Wohnungsinvestoren entdecken die Plattenbaustadt, deren Einwohner sich über deutlich gestiegene Einkommen freuen können - in Teil 2 der Themenwoche "Unser Osten" blicken wir auf die Kulturhauptstadt Europas 2025.
Während Leipziger und Dresdener allmählich unter steigenden Mieten und Kaufpreisen stöhnen und sich mit Abwanderungsgedanken tragen, blickt man 80 Kilometer weiter westlich gespannt, auf das was kommt: Chemnitz, die 250.000-Einwohner-Stadt, gilt als Geheimtipp, nicht nur für Investoren. Ende Oktober erhielt sie die Nachricht, Deutschland 2025 als „Kulturhauptstadt Europas“ vertreten zu dürfen.
Die Arbeiterstadt, das Schmuddelkind, die Stadt, in der rechter Terror wütete, die ehemalige Karl-Marx-Stadt als Vorzeige-Stadt – für viele war das lange unvorstellbar. Zu den ersten Gratulanten gehörte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer : „Ich freue mich riesig für diese wunderbare Stadt und die hier lebenden Menschen. Ich bin mir sicher: Die Macher-Mentalität der Chemnitzer war mitentscheidend dafür, dass es am Ende geklappt hat.
„Die Zeit der großen Schnäppchen ist vorbei“
Freude auch bei einem anderen: bei Lars Faßmann . Der Wirtschaftsinformatiker und Unternehmer war einer der ersten, der in seiner Heimatstadt Altbauten aufkaufte und so vor dem sicheren Verfall rettete. „Damals gab es Mehrfamilienhäuser für 30.000 Euro“, erzählt Faßmann. Statt Luxussanierungen zu starten, renovierte er nur das Nötigste, bot vor allem Künstlern, Studenten und Start-ups günstigen Wohn- und manchmal auch Arbeitsraum. „Damit hat er einen ganzen Stadtteil, den Sonnenberg, mit kreativem Leben gefüllt“, sagt Wegbegleiter Ulrich Weiser , der mit seinem FOG-Institut für Markt- und Sozialforschung das Geschehen in Chemnitz seit Jahren untersucht.
Auch die Chemnitzer haben Faßmann seinen Einsatz hoch angerechnet. 2020 trat er als parteiloser Oberbürgermeister-Kandidat an, bekam achtbare 13,75 Prozent der Stimmen. Dass es Häuser mit viel Potenzial in Chemnitz gibt, hat sich mittlerweile herumgesprochen. „Die Zeit der großen Schnäppchen ist vorbei. Heute muss man 100.000 bis 200.000 Euro für unrenovierte Häuser bezahlen“, sagt Faßmann und ist sicher, dass es sich lohnt. Ulrich Weiser bestätigt das: „Seit 2005 sind die Einkommen stark gestiegen, die Arbeitslosigkeit deutlich gesunken. Die Mieter wollen sich etwas leisten. Jeder Immobilienakteur kann von dieser großen Zahlungsbereitschaft profitieren.“
Einer der ersten, der gerade zugeschlagen hat, ist J akob Mähren . Im Oktober ging seine vor Kurzem noch ganz auf Berlin fixierte Mähren AG auch in Ostdeutschland auf Einkaufstour, erwarb nicht nur in Dresden zwei Mehrfamilienhäuser, sondern auch in Chemnitz eine Wohnanlage mit 29 Einheiten.
Autorin: Ines Rákóczy
