Alexander-Knälmann-Apoprojekt-Baukultur-ZIM03-2017
Alexander Knälmann (Foto: Apoprojekt)

Management 2017-04-11T00:00:00Z Baukultur – auch am Bau

Bei Baukultur geht ist nicht nur um Architektur und Stadtplanung. Es geht auch darum, wie die beteiligten Partner miteinander umgehen. Ein Kommentar von Alexander Knälmann.

Nur zu gern wandeln sich auf der Baustelle Partner zu Feinden, erwachsen aus der Gemengelage Bauherr – Architekt – Mieter – Bauunternehmen interessengetriebene Konflikte, in denen jeder der Beteiligten versucht, das Projekt in seinem Sinne zu optimieren. Sollte man gleich von „Krieg am Bau“ sprechen? Zumindest ist es an der Tagesordnung, dass sämtliche Register, die die deutsche Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) zur Verfügung stellt, auch tatsächlich gezogen werden.

Das Projekt wieder in den Mittelpunkt stellen
Abhilfe schafft der respektvolle Umgang der am Bau Beteiligten miteinander, die von Vornherein durchdachte Integration aller Projektpartner. Die einen nennen dieses Konzept Partneringmodell, für mich ist es eine Baukulturfördermaßnahme. Denn der von Anfang an partnerschaftliche Umgang in einem Projekt dient keinem Selbstzweck, sondern stellt das Bauvorhaben wieder in den Mittelpunkt.

Um das bei der Komplexität kleiner wie großer Bauprojekte bewerkstelligen zu können, müssen alle Projektpartner bereits frühzeitig eingebunden werden. Dazu bedarf es eines gehörigen Vertrauensvorschusses des Bauherren. Am Umgang mit diesem Vertrauen werden sich die Projektpartner bei Folgeprojekten messen lassen, weshalb sie gut beraten sind, dieses Vertrauen nicht auszunutzen. Nur wenn die Beteiligten gleiche Ziele verfolgen, wird sich später niemand übervorteilt oder übergangen fühlen.

Vergabeverhandlungen zerstören Vertrauen
Es mag abwegig klingen, aber gerade die bauausführenden Firmen sollten frühzeitig ins Boot geholt werden. Bei klassischen Projektstrukturen sind es die quälend langen, von Misstrauen geprägten Vergabeverhandlungen, die am Anfang des gemeinsamen Weges stehen.

Von Glück reden kann da, wer sich am Ende mit dem sprichwörtlich letzten noch irgendwie akzeptablen Preis durchgesetzt und – mal mit, mal ohne Erfolg – den Bauvertrag auf ein erträgliches Maß zu trimmen gewusst hat. Die Folge ist allen Beteiligten nur zu gut bekannt: Wenn das Projekt nämlich beginnt, ist eine Optimierung der Generalunternehmen für ihr eigenes Geschäftsmodell meist unerlässlich. Das wiederum wird von den Auftraggebern beinahe auch erwartet – gemäß dem Motto „bei der Vergabe 20 Prozent gespart, da kann ich mir zehn Prozent Nachträge leisten“.

Für mich gehört zu gelebter Baukultur, dass sich die Beteiligten vor Baubeginn, im besten Falle sogar vor Vergabe bereits auf die durchzuführenden Optimierungen einigen – und diese auch gemeinsam umsetzen.

Kein Bau ohne Risiken – und keine Baukultur ohne Risikoakzeptanz. Wenn von spezifischen Interessen der Projektpartner die Rede ist, stehen fast immer monetäre Überlegungen im Vordergrund. Dass darunter die Baukultur leidet, ist offensichtlich.

Risiken gemeinsam tragen
Das Design&Build-Verfahren beispielsweise ist ein guter Weg, um Baukultur auch während der Planungsund Bauphase zu pflegen. Und nicht zuletzt ist die Übernahme von Risiken durch alle Beteiligten erforderlich. Die deutschen Gesetze sehen echte Festpreise kaum vor. Daher bedarf es erst recht Partner, die sich von Anfang an vertrauen und die bis zur Schlüsselübergabe ein gemeinsames Ziel verfolgen.

Die zusammenfassende Klammer auf dem Weg zu mehr Baukultur am Bau ist der gemeinsame Wille. Wenn alle Projektpartner das Bauvorhaben wirklich mit- statt gegeneinander durchführen wollen, dann steht dem Erfolg des Projekts nichts mehr entgegen.

Autor: Alexander Knälmann ist Geschäftsführer von Apoprojekt.

zuletzt editiert am 31. Mai 2021
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