Luftbild des Siemens Center in Feldafing
Concular sorgte dafür, dass die Materialien im Siemens Center in Feldafing wieder in den Nutzungskreislauf zurückfanden. (Quelle: Siemens Real Estate)

Nachhaltigkeit & ESG 2023-11-10T13:11:41.065Z Concular schließt den Materialkreislauf

Kreislaufwirtschaft: Über eine digitale Plattform soll die Bauindustrie zirkulär und ressourcenschonender werden.

Die Baubranche ist der größte Umweltverschmutzer der Welt. Nur etwa ein Prozent aller Baumaterialien wird wiederverwendet und das, obwohl die Baubranche für 40 Prozent des CO2-Ausstoßes und 60 Prozent des Abfalls verantwortlich ist.

Concular will eine digitale Plattform für Materialkreisläufe der Baubranche schaffen und somit eine zirkuläre und ressourcenschonende Bauindustrie ermöglichen. Durch die Wiederverwendung von vorhandenen Ressourcen wird der größtmögliche Grad an ressourcenschonender, energieeffizienter und umweltfreundlicher Arbeit in der Baubranche erreicht. Durch das Matching von Materialbedarf und -angebot wird die Einsparung von immensen Mengen an CO2 und Abfall ermöglicht. Über 250 Projekte wurden schon erfolgreich umgesetzt.

Frau mit Smartphone in einem Treppenhaus
Das Inventar eines Gebäudes wird in eine eigene Datenbank aufgenommen. (Quelle: Concular)

Eines der bisher erfolgreichsten Projekte ist in Kollaboration mit Siemens Real Estate entstanden: Das Siemens Global Leadership Center in Feldafing sollte modernisiert werden und an Stelle des jetzigen Gebäudes ein zukunftsweisender Neubau in umweltfreundlicher Massivholzbauweise entstehen. Um das Projekt so nachhaltig wie möglich zu gestalten, musste natürlich auch das Bestandsgebäude möglichst ressourcenschonend zurück in den Materialkreislauf eingebracht werden. Deswegen wurde Concular mit einem sogenannten Circularity Assessment — der Digitalisierung aller im Gebäude enthaltenen Materialien — beauftragt. Denn nur damit können die Materialien wieder in einen Kreislauf gelangen. Dieses Projekt ist die erste Zusammenarbeit zwischen Concular und Siemens Real Estate. Auch für Siemens Real Estate ist es das erste Mal, dass ein komplettes Gebäude ihres Portfolios digitalisiert und Materialien über die Concular-Plattform zurück in den Materialkreislauf gegeben wurden.

Das Ziel

Materialien wiederverwenden und damit CO2, Abfall und Ressourcen einsparen – das Potenzial ist enorm: Werden die im Gebäude vorhandenen hochwertigen Baustoffe konsequent in den Stoffkreislauf zurückgeführt, kann die Baubranche bis zu 20 Prozent des globalen CO2 und 30 Prozent des Ressourcenverbrauchs einsparen.

Das Projekt mit Siemens Real Estate in Feldafing dient als Beispielprojekt, um dieses Potenzial zu verdeutlichen. Wie bei jedem neuen Projekt führte Concular auch für das Schulungszentrum in Feldafing eine erste Gebäudeanalyse durch, die das zirkuläre Potenzial der Materialien im Gebäude bestimmt. Das Ergebnis war positiv – für das Gebäude wurde ein hoher „Circularity-Wert” berechnet — das bedeutet grünes Licht für die Wiedereinbringung.

Die Herausforderung

Bei über 2.000 Produkten und rund 300 Kunden besteht die größte Herausforderung in der professionellen Koordination der Material-Vermittlungsarbeit. Hier managen die Projektleiter die Kommunikation zwischen Auftraggeber, selektiven Rückbaubetrieben, Material-Wiederaufbereitern, direkten Abnehmern und vielen weiteren Teilnehmern der Wertschöpfungskette. Durch den Zirkularitätsanspruch entsteht eine hohe Komplexität, der mit professionellem Projektmanagement und digitalen Instrumenten begegnet werden muss, um einen reibungslosen Ablauf zu bewerkstelligen.

