Im Kontext der Diskussion über das Büro der Zukunft geht es immer wieder um einen Faktor: die Flexibilität. Doch deren Bedeutung sollte nicht überschätzt werden, findet Markus Bruckner, Principal und Managing Director bei Avison Young Deutschland.
Nicht nur vor dem Hintergrund einer möglichst effizienten Flächengestaltung kommt der Flexibilität im Büro aus Unternehmenssicht – Stichwort Desk Sharing – immer größere Bedeutung zu. Auch im Rahmen des Trends „New Work“, der die Entfaltung des individuellen Potenzials in den Fokus rückt, scheint Flexibilität zunehmend Voraussetzung
für eine produktive Arbeitsumgebung zu sein. So positiv es zu bewerten ist, dass sich Unternehmen mit einer Neugestaltung von Strukturen, Prozessen und Arbeitsumgebungen beschäftigen – bei ihren Überlegungen übersehen viele Organisationen, dass ihre Vorstellungen und die Bedürfnisse der Arbeitnehmer oft nicht deckungsgleich sind. Mehr Flexibilität für den Einzelnen ist mitnichten immer gleichbedeutend mit maximaler Motivation, Effektivität und Produktivität.
Die Freiheit, selbstbestimmt ort- und zeitunabhängig zu arbeiten, überfordert. Viele Arbeitnehmer wünschen sich klar definierte Rahmenbedingungen. Ein fester, stationärer Arbeitsplatz, aber auch begrenzte Arbeitszeiten sind dabei zwei wesentliche Komponenten – nicht nur für ältere Generationen. Lange galt die Generation Y, also die Arbeitnehmer, die zwischen 1980 und 1995 geboren wurden, als Sinnbild für eine flexible und miteinander verschmelzende Lebensund Arbeitswelt. Doch nur weil Millennials gemeinhin gerne flexibler arbeiten als noch die Baby Boomer oder die Generation X, heißt das nicht, dass die Vertreter dieser Generation keinen Wert mehr auf einen stationären Arbeitsplatz legen. Die Generation Z, die nach 1995 geboren und mit dem Internet sozialisiert wurde, sehnt sich sogar wieder nach Kernarbeitszeiten und einer Trennung zwischen Arbeit und Freizeit.
Flexibel umgehen mit der Flexibilität
Das zeigt: Die Flexibilisierung von Arbeitsumgebungen kann nicht allgemeingültig, sondern muss immer vor dem Hintergrund der individuellen Bedürfnisstrukturen unterschiedlicher Arbeitnehmertypen in einem Unternehmen durchgeführt werden. Das gilt ganz besonders, weil herausragende Fachkräfte heute das höchste Gut eines jeden
Unternehmens darstellen. Die langfristige Mitarbeiterzufriedenheit muss für die Geschäftsführung ein übergeordnetes Ziel sein. Aus fälschlicher Verallgemeinerung heraus allen Mitarbeitern ein rundum flexibles Arbeitskonzept überzustülpen, nur weil dieses zeitgemäß erscheint, ist wenig zielführend.
Stattdessen müssen die Verantwortlichen genau überlegen, wo und in welchem Maße flexible Aspekte sinnvoll sind. Damit schließt sich auch der Kreis zur Flächengestaltung. Das klassische Großraumbüro ist überholt. Genauso wenig ratsam und aufgrund arbeitsrechtlicher Vorgaben umsetzungsfähig ist es aber, rein flexible Flächen zu konzipieren. Das Büro der Zukunft kombiniert vielmehr verschiedene Nutzungsformen von Schreibtischen mit festen Sitzordnungen in
größeren Einheiten oder in kleinen abschließbaren Büros bis hin zu Besprechungskabinen und Lounge-Flächen, die bedarfsabhängig genutzt werden können. Langfristig nachhaltig sind Büroimmobilien nur, wenn ihre Flächenkonzeption, der Innenausbau und die Flächenveredelung später angepasst und damit den Bedürfnisstrukturen der Mitarbeiter gerecht werden können. Genau so müssen Investoren, Vermieter und Entwickler Gebäude künftig bewerten und
konzipieren.
Gegen die vollständige Arbeitsplatz- und Arbeitszeitflexibilität, die durch das Fortschreiten der Digitalisierung technisch grundsätzlich möglich wäre, spricht übrigens noch ein zweiter Aspekt: Sie verlangsamt den Betrieb, weil es in der Folge komplett individueller Lösungen keine einheitlichen Erreichbarkeiten mehr gibt. Prozesse und Projekte, in die mehrere Mitarbeiter involviert sind, verzögern sich in der Folge, im schlimmsten Fall scheitern sie sogar. Auch deshalb bleibt es unumgänglich, dass Teams auch künftig physisch zu festgelegten Zeiten zusammenkommen. Und zwar an einem zentralen Ort, der für alle Mitarbeiter sehr gut erreichbar ist und jedem Einzelnen die optimale Arbeitsumgebung bietet: dem Büro.
Autor: Markus Bruckner ist Principal und Managing Director bei Avison Young Deutschland.
