Deutsche Baustellen von Ausländern abhängig
Der Anteil der ausländischen Arbeitnehmer im deutschen Bauhauptgewerbe hat stetig zugenommen. Das schafft jetzt, in Zeiten geschlossener Grenzen, Probleme. Bild: Hauptverband der Deutschen Bauindustrie

News 2020-03-20T00:00:00Z Bauunternehmen in der Zwickmühle

Fast 20 Prozent der Arbeiter kommen aus dem Ausland. / Noch läuft der Betrieb auf den meisten deutschen Baustellen trotz der Corona-Pandemie.

Geschlossene Grenzen, Krankheitsfälle und Gesundheitsvorsorge stellen die deutschen Bauunternehmen zurzeit vor besondere Herausforderungen. Immerhin heißt es bei der Zech Group: „Ein geringer Anteil an osteuropäischen gewerblichen Mitarbeitern/Nachunternehmern ist geordnet und in Abstimmung mit den jeweiligen Bauleitungen zu ihren Familien in die Heimatländer zurückgereist“, so ein Sprecher. Auch die IG Bau sieht keine großen Probleme: „Sehr vereinzelt hören wir von fehlenden Fachkräfte aus dem Ausland, wenn sie kurzfristig in ihre Heimatländer gefahren waren und nun nicht mehr zurückreisen dürfen. Das sind aber aus unserer Wahrnehmung Ausnahmen", berichtet die Gewerkschaft.

Die Bedeutung ausländischer Arbeitnehmer für das deutsche Bauhauptgewerbe ist groß. Ihr Anteil an der gesamten Beschäftigtenzahl betrug im Juni 2019 immerhin 19,5 Prozent. Wenn man den Blick auf Osteuropa konzentriert, so kamen rund 7,5 Prozent der Beschäftigten im Baugewerbe (nicht nur Bauhauptgewerbe) aus diesen Ländern. Diese Zahlen stammen vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie.

Die großen deutschen Bauunternehmen können den Betrieb ihrer Baustellen momentan noch aufrechterhalten. Im Gegensatz zu den österreichischen Kollegen verzeichnet die Strabag-Unternehmensgruppe in Deutschland in der Bauausführung oder Lieferkette noch keine gravierenden Auswirkungen, Verzögerungen oder Beeinträchtigungen durch die Corona-Krise. „Wir verfolgen die Situation für jede einzelne Baustelle sehr engmaschig und entscheiden – wo immer möglich – in enger Abstimmung mit unseren Auftraggeberschaften über die jeweils beste weitere Vorgehensweise“, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Strabag und Züblin haben in Deutschland zurzeit rund 2.500 Baustellen, auf denen rund 30.000 Menschen arbeiten.

Die Zech Group ließ wissen, dass der Großteil der gewerblichen Mitarbeiter und Nachunternehmer auf den Baustellen im Einsatz sei. „Unter Einhaltung der Sicherheits- und Verhaltensmaßnahmen werden wir bis auf Weiteres unsere Verträge erfüllen“, sagte ein Sprecher.

Bei Köster Bau hieß es heute, Freitagmorgen: „Zum aktuellen Zeitpunkt läuft unser Geschäftsbetrieb. Er wird durch die mittlerweile flächendeckenden Entwicklungen und Maßnahmen jedoch eingeschränkt.“

International tätige Unternehmen wie Implenia müssen in manchen Ländern ihre Tätigkeit einstellen, wie beispielsweise in Frankreich, wo ab diesem Wochenende der Betrieb für 15 Tage gestoppt wird und eine Verlängerung der Maßnahme „zu erwarten ist“. In Deutschland sieht es (noch) anders aus: „Auf den Baustellen wird gearbeitet, teilweise entstehen Verzögerungen durch Probleme mit Subunternehmern und Lieferanten“, schrieb das Unternehmen in einer Mitteilung.

Autorin: Roswitha Loibl

zuletzt editiert am 31. Mai 2021
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