Das Statistische Bundesamt hat die Baugenehmigungszahlen veröffentlicht. Demnach wurde im Jahr 2020 der Bau von insgesamt 368.400 Wohnungen genehmigt - im Vergleich zu 2019 ein Plus von 2,2 Prozent. Lesen Sie hier die Kommentare der Branchenverbände.
„Der Trend stimmt, aber die Dynamik flacht zu sehr ab.“ So kommentiert Axel Gedaschko , Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW , die heute veröffentlichten Baugenehmigungszahlen des Statistischen Bundesamtes. Gegenüber dem Jahr 2019 gab es einen Anstieg um knapp 8.000 oder 2,2 Prozent . Die Dynamik bei den Baugenehmigungen hat in Zeiten der Coronakrise aber nachgelassen. Im Jahr 2019 hatte der Anstieg gegenüber dem Vorjahr noch bei vier Prozent gelegen. Insbesondere bei den Mehrfamilienhäusern fällt der aktuelle Anstieg der Baugenehmigungszahlen für das Jahr 2020 mit 0,4 Prozent sehr gering aus.
„Um das bezahlbare Wohnen in Deutschland wirklich voranzubringen, ist ein stärkerer und dauerhafter Schub bei den Baugenehmigungen notwendig. Dafür brauchen wir Ermöglichungsbehörden, die den Weg für zukunftsfähiges und soziales Bauen frei machen“, sagt Gedaschko. „Gerade das letzte Jahr hat uns schmerzlich spüren lassen, dass wir mit Verfahren aus dem Postkutschenzeitalter bei Baugenehmigungsverfahren, aber auch bei Planungs- und Vergabeverfahren völlig aus der Spur gekommen sind. Wir müssen digitalisieren, beschleunigen und effizienter werden.“
BFW fordert stärkeren Fokus auf Ballungsgebiete
BFW-Präsident Andreas Ibel mahnt eine detaillierte Betrachtung an. „In Ballungsgebieten ist bezahlbarer Wohnraum weiterhin knapp und teuer“, so Ibel in Berlin. Entscheidend sei sowohl die regionale Verteilung der Baugenehmigungen als auch der Anteil von Ein- und Mehrfamilienhäusern.
„Der geringe Anstieg bei den Baugenehmigungszahlen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir insbesondere in den Ballungsgebieten noch weit entfernt sind vom eigentlichen Neubaubedarf“, sagt der BFW-Präsident. Zwar gebe es bei den Baugenehmigungen für neue Ein- und Zweifamilienhäusern klare Zuwächse ( 2,4 bzw. 20,5 Prozent ). Bei Mehrfamilienhäusern stagniere die Zahl dagegen (+0,4 Prozent). „Baugenehmigungen müssen vor allem dort schnell erteilt werden, wo bezahlbarer Wohnraum dringend gebraucht wird, und das sind die Metropolen“, ergänzt Ibel. Er verweist auf die rückläufige Zahl der Baugenehmigungen in Berlin und gesunkene Fertigstellungszahlen für 2020 in Hamburg.
„Wir brauchen den gemeinsamen politischen Willen für mehr Neubau bei Bund, Ländern und Kommunen, wenn der Anstieg der Mieten langfristig gedämpft werden soll. Dies setzt auch Planungssicherheit für die mittelständische Immobilien- und Wohnungswirtschaft voraus. Undurchschaubare Vorschriften, langwierige Genehmigungsverfahren und ständige Eingriffe ins Mietrecht machen Investitionen in den Neubau unattraktiv. Gerade am Beispiel Berlins zeigt sich, dass die Mietenpolitik komplett am Bedarf vorbeigeht“, so Ibel mit Verweis auf den Mietendeckel in der Hauptstadt.
Der BFW-Präsident fordert außerdem, dass die Politik angesichts der Corona-Krise einen stärkeren Fokus auf die Entwicklung der Innenstädte legt. „Wenn wir auch in Zukunft attraktive und lebendige Innenstädte wollen, müssen wir das Wohnen dort leichter ermöglichen“, unterstreicht Ibel. „Die Corona-Krise erfordert schnelle Entscheidungen und schlanke Prozesse in allen Bereichen – auch beim Bauen.“
ZIA fordert Regulierungsmoratorium
Aus Sicht des Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA), Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, ist die Stagnation der Baugenehmigungen und vor allem der Rückgang an genehmigten Mehrfamilienhäusern in den A-Städten eine schwere Hypothek, um die angespannten Wohnungsmärkte in den Metropolen zu entlasten.
„Wir brauchen ein Regulierungsmoratorium. Nach einer Legislaturperiode, die durch neue Regulierungen geprägt war, sieht man nun, dass das Problem nicht gelöst, sondern verschärft wurde,“ so ZIA-Präsident Dr. Andreas Mattner . „Das Baulandmobilisierungsgesetz ist die nächste Bremse, die nun angelegt wird. Sinnvoller wäre die Umsetzung des Planungsbeschleunigungsgesetztes und eine Überprüfung der 20.000 Bauvorschriften. Bauen muss schneller, einfacher und damit attraktiver sein, nur dann werden auch mehr Wohnungen gebaut.“
Mattner fordert für die kommende Legislaturperiode einen Neustart der Baupolitik. „Ein echtes Bündnis aus Politik, Immobilienwirtschaft und Mietervertretern mit der klaren Zielsetzung, mehr Wohnraum zu schaffen wäre der richtige Weg. Aus dem derzeit vorherrschenden Klima des Gegeneinanders muss ein Klima des Miteinanders werden. Wir stehen für einen Neuanfang bereit!“
