Tower 185, Frankfurt, Hochhaus
Im Frankfurter Tower 185 arbeitet eine prädiktive Gebäudesteuerung. (Quelle: CA Immo)

Nachhaltigkeit & ESG

5. August 2022 | Teilen auf:

Das Gebäude denkt voraus

Mit prädiktiven Gebäudesteuerungen lassen sich hohe Energiekosten und CO2 einsparen.  Was sie leisten können, erläutert Uwe Großmann von Meteoviva.

Bürogebäude energieeffizient und emissionsarm zu steuern, ohne Kompromisse beim Innenraumkomfort zu machen: Dies scheiterte bislang vor allem an fehlender Vernetzung und dem mangelnden Einsatz smarter Datentechnologien.  Doch innovative Ansätze wie der digitale Zwilling etablieren sich und ermöglichen es, dass Gebäude nicht nur mit-, sondern auch vorausdenken können.

Durchschnittlich 20 bis 45 Prozent Energiekosten und CO2 lassen sich mit einem digitalen Zwilling einsparen, wenn er die vorausschauende Steuerung in gewerblichen Immobilien übernimmt.  Ein digitaler Zwilling ist ein virtuelles Abbild der Bauphysik und der Nutzung einer Immobilie. Das explizite thermodynamische Modell kann die Abläufe im Gebäude simulieren und optimieren, was zu hohen Einsparungen führt.

Es überrascht nicht, dass sich die vorausschauende Gebäudesteuerung zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor in der Branche entwickelt hat. Entsprechende Lösungen kommen mittlerweile in den Immobilienbeständen der Deka, der Allianz, aber auch bei Shoppingcenter-Betreibern wie ECE zum Einsatz. Auch Corporates mit großem Immobilienbestand wie die Deutsche Bahn und BMW nutzen diese Maßnahme, um den Energieverbrauch in ihrem Gebäudebestand dauerhaft zu reduzieren. Bei all diesen Unternehmen ist eine solche Lösung Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie. Dank des automatisierten Datenmanagements können die erforderlichen Daten für die Berichterstattung gleich mitgeliefert werden.

Auch in der Zertifizierung von nachhaltigen Gebäuden hat die prädiktive Gebäudesteuerung Einzug gehalten. Seit September letzten Jahres ist Meteoviva Climate eine anerkannte Dienstleistung für das DGNB-Zertifizierungssystem „Gebäude im Betrieb“. Objekte, in denen die Lösung eingesetzt ist, erfüllen von vornherein bereits sieben der neun Prüfkriterien; dies sichert ihren Anwendern mindestens ein DGNB-Zertifikat in Bronze. Neben den ökologischen Aspekten erfüllt die prädiktive Gebäudesteuerung auch wichtige soziokulturelle Kriterien.

Innenraumkomfort wird zum wirtschaftlichen Faktor

Gutes Raumklima und Nutzerkomfort sind auf Gebäudeebene elementare Kriterien für die ESG-Strategie und für Zertifizierungen. In der DGNB-Zertifizierung für den Gebäudebetrieb decken sie insgesamt zwei der drei soziokulturellen Kriterien ab. Mit automatisch generierten Daten lässt sich die Qualität des Raumklimas erstmals messen und dokumentieren.               

Ein dauerhaft optimiertes Raumklima liefert aber auch handfeste ökonomische Argumente. Studien belegen, dass Produktivität und klimatische Behaglichkeit am Arbeitsplatz Hand in Hand gehen. Unternehmen, die solche Lösungen einsetzen, verzeichnen nachweislich entscheidende Rückgänge bei den Mitarbeiterbeschwerden. Insbesondere in den Sommermonaten werden mit Hilfe des prädiktiven Gebäudebetriebs Überhitzungen im Büro vermieden und damit die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz gewährleistet. Das bedeutet in Summe Produktivitätsgewinne, weniger Beschwerdetickets sowie geringere Einsatzzeiten für das ohnehin knappe technische Personal.

Autor: Uwe Großmann, Geschäftsführer, Meteoviva GmbH

zuletzt editiert am 06.09.2022