs und von ihren Arbeitgebern?
Lisa Deppe: Wichtigstes Stichwort ist “Sinnhaftigkeit”. Die neuen Arbeitnehmer-Generationen hinterfragen verstärkt die Vision und das Ziel ihres Arbeitgebers, ihrer Aufgaben und wie sie dazu beitragen können. Ihre Perspektive im Unternehmen ist zudem extrem wichtig – Mitarbeiter wollen Transparenz darüber, welche Karrieremöglichkeiten sie haben und klare Wege aufgezeigt bekommen. Zu dieser Selbstwirksamkeit gehört auch, an Entscheidungen zu partizipieren und mitgestalten zu können. Mitarbeiter fordern auf dem Weg zur Zielerreichung maximale Autonomie und
Selbstbestimmung. Damit sie in einer Aufgabe aufgehen und für etwas brennen, wollen sie das Gefühl haben, dass es ihr eigenes „Ding“ ist und sie die Lösungen selbst verantworten. Dafür ist zum einen eine moderne Art von Führung notwendig, die auf Augenhöhe stattfindet und zum anderen auch der Mut und das Vertrauen beider Seiten, sich auf neuartige Wege ein- und Fehler zuzulassen.
Was müssen Arbeitgeber nach Ansicht der impuls-Teilnehmer sonst noch bieten?
Lisa Deppe: Es wurde ja lange von Work-Life-Balance gesprochen. Das Modell ist aber auch schon wieder überholt oder verschoben. Der neuen Generation ist ihr Privatleben sehr wichtig aber Arbeit und Privates verschwimmen und sie wollen beides miteinander verbinden können. Angebote wie Sport am oder in unmittelbarer Nähe zum Arbeitsplatz oder auch ein Frühstücks- oder „Vesper“-Angebot helfen dabei und bieten zudem sehr gute Netzwerk-Aspekte. Solche Konzepte haben schon ein paar der Workshop-Teilnehmer in ihren Unternehmen eingeführt. Auch flexibel gestaltete Arbeitszeiten und -orte sind wichtig und nicht zu vergessen: angemessene Bezahlung und umfassende Weiterbildungsangebote. Die Generationen Y und Z wollen sich permanent entwickeln.
impuls Workshop Ergebnisse
Frau Deppe, wie hat Ihnen eigentlich die Lego-Methode im Workshop gefallen?
Lisa Deppe: Ich fand es großartig und war begeistert über die Reaktion der Teilnehmer! Die spielerische Herangehensweise und wohl auch der vertraute Umgang mit Lego haben bewirkt, dass alle viel offener waren, als ich es aus „normalen“ Gesprächen gewohnt bin. Auch die Kreativität der Antworten wurde meiner Meinung nach dadurch gesteigert, weil durch das Bauen ganz neue Gedankengänge geknüpft wurden. Wir setzen schon ähnliche interaktive Konzepte bei Numeris Consulting ein – zum Beispiel einen Canvas bei der Erarbeitung von Job-Profilen gemeinsam mit
unseren Kunden. Die Methode habe ich direkt als Input für unsere Interviews mitgenommen, um zum Beispiel mit Kandidaten offener über ihre Stärken und Kompetenzen reden zu können. Ich habe das bereits recht erfolgreich letzte Woche in einem internen Interview für unser eigenes Team getestet.
Das Interview führte Markus Gerharz.