Für Siemens Real Estate war der Prozess der Wiederverwendung von Baumaterialien im herkömmlichen Bauprozess neu. Neben dem passenden Erwartungsmanagement ging es Concular daher auch um die optimale Einbindung aller Beteiligten in den Prozess sowie die professionelle Organisation der Verantwortlichkeiten im Projekt. Im wöchentlichen Jour Fixe wurde allen Unwägbarkeiten mit lösungsorientierten Prozessen begegnet.

Die Umsetzung

Nach der ersten Einschätzung des Wiederverwendungspotenzials der Materialien beginnt die gründliche digitale Erfassung der Materialien, das sogenannte „Circularity Assessment”. Beim Siemens Global Leadership Center wurden dafür alle notwendigen Daten zu den wiederverwertbaren Materialien, wie Maße, Verfassung, Materialart, Hersteller und vieles mehr erfasst. Diese Daten bilden die Grundlage für digitale Materialpässe, die in ihrer Gesamtheit dann den Gebäudepass bilden. Die Aufnahme geschieht mittels einer eigens entwickelten Software und 3D-Scans.

Nach der Digitalisierung des Gebäudes und im Falle eines Rückbaus oder einer Sanierung werden die jeweiligen Materialien über Conculars Materialdatenbank zum Verkauf gestellt. Alle notwendigen Informationen sind für potenzielle Abnehmer und Abnehmerinnen vollständig einsehbar. Die besondere Datentiefe der Materialpässe ermöglicht Planungssicherheit im Bau für den Abnehmer. Nachdem die Materialien von Rückbauunternehmen selektiv zurückgebaut wurden, können sie von den Kunden und Kundinnen an der Baustelle abgeholt und an anderer Stelle in den Materialkreislauf wieder eingebracht werden.

Materialpässe sind nicht nur wichtig für die erfolgreiche Vermittlung von Materialien, sondern bieten neben ihrer Materialinformation auch Analysemöglichkeiten zur Lebensdauer der jeweiligen Materialien im Gebäude, des CO2-Footprints oder auch dem Ressourcenwert des Gebäudes. Dies ermöglicht dem Gebäudebesitzer, sein Gebäude als Materialressource zu quantifizieren und ökonomisch und ökologisch sinnvoll zu planen. Baumaterialien werden durch die Digitalisierung also nicht nur wiederverwendet, sondern der ökonomische und ökologische Wert der Materialien wird messbar gemacht.

Concular und Siemens Real Estate holten sich den imAward 2023 in Sachen Nachhaltigkeit & ESG.

Das Ergebnis

Bei dem Projekt in Feldafing konnte der Kunde Siemens Real Estate durch den Einsatz der Concular-Lösung rund 140 Tonnen CO2 einsparen und zudem erhebliche Einsparungen bei den Entsorgungs- und Deponiekosten erzielen. Neben den eigentlichen CO2-Einsparungen konnten auch zahlreiche Menschen für das Thema Nachhaltigkeit in der Baubranche interessiert und als Nebeneffekt für das Thema sensibilisiert werden. Seit Projektbeginn haben sich mehr als 60.000 Menschen das Projekt angesehen. Mit Hilfe der digitalen Materialpässe konnte Siemens Real Estate rund 700 Materialien aus dem Altbau bergen, die nun in der Interimslösung des Unternehmens und zum Teil im Neubau wiederverwendet werden. Weitere 2.400 Materialien wurden durch Materialvermittlung wiederverwendet und so vor der Deponierung bewahrt. Insgesamt wurden also über 3.100 Materialien eingespart.

Mit dem Projekt haben Concular und Siemens Real Estate den immobilienmanager-Award 2023 in der Kategorie Nachhaltigkeit & ESG gewonnen. Noch bis zum 24. November können Sie sich mit Ihrem Projekt oder Ihrer Leistung für den imAward 2024 bewerben. Alle Informationen zum renommierten Branchenpreis finden Sie hier .

Daten und Fakten

Projekt: Siemens Global Leadership Center, Feldafing

Zeitrahmen: Juli 2022 bis Januar 2023

Einsparung CO2: 140 Tonnen

Im Siemens-Neubau wiederverwendet Materialien: 700

Vermittelte Materialarten: 2.400

zuletzt editiert am 10. November 2023
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