Bulwien-Empiria-Streit
Popcorn zücken und beobachten, wie es weitergeht: Auch auf Twitter sorgt der Widerspruch für Aufmerksamkeit - und den ein oder anderen Seitenhieb (Foto: Twitter.com)

Standorte & Märkte 2017-02-20T00:00:00Z Bulwien Gesa widerspricht Empirica-Aussagen im Frühjahrsgutachten

Das Analysehaus Bulwien Gesa hält Aussagen im Frühjahrsgutachten zu Wertkorrekturen in den deutschen Metropolen für falsch.

Das Analyse- und Beratungshaus Bulwien Gesa hat wesentlichen Aussagen des Frühjahrsgutachtens der Immobilienweisen widersprochen. Gleich zu mehreren Aussagen von Empirica, die im Gutachten vorkommen, hat Bulwien Gesa eine andere Meinung. Zwar seien Wertkorrekturen auf den städtischen Märkten für Eigentumswohnungen in den kommenden Jahren nicht unwahrscheinlich. Wenig valide seien aber das beschriebene Ausmaß und die Konzentration auf die wirtschaftlich starken Großstädte.

Hohe Preiskorrekturen in den Metropolen hält Bulwien Gesa für unrealstisch. Empirica hatte mit entsprechenden Bevölkerungswanderungen argumentiert. Laut Bulwien Gesa müsse man allerdings die Qualität der Wanderung näher spezifizieren, etwa in Bildungs-, Arbeits- und/oder Flüchtlingsmigration, bevor man diese Aussage so treffe.

Zudem sei eine Argumentation allein mit Baugenehmigungen und zwangsläufig daraus folgenden Baufertigstellungen zweifelhaft. Und ein pauschaler Bezug zwischen Angebotsüberhang und Preisrückgang ist nach Einschätzung von Bulwien Gesa ebenfalls nicht präzise. Empirica lasse eine wichtige Frage außer Acht: Sind Angebotssegment und das Segment mit dem Preisrückgang überhaupt kongruent? Aus der Sicht von Bulwien Gesa sollte jeweils eine individuelle Betrachtung vorgenommen werden – die Preise in Berlin-Mitte werden nicht stark zurückgehen, wenn in Spandau Wohnungen leer stehen.

Einigkeit in einem Punkt
Es gibt aber auch Zustimmung zu einer Aussage von Empirica. Die deutschen Wohnungsmärkte befinden sich auch nach Meinung von Bulwien Gesa in einer Phase der Abkühlung – wenn auch auf hohem Niveau. Besonders das Zinsniveau und die Realwirtschaft in den deutschen Städten dürften aber den künftigen Zeitpunkt und das Ausmaß einer Wertkorrektur mindestens ebenso sehr bestimmen wie die demografische Entwicklung.

Auch mancher Marktteilnehmer hat mittlerweile öffentlich Gegenrede zum Frühjahrsgutachten erhoben. So erklärte Dr. Marc Weinstock von DSK | BIG Gruppe: „Die zugrundeliegenden Annahmen sind ebenso wenig stichhaltig wie die volkswirtschaftliche Interpretation, die gesellschaftliche Veränderungen als Treiber von Bevölkerungsbewegungen weitgehend ausblenden. Der Fokus ist zu sehr auf die Zentren der Metropolregionen verengt und hat zu wenig das Umland als Gesamtentwicklungsraum im Auge."

zuletzt editiert am 31. Mai 2021
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